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Niedersachsen Überstunden und Arbeitsdruck belasten Azubis
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Überstunden und Arbeitsdruck belasten Azubis
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15:29 03.09.2018
Eine Auszubildende zum Schweißer arbeitet in einem Ausbildungszentrum an einem Stück Metall.
Eine Auszubildende zum Schweißer arbeitet in einem Ausbildungszentrum an einem Stück Metall. Quelle: dpa
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Berlin/Hannover

Hunderttausende Auszubildende in Deutschland müssen laut einer neuen Umfrage regelmäßig Überstunden leisten oder jenseits der Ausbildungszeiten mobil erreichbar sein. Zwar ist mit 70,2 Prozent die Mehrheit der Azubis mit ihrer Lehre zufrieden, doch damit handelt es sich um den niedrigsten Wert seit Beginn des jährlichen „Ausbildungsreports“ des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) vor 13 Jahren.

Viele Azubis klagten über Schichtarbeit ohne zusammenhängendes Wochenende oder mangelnde Zeit für die Prüfungsvorbereitung, sagte DGB-Ausbildungsexperte Daniel Gimpel. Bei jedem Dritten fehle der gesetzlich vorgeschriebene Ausbildungsplan. Probleme gebe es vor allem bei kleineren Betrieben und im Handwerk.

DGB-Vize Elke Hannack forderte die Bundesregierung auf, die Arbeitsbedingungen zu verbessern. Sie müsse unter anderem dafür sorgen, dass die Ausbilder in den Betrieben sich selbst besser weiterbilden. Außerdem müsse sie eine Mindestvergütung für Azubis einführen. Der DGB fordert mindestens 635 Euro im Monat. SPD und Union haben eine Mindestvergütung im Koalitionsvertrag zwar vereinbart, aber noch nicht umgesetzt. Außerdem ist die Höhe unklar.

Aus Sicht der Industrie- und Handelskammer Niedersachsen (IHKN) achten die Betriebe bereits heute auf eine hohe Qualität. Die Zahl der Ausbilderprüfungen sei in den letzten Jahren stark angestiegen, sagte Günther Hirth, Bildungsexperte der IHKN. Die vom DGB geforderte Mindestvergütung würde laut Hirth nur wenige Betriebe betreffen, da Azubis in den allermeisten IHK-Berufen bereits mehr verdienten. In Einzelfällen könne eine Mindestvergütung aber Firmen davon abhalten, Ausbildungsplätze anzubieten, sagte er.

Die Landesvertretung der Handwerkskammern Niedersachsen (LHN) erklärte, die „große Mehrheit“ der Betriebe sei sich ihrer Verantwortung im Rahmen der Ausbildung sehr bewusst. „Jede Meldung einer nicht sachgerechten Durchführung einer Ausbildung wird von Seiten der Handwerkskammern verfolgt und kann zur Ausbildungsuntersagung führen“, sagte LHN-Hauptgeschäftsführerin Hildegard Sander.

Von Basil Wegener und Christian Wölbert