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Continental will neun Werke schließen

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10:43 24.08.2019
Powertrain-Werk in Nürnberg: Rückt die Konzernführung von der Jobgarantie ab? Quelle: Daniel Karmann/dpa
Hannover

Die Sparpläne von Continental werden konkreter: Nach HAZ-Informationen will der Autozulieferer neun von weltweit 32 Werken seiner Antriebssparte Powertrain schließen. Auch deutsche Standorte könnten von dem Stellenabbau betroffen sein, obwohl der Konzern für die hiesigen Mitarbeiter eine Beschäftigungsgarantie bis 2023 ausgesprochen hat. Diese Zusage solle jetzt nicht mehr gelten, verlautete am Donnerstag aus Gewerkschaftskreisen. Der Konzern wollte sich dazu nicht äußern. „Unser Ziel ist es, gemeinsam mit den Arbeitnehmern Lösungen für die nachhaltige Sicherung der Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit unseres Unternehmens zu erarbeiten“, sagte ein Conti-Sprecher.

Vorstandschef Elmar Degenhart hatte Anfang August angekündigt, dass der Konzern wegen der schwächelnden Nachfrage seine Kosten senken müsse. Zugleich wolle man die Werke schneller als bisher geplant in Richtung Elektromobilität ausrichten, hieß es. Im zweiten Quartal musste Conti deutliche Einbußen hinnehmen: Während der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr nur um ein Prozent auf 11,3 Milliarden Euro zurückging, brach der Gewinn um 41 Prozent auf 484,8 Millionen Euro ein. Mit einer Wende zum Besseren sei vorerst nicht zu rechnen, sagte Finanzvorstand Wolfgang Schäfer: „Für das zweite Halbjahr erwarten wir kein Nachlassen des Gegenwinds.“

Gespräche mit Betriebsräten laufen bereits

Die Details für das Umbaukonzept sollen bis Ende September feststehen – die Verhandlungen mit den Betriebsräten haben bereits begonnen. Die Pläne für das Aus von neun Standorten hätten im Wirtschaftsausschuss von Powertrain für hitzige Debatten gesorgt, hieß es bei der IG Metall. In dem Gremium beraten Vertreter des Managements und der Arbeitnehmer über die wirtschaftliche Lage und strategische Herausforderungen. Für die übrigen Standorte der Automotive-Gruppe seien entsprechende Sitzungen für Anfang September geplant, hieß es. Insgesamt könnten bis zu 4000 Jobs auf der Kippe stehen.

Conti-Vorstandschef Elmar Degenhart: Werke schnell auf Elektromobilität ausrichten. Quelle: Julian Stratenschulte/dpa

Powertrain ist in einer Sonderrolle. Der Konzern will sich zu einer Holding mit drei Säulen wandeln: der Rubber-Gruppe mit dem Reifengeschäft, der Automotive-Gruppe mit dem Zuliefergeschäft – sowie der Antriebssparte, die bereits ausgegliedert wurde und unter dem neuen Namen „Vitesco Technologies“ an die Börse gehen soll. Der Verbrennungsmotor werde auf mittlere Sicht an Bedeutung verlieren, hatte Powertrain-Chef Andreas Wolf kürzlich erklärt. Man habe sich daher entschlossen, „in das Geschäft mit hydraulischen Komponenten immer weniger zu investieren“. Das betreffe vor allem Injektoren und Pumpen für Benzin- und Dieselmotoren. In Deutschland unterhält Powertrain Standorte in Regensburg, Bebra, Berlin, Dortmund, Eisenach, Grünstadt, Limbach-Oberfrohna, Lohmar, Nürnberg, Roding, und Schwalbach.

Jobgarantie bei Powertrain gilt nur eingeschränkt

Vor einem Jahr hatten die Arbeitnehmervertreter die Pläne für den Umbau des Konzerns noch begrüßt – auch wegen eines Eckpunktepapiers zur Zukunftssicherung. Darin hatte der Vorstand den rund 12.000 bei Powertrain in Deutschland Beschäftigten eine Jobgarantie für fünf Jahre gegeben. Nach der Ankündigung des aktuellen Sparprogramms fordern die Betriebsräte der anderen beiden Automotive-Divisionen „Chassis & Safety“ und „Interior“ die gleichen Zusagen: „Auch hier werden sich für viele Kollegen (....) Veränderungen ergeben, die heute noch nicht vollständig überschaubar sind“, heißt es in einem Flugblatt der IG Metall.

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Unterdessen wächst bei Powertrain die Sorge, dass die Konzernführung von ihrer Jobgarantie abrücken könnte. Unbegründet sind diese Ängste offenbar nicht: „Das Eckpunktepapier vom April 2018 gilt für gesellschaftsrechtliche Veränderungen, die im Zuge der im Juli 2018 verkündeten Neuorganisation zum Tragen kommen“, sagte ein Conti-Sprecher. Die Beschäftigungssicherung gelte für die Schritte zur Verselbständigung der Sparte: „Sonstige Maßnahmen zum Erhalt oder Wiedergewinnung von Wettbewerbsfähigkeit, die etwa aufgrund von sich verändernden Marktbedingungen erfolgen könnten, werden nicht von den Regelungen des Eckpunktepapiers abgedeckt.“

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Von Jens Heitmann

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