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Niedersachsen Deutsche Messe legt durchwachsene Bilanz vor
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Deutsche Messe legt durchwachsene Bilanz vor
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15:03 15.06.2010
Die Messehallen sind für die geschrumpften Veranstaltungen längst zu groß. Quelle: Archiv
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Nach einem tiefroten Jahr 2009 rechnet die Deutsche Messe AG für 2011 mit der Rückkehr in die Gewinnzone. „Das Unternehmen steht grundsolide da und hat hervorragende Zukunftschancen“, erklärte Vorstandschef Wolfram von Fritsch, nachdem der Aufsichtsrat am Montag die Bilanz beschlossen hatte. Die Konsolidierung zeige „messbare Erfolge“, der Verlust im operativen Geschäft sei im vergangenen Jahr geringer ausgefallen als zunächst erwartet.

Die Bilanz wird allerdings dominiert von einem Einmaleffekt. Das Land Niedersachsen und die Stadt Hannover als Eigentümer stellten vor einem Jahr 250 Millionen Euro frisches Kapital zur Verfügung. So bekam die Messegesellschaft den Spielraum, den Wert von Messegelände und Hallen, die wegen geschrumpfter Veranstaltungen inzwischen überdimensioniert sind, in der Bilanz kurzerhand zu halbieren: von 371 auf 173 Millionen Euro. Insgesamt wurden 192 Millionen Euro abgeschrieben, was zusammen mit dem Minus aus dem Tagesgeschäft zu einem Verlust von 221 Millionen Euro führte – bei niedrigerem Eigenkapital .

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Dank der Kapitalerhöhung konnte von Fritsch am Montag jedoch berichten, dass „alle relevanten Finanzindikatoren nachhaltig verbessert“ worden seien. In der Tat sind die Verbindlichkeiten deutlich geschrumpft und dank des radikalen Schnitts bei den Immobilien kann man sich in den nächsten Jahren Abschreibungen sparen. Finanzvorstand Stephan Ph. Kühne rechnet nach früheren Angaben mit einer jährlichen Entlastung um 20 Millionen Euro.

2009 und 2010 sieht man bei der Messe als „Übergangsjahre“, seine volle Wirkung soll der Befreiungsschlag 2011 entfalten. Dann wird der Messekalender besser gefüllt sein als im vergangenen Jahr. Intern erwartet man einen Umsatz von rund 280 Millionen Euro und einen operativen Gewinn von 15 Millionen. Das Ziel sei es, in den Jahren 2011 bis 2015 zusammengerechnet ein positives Ergebnis zu erwirtschaften, bekräftigte von Fritsch. Die Erwartung hatten die Eigentümer bereits an die Kapitalerhöhung geknüpft.

Die Messe AG setzt Ziele für mehrere Jahre, weil es wegen der wechselnden Ausstellungszahl starke Schwankungen gibt. So war vorher schon klar, dass 2009 kein starkes Jahr werden würde, die Wirtschaftskrise kam noch hinzu: Der Umsatz schrumpfte gegenüber 2008 um 8 Prozent auf 222 Millionen Euro. Der operative Verlust lag bei 28 Millionen Euro, nach 14 Millionen Euro im Vorjahr. Finanzchef Kühne hatte allerdings mit Schlimmerem gerechnet: „Wir haben rund 15 Millionen besser abgeschnitten als Anfang 2009 vorausgesagt.“ In Deutschland gab es 66 Veranstaltungen mit mehr als 2 Millionen Besuchern, im Ausland kamen 1,1 Millionen Gäste zu den 31 Veranstaltungen der Deutschen Messe AG.

Auf das Auslandsgeschärft setzt die Messe AG einige Hoffnungen. Mittelfristig soll dort ein Fünftel des Umsatzes erwirtschaftet werden. Bisher hält sich von Fritsch zu konkreten Plänen bedeckt, doch der durch die Kapitalerhöhung gewonnene Spielraum dürfte nicht zuletzt für Investitionen im Ausland genutzt werden. Die Messe betreibt bereits zusammen mit deutschen Partnern ein Gelände in Schanghai und zielt mit der Messegesellschaft aus Mailand insbesondere auf Indien und Russland.

Stefan Winter, Jens Heitmann