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Niedersachsen Datenleck bei der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Niedersachsen
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Datenleck bei der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Niedersachsen
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20:05 02.04.2010
Von Jens Heitmann
Bei der KZVN hat es ein Datenleck gegeben.
Bei der KZVN hat es ein Datenleck gegeben. Quelle: Dröse
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Ein Mitglied des Internet-Ausschusses der KZVN machte auf Sicherheitsmängel aufmerksam: Wenn ein Zahnarzt die Online-Zugangsnummer eines Kollegen kenne, könne er mit seinem eigenen Passwort auf dessen Daten zugreifen. Sofort äußerte der „Freie Verband der Zahnärzte“ die Sorge, die KZVN werde die volle Wahrheit über diese peinliche Sicherheitslücke verschweigen.

Der Verdacht war unbegründet. Recherchen der KZVN ergaben, dass die Daten von neun Praxen ausspioniert wurden – mit Hilfe der Kennworte von vier Kollegen, die dem Freien Verband angehören beziehungsweise nahestehen, und zwar schon seit April vergangenen Jahres, wie KZVN-Chef Jobst-Wilken Carl mitteilte. Er sei „überrascht“, dass der Kollege aus dem Internet-Ausschuss – im übrigen Mitglied im Landesvorstand des Freien Verbandes – ihn erst jetzt alarmiert habe.

Carl und seine Gefolgsleute bei den „Zahnärzten für Niedersachsen“ (ZfN) hegen einen Verdacht: Es könnte mit dem Wahlkampf zu tun haben. In zwei Wochen beginnt die Abstimmung über die Zusammensetzung der Kammerversammlung für die kommenden fünf Jahre. In der Zahnärztekammer, die unter anderem für die Weiterbildung zuständig ist, hält der Freie Verband eine knappe Mehrheit. In der KZVN, der die Aushandlung und Verteilung der Honorare obliegt, herrschen dagegen die Konkurrenten. Bis vor wenigen Jahren war es umgekehrt. Beide Parteien sind sich spinnefeind, sie eint nur der Wunsch, die „niedersächsischen Verhältnisse“ zu beenden: Beide wollen endlich in beiden Standesvertretungen das Sagen haben.

Entsprechend hart ist die Auseinandersetzung. So werfen beispielsweise die „Zahnärzte für Niedersachsen“ der Kammerführung vom Freien Verband vor, überhöhte Gebührensätze für obligatorische Weiterbildungskurse zu verlangen und damit die Kammerbeiträge künstlich niedrig zu halten. Falsch, heißt es beim Freien Verband: Trotz von der alten ZfN-Kammerführung zu verantwortender „teurer Altlasten“ sei die Kammer heute „zum ersten Mal seit Jahrzehnten“ schuldenfrei. Die KZVN hingegen könne nur deshalb „passend zur nächsten Wahl“ Geld an ihre Mitglieder ausschütten, weil sie ihnen zuvor überhöhte Beiträge abgeknöpft habe, heißt es in einem Schreiben des Freien Verbandes. Falsch, kontern die „Zahnärzte für Niedersachsen“: Der jetzige KZVN-Vorstand habe Geld in einem Sondertopf sammeln müssen, weil sich unter der alten Führungsmannschaft des Freien Verbandes – auch wegen des ewigen Honorarstreits mit den Kassen – große Risiken angesammelt hätten. Nun habe man alle Verfahren abgeschlossen, deshalb gebe es Geld zurück.

Und die Datenlücke? Die sei jetzt geschlossen, versichert KZVN-Chef Carl: „Ich hoffe wirklich, dass nun Ruhe einkehrt.“ Für ein paar Monate könnte das gelingen, je nach Ausgang der Kammerwahl Ende April. Allerdings müssen die Zahnärzte im November schon wieder wählen – dann geht es um die Vertreterversammlung der KZVN.