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Niedersachsen Elektroautos - aber keine Batterien?
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Elektroautos - aber keine Batterien?
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22:20 17.11.2014
Von Lars Ruzic
Produktion bei Johnson Controls in Hannover. Der Autobatteriehersteller fügt hier aus Amerika gelieferte Teile von Lithium-Ionen-Batterien zusammen. Quelle: John Nienhuis
Hannover

Die Zellen seien „bei den derzeitigen Produktionszahlen viel zu teuer“, lautet die Begründung. Betroffen sind 280 Mitarbeiter, sie sollen zu einer Schwesterfirma wechseln können.

Erst vor zwei Wochen hatte Continental sein Gemeinschaftsunternehmen mit dem koreanischen Partner SK Innovation infrage gestellt. „Alle reden über Elektromobilität, aber keiner kauft sie“, sagte Conti-Finanzchef Wolfgang Schäfer. Derzeit werde darüber diskutiert, ob man überhaupt weitermachen solle. Die 100 Beschäftigten in Berlin, die an Batteriezellen forschen, bekämen im Fall des Ausstiegs jedoch neue Aufgaben. Einen ähnlichen Weg war zuvor der Conti-Konkurrent Bosch gegangen: Vier Jahre forschte man gemeinsam mit dem koreanischen Partner Samsung, entwickelte 3000 Patente - und beendete dann doch das Gemeinschaftsunternehmen.

Inzwischen mehren sich die Sorgen, dass sich Deutschland aus einer Zukunftstechnologie vorschnell verabschiedet. Die IG Metall forderte deshalb gestern von Bundesregierung und Industrie einen Aktionsplan, um Forschung und Produktion von Batteriezellen in Deutschland zu halten. Gewerkschaftsvize Jörg Hofmann verlangte ein gemeinsames Vorgehen. Anderenfalls drohe ein weiterer Verlust der Innovationsführerschaft in einer wichtigen Schlüsseltechnologie - nach den Plasmabildschirmen und Solarzellen. „Hier sind die Zukunftsinteressen der deutschen Leitbranchen Fahrzeugbau und Maschinenbau betroffen“, warnte Hofmann. Er forderte, die Bundesregierung müsse öffentliche Forschungsmittel noch strenger mit der Produktion in Deutschland verbinden.

Daimler begründet die Schließung der Fertigung in Kamenz mit zu geringen Absatzchancen. Nur für die eigenen Modelle sei die Fertigung der Batteriezellen für Elektroautos nicht wirtschaftlich. Das Produkt selbst sei zwar absolut wettbewerbsfähig - es werde aber nicht in ausreichend großer Stückzahl nachgefragt.

Das Problem ist dabei nicht allein die derzeit noch geringe Nachfrage nach Elektroautos. Die Autobauer finden zudem in Asien viel leichter die nötigen Lithium-Ionen-Zellen, weil Konsumelektronikriesen wie LG aus Südkorea, der japanische Panasonic-Konzern oder Toshiba hier inzwischen viel mehr Erfahrung haben. VW zum Beispiel bestellt diese Zellen bei Panasonic - den Zusammenbau zu Batteriesystemen hat man dagegen zur Kernkompetenz erklärt. Rund 110 Menschen sind damit im Braunschweiger Werk beschäftigt. Einen ähnlichen Weg will auch Daimler gehen.

Selbst der größte Autobatteriehersteller der Welt, Johnson Controls, hat sich mit Lithium-Ionen-Zellen noch nicht nach Deutschland gewagt. Sein Varta-Werk in Hannover kümmert sich nur darum, Zellen zu Batteriesystemen zusammenzufügen. Sie werden aus einem hochsubventionierten Schwesterwerk in den USA angeliefert.

500 Kilometer mit einer Tankfüllung

Toyota hat seinem mit Spannung erwarteten Brennstoffzellenauto den Namen „Mirai“ (Zukunft) gegeben. Der viertürige Sedan könne mit einer einzigen Tankfüllung rund 500 Kilometer weit fahren und in weniger als fünf Minuten aufgetankt werden, sagte Konzernchef Akio Toyoda. Das Auto stoße lediglich Wasserdampf aus. Toyota hatte im Juni angekündigt, das Brennstoffzellenauto ab dem kommenden Frühjahr zunächst in Japan zum Preis von umgerechnet 48.000 Euro anzubieten. Damit wird es deutlich günstiger sein als anfangs erwartet. Im Sommer 2015 soll das Fahrzeug auch in den USA sowie Europa auf den Markt kommen. In Deutschland gehe Toyota mit einigen Hundert Fahrzeugen an den Start.

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