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Niedersachsen Continental steht vor einem Neuanfang
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Continental steht vor einem Neuanfang
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20:31 11.08.2009
Von Lars Ruzic
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Der Ärger um die Absetzung von Conti-Chef Karl-Thomas Neumann beschleunigt den Umbau des Konzernvorstands. Bei der Aufsichtsratssitzung am Mittwoch könnte ein ganzes Bündel von Personalien beschlossen werden. Der Großaktionär Schaeffler sowie die Gewerkschaften IG BCE und IG Metall haben ein Kompromisspaket geschürt, das dem Conti-Vorstand mittelfristig seine alte Mannschaftsstärke zurückgeben soll. Zuletzt war der Zulieferkonzern mit 24 Milliarden Euro Umsatz von drei Männern geführt worden.

Künftig soll für jede der sechs Sparten wieder ein Vorstand zuständig sein, hinzu kommt ein Finanzfachmann. Der designierte Nachfolger Neumanns, Schaeffler-Manager Elmar Degenhart, soll dabei die Führung des sanierungsbedürftigen Geschäftsbereichs Powertrain übernehmen, der Produkte rund um den Antriebsstrang anbietet. Der Bereich bietet die größten Potenziale für eine Zusammenarbeit von Conti und Schaeffler, schreibt derzeit jedoch tiefrote Zahlen.

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Von den Plänen, auch noch den Finanzvorstand bei Conti zu stellen, scheint sich Schaeffler indes verabschiedet zu haben. Zu groß war der Widerstand im Aufsichtsrat gegen Klaus Rosenfeld. Die Position ist seit Monaten vakant. Vorgänger Alan Hippe wechselte zu ThyssenKrupp, weil er mit Schaeffler keine Basis für eine Zusammenarbeit gesehen hatte. Seitdem war es den Hannoveranern offensichtlich schwer gefallen, wegen des Machtkampfs mit dem Großaktionär einen Nachfolger zu finden. Vielleicht besserten sich die Erfolgschancen, wenn die Zusammenarbeit künftig reibungsloser verlaufe, sagte ein Aufsichtsratsmitglied. Der neue Finanzchef muss die Kapitalerhöhung, die Conti plant, an der Börse bewerben.

Degenhart und der neue Finanzmann dürften künftig von fünf Conti-eigenen Vorständen umgeben sein. Neben Conti-Tech-Chef und Arbeitsdirektor Heinz-Gerhard Wente sowie Lkw-Reifenchef Hans-Joachim Nikolin, die am Mittwoch schon in dem Gremium sitzen, kommt aus Hannover Pkw-Reifenchef Nicolai Setzer hinzu. Der 38-Jährige führt die Sparte seit dem Frühjahr bereits kommissarisch. In die Zeit fiel etwa der Schließungsbeschluss für das Reifenwerk im französischen Clairoix. Seine Bestellung am Mittwoch gilt als sicher.

Noch unklar ist, ob die beiden Topmanager aus der Autozuliefergruppe, Helmut Matschi und Rolf Cramer, ebenfalls schon am Mittwoch eine Stufe aufsteigen. Sie tragen schon länger die operative Verantwortung für die Sparten Interior (Autoelektronik und Multimedia) sowie Bremssysteme und stehen damit für einen Jahresumsatz von jeweils mehr als 5 Milliarden Euro gerade. Das ist etwa die Größenordnung, die der neue Conti-Chef bislang als Leiter des Autozuliefergeschäfts bei Schaeffler zu verantworten hat. Cramer ist Degenharts direkter Nachfolger bei Conti Teves gewesen, als dieser seinen Stuhl bei der Frankfurter Tochter vor vier Jahren geräumt hatte.

Helmuth Klausing 11.08.2009
Lars Ruzic 10.08.2009