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Niedersachsen Das Problem heißt nicht nur Macht
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10:32 02.08.2014
„Dank für seine Leistung“: Martin Winterkorn verabschiedet Michael Macht (links) mit dürren Worten.
„Dank für seine Leistung“: Martin Winterkorn verabschiedet Michael Macht (links) mit dürren Worten. Quelle: Julian Stratenschulte (Archiv)
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Hannover

Bis ein Nachfolger für Macht gefunden ist, soll Thomas Ulbrich auf Konzernebene die Verantwortung für die Produktion übernehmen. Der 48-Jährige war von 2008 bis 2010 Produktionschef bei VW Nutzfahrzeuge in Hannover, ging dann nach China und ist seit April für Produktion und Logistik der Marke VW verantwortlich.

Machts Abschied deutete sich in den vergangenen Wochen an, als die Kritik an Produktionsproblemen immer lauter wurde. So tut man sich im Stammwerk Wolfsburg auch über ein Jahr nach dem Modellwechsel noch schwer mit dem Bau des Golf 7. Dort wurde der Werkleiter bereits vor Monaten ausgetauscht, Ulbrichs Vorgänger als Produktionsvorstand der Marke VW ging zu Audi.

Macht arbeitete 20 Jahre bei Porsche – zuletzt als Vorstandschef, ehe er 2010 Produktionsvorstand des VW-Konzerns wurde. Ihm werde vor allem vorgeworfen, dass er mögliche Synergien der neuen Pkw-Marken im Konzern in der Produktion nicht erreicht habe, hieß es. Winterkorn hatte vor einigen Wochen auch kritisiert, dass neue Werke zum Teil überdimensioniert und zu aufwendig geplant seien. Der Konzern setzt gerade ein riesiges Investitionsprogramm mit mehreren Werksneubauten jedes Jahr um. Intern wird ein Teil der Probleme allerdings auch der Vertriebsmannschaft von Christian Klingler angelastet, die mit ihren Prognosen zu oft danebenliege. Im Gegensatz zu Macht ist Vertriebsvorstand Klingler im Konzern allerdings bestens verdrahtet.

Macht sei „ein trauriges Bauernopfer“, sagte Ferdinand Dudenhöffer, Chef des Center Automotive Research an der Universität Duisburg-Essen, der HAZ. Die Probleme bei der Marke VW habe nicht der Produktionsvorstand zu verantworten, sondern die Führungsspitze. Die modulare Baukastenstrategie führe zu gewaltiger Komplexität. Bei VW will man von Problemen mit dem Gleichteile-Baukasten MQB aber nichts wissen. Die Schwierigkeiten in der Wolfsburger Produktion hätten auch bei normalen Modellwechseln auftreten können, heißt es dort. Dudenhöffer sieht im Abgang des 53-jährigen Macht auch ein negatives Signal für die Zukunft des Konzerns: „Das nächste Talent wird in die Wüste geschickt“, sagte er mit Blick auf den früheren Conti- und VW-China-Chef Karl-Thomas Neumann, der inzwischen Opel führt.

Winterkorn hat jüngst ein umfassendes Erneuerungsprogramm für den Konzern angekündigt. Seitdem wird umso mehr damit gerechnet, dass er über seinen 2016 endenden Vertrag hinaus bis 2018 an der Spitze bleiben will. Neben Produktionsproblemen hatte Winterkorn vor rund 1000 VW-Managern diverse andere Schwächen von ineffizienten Strukturen bis zu Fehlern in der Modellpolitik aufgelistet. Die ungewohnt deutlichen Worte habe er vor allem für das eigene Management gewählt, heißt es im Konzern. Angesichts wachsender Selbstzufriedenheit brauche es deutliche Signale.

Stefan Winter und Lars Ruzic

01.08.2014
Jens Heitmann 31.07.2014