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Niedersachsen Contitech leidet unter Bergbau-Flaute
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Contitech leidet unter Bergbau-Flaute
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17:29 14.04.2015
Von Lars Ruzic
Quelle: dpa (Symbolbild)
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Hannover

Der hannoversche Kautschukspezialist Contitech will nach der Übernahme des US-Konkurrenten Veyance den gemeinsamen Einkauf und eine einheitliche IT-Infrastuktur der beiden Partner vorantreiben.

Man werde „Prozesse und Abläufe aus einem Guss gewährleisten“, sagte Contitech-Chef Heinz-Gerhard Wente gestern auf der Hannover Messe. Er erwarte in den kommenden drei, vier Jahren Einspareffekte von 75 Millionen Euro - „vorsichtig geschätzt“, wie Wente betonte.

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Der Mutterkonzern Continental hatte den Konkurrenten, der seine Schläuche, Transportbänder und Luftfedern bisher unter der Marke Goodyear verkauft hatte, für 1,9 Milliarden Dollar erworben. Seit Februar gehört Veyance nun zu Contitech. Die Hannoveraner zählen damit zur Weltspitze bei Kautschuk- und Kunststoffprodukten - mit rund 41 000 Beschäftigten und 5,4 Milliarden Euro Umsatz. „Wir sprechen hier in erster Linie von einer Wachstumsgeschichte, nicht von Restrukturierung“, betonte Wente, der zum Monatsende nach mehr als 40 Jahren bei Conti in den Ruhestand geht und die Leitung dann an Hans-Jürgen Duensing übergibt.

Durch den Kauf wächst vor allem die Bedeutung der Northeimer Transportbandsparte, deren Anteil am Konzernumsatz sich auf etwa ein Viertel nahezu verdoppelt. Allein elf Transportbandwerke bringt Veyance in den neuen Verbund ein. Allerdings hat gerade dieser Geschäftsbereich derzeit arg zu kämpfen. Vor allem die Bergbaubranche ist als Kundengruppe weggebrochen. Die niedrigen Rohstoffpreise hätten zu einer großen Investitionszurückhaltung geführt, berichtete Duensing. „Die Kunden haben überheftig reagiert.“ Auf 15 Prozent addierten sich die Umsatzausfälle der Sparte im vergangenen Jahr. Duensing betonte allerdings, dass man deshalb nach der Fusion nun keine Werke schließen oder Personal entlassen müsse. „Wir können die Standorte auf einem stabilen Niveau halten.“ Der Bergbau sei nur eine Kundengruppe von vielen.

Insgesamt ist es der Conti-Tochter im vergangenen Jahr gelungen, die Rückgänge bei Transportbändern zu kompensieren - zumindest beim Umsatz. Am Ende des Jahres stand ein kleines Erlösplus von 1,3 Prozent auf 3,9 Milliarden Euro und ein um 6,3 Prozent auf 433 Millionen Euro geschrumpftes operatives Ergebnis.

Vor allem der hannoversche Folienspezialist Benecke-Kaliko half, die Rückgänge aufzufangen. Er legte im vergangenen Jahr um ein Fünftel auf 469 Millionen Euro zu. Das Traditionshaus, das vor allem Innenraumfolien für die Autoindustrie liefert, arbeitet derzeit an weiteren Innovationen. So hat Benecke eine Oberfläche entwickelt, die gleichzeitig als Heizung fungieren kann. Zudem arbeiten die Hannoveraner an riesigen Folien zur Abdeckung von Wasserreservoirs, die mit Solarzellen versehen sind. So lasse sich die Verdunstung von Wasser vermindern und gleichzeitig Energie gewinnen. Schon heute gebe es weltweit Tausende Reservoirs, die so abgedeckt werden könnten, meinte Duensing. „Das Potenzial ist riesig.“

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