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Niedersachsen CBR macht sich schick für die Börse
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen CBR macht sich schick für die Börse
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18:39 09.06.2015
Von Lars Ruzic
Einer der größten deutschen Damenmodespezialisten: Street-One-Filiale in der Ernst August Galerie.  Foto: Thomas
Einer der größten deutschen Damenmodespezialisten: Street-One-Filiale in der Ernst August Galerie. Foto: Thomas Quelle: Michael Thomas
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Hannover

Zum einen will der schwedische Finanzinvestor EQT ein Anteilspaket abgeben. Zum anderen sollen über eine Kapitalerhöhung zusätzliche Aktien ausgegeben werden, mit denen CBR 200 Millionen Euro einspielen und seinen Schuldenberg abtragen will.

CBR mit seinen Marken Street One und Cecil gehört zu den größten deutschen Damenmodespezialisten. Er ist nach Jahren mit überzogenen Wachstumsplänen und gefloppten Marken gesundgeschrumpft worden. Der Umsatz liegt heute bei 609 Millionen Euro - und damit gut 100 Millionen Euro niedriger als noch vor wenigen Jahren. Gleichzeitig sind die Verluste, die bis heute vor Steuern entstehen, minimiert worden - von 52 Millionen Euro 2012 auf 5 Millionen im vergangenen Jahr.

CBR schreibt seit Jahren rote Zahlen, weil der Konzern die Kredite, die die Investoren einst zur Finanzierung seiner Übernahme aufgenommen hatten, selbst bedienen muss. In den vergangenen acht Jahren habe man die Schuldenlast um 700 Millionen Euro auf noch 535 Millionen Euro reduzieren können, hieß es. Mit dem Börsengang werde CBR „die nötige finanzielle Flexibilität“ erhalten, um das Geschäft „weiter voranzutreiben“, sagte Konzernchef Christoph Rosa.

Die Gründer verkauften für eine Milliarde Euro

2004 hatten die Gründer rund um den hannoverschen CBR-Kopf Detlev Meyer ihr Unternehmen zunächst für gut eine Milliarde Euro an die Finanzinvestoren von Apax und Cinven verkauft. Die reichten das Unternehmen drei Jahre später für angeblich 1,5 Milliarden Euro an EQT weiter. Inzwischen wird CBR auf 1,2 Milliarden Euro Börsenwert taxiert. Wie viele Aktien am Ende auf den Markt kommen werden, blieb zunächst offen. EQT will nach dem Börsengang aber „weiter eine bedeutende Beteiligung“ halten.

Neue Investoren sollen mit einer vergleichsweise hohen Ausschüttungsquote gelockt werden: 50 Prozent des Konzernergebnisses sollen - vorbehaltlich der Verfügbarkeit von Gewinnen - schon im kommenden Jahr als Dividende an die neuen Aktionäre ausgezahlt werden. Den Rest will CBR erneut für die Schuldentilgung verwenden.

Gleichzeitig versprechen die CBR-Manager den künftigen Aktionären, nach der Neuaufstellung wieder auf Wachstum zu setzen. So könnten die Marken ihr Angebot um Schuhe oder Accessoires erweitern. Gleichzeitig soll das Ladennetz, das bei CBR im Kern durch selbstständige Unternehmer betrieben wird, verdichtet und der Onlinehandel ausgebaut werden. Gleichzeitig will der Konzern in Beschaffung, Logistik und IT investieren. So sei eine „Optimierung des Ländermix“ geplant. CBR bezieht seine Ware derzeit vor allem aus der Türkei und China. Billigere Länder wie Bangladesch machen nur einen Bruchteil des Beschaffungsvolumens aus.

Erfinder der Turbo-Mode

Schlanke Aufstellung: CBR wurde 1980 von hannoverschen Unternehmern rund um Detlev Meyer gegründet. Der sperrige Firmenname geht auf die Vornamen der Unternehmergattinnen zurück. Die Firma gilt als Erfinder der Turbo-Mode. Heute erstellen die CBR-Designerinnen monatlich eine Kollektion. Gleichzeitig ist der Konzern extrem schlank aufgestellt. Fast alles außerhalb des Kerngeschäfts ist an Partner ausgegliedert: Die Kleidung schneidern Lohnfertiger, die Logistik übernimmt eine Spedition, den Verkauf übernehmen selbstständige Einzelhändler oder große Warenhäuser wie Kaufhof und Karstadt. Konzernweit kommt CBR heute auf 8467 Verkaufsstellen in 19 Ländern. Der Schwerpunkt des Geschäfts liegt bis heute in Deutschland, wo zuletzt 71 Prozent des Umsatzes erzielt wurden. Die schlanke Aufstellung ermöglicht satte Margen im operativen Geschäft. Den Händlern gewährt CBR eine Spanne von 145 Prozent – was deutlich über dem Durchschnitt liegt. Auch bei CBR selbst bleibt vor Abschreibungen, Zinsen und Steuern (Ebitda) einiges übrig. Zuletzt lag die Ebitda-Marge bei 17,6 Prozent. Inzwischen kommt der Konzern auf 1000 Beschäftigte, die sich vor allem auf Celle und Isernhagen-Kirchhorst verteilen. Celle ist Verwaltungs- und Finanzsitz des Konzerns. Die Marken Street One und Cecil haben ihre Zentralen in Kirchhorst.

Lars Ruzic 12.06.2015
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