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Niedersachsen Deutsche Messe will das Gelände umbauen
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12:52 06.06.2013
Die Deutsche Messe plant eine Umgestaltung des Standorts Hannover. Quelle: HAZ
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Hannover

In Hannover war man immer stolz darauf, das größte Messegelände der Welt zu haben. Nun wollen Sie es verkleinern ...

Pörschmann:.. das stand in der HAZ!

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Das steht auch in den Unterlagen, die Sie Ihrem Aufsichtsrat präsentiert haben.

Pörschmann: Das ist so nicht richtig. Es gibt keinen Beschluss, das Gelände zu verkleinern, weder im Vorstand noch im Aufsichtsrat.

Laut den Szenarien, die Sie dort vorgestellt haben, könnte die Ausstellungsfläche auf nur noch 350 .000 Quadratmeter schrumpfen ...

Pörschmann: Wir haben mit dem Aufsichtsrat eine Perspektive für die nächsten 20 Jahre diskutiert und dabei verschiedene Szenarien entwickelt. Fest dabei steht: Wir wollen in das Gelände investieren, um unseren Vorsprung vor anderen Standorten auszubauen. Damit reagieren wir auf Veränderungen im Messemarkt und schaffen die Voraussetzungen für weiteres Wachstum.

Gleichwohl sprechen Sie von einem „Kerngelände“. Wie groß darf das denn künftig noch sein?

Wolfram von Fritsch: Es geht weniger um Größe als um Funktionalität und Flexibilität des Geländes. Die Zahl der großen Weltleitmessen ist weitgehend stabil, Wachstumschancen gibt es vor allem bei mittleren und kleinen Messen – und dafür wollen wir in Hannover die Voraussetzungen schaffen.

Bisher prägen Großveranstaltungen wie die CeBIT das Bild. Wie wollen Sie kleine Veranstaltungen anlocken?

Pörschmann: Zunächst einmal: Wir haben das beste Gelände für Investitionsgütermessen weltweit – und wir wollen, dass es so bleibt. Voraussetzung dafür sind ebenerdige, stützenfreie Hallen mit tragfähigen Böden für tonnenschwere Exponate. Für neue Formate muss das Gelände noch modularer nutzbar sein, damit zum Beispiel mehrere kleinere Veranstaltungen parallel stattfinden können.

Fritsch: Dafür sind zum Teil schon die Voraussetzungen erfüllt – etwa indem wir zehn Eingangssysteme geschaffen haben. Im Oktober liefen auf dem Gelände bereits vier Veranstaltungen parallel, die nichts inhaltlich miteinander zu tun hatten. Mit unserem Veranstaltungsgeschäft sind wir schon jetzt sehr erfolgreich, denken Sie etwa an die Bundesparteitage von CDU und SPD oder die Hauptversammlung von VW im kommenden Jahr. Aber klar ist auch: Da geht noch mehr.

Das hannoversche Messegelände ist eines der ältesten in Deutschland. Wie hoch ist Ihr Investitionsbedarf?

Fritsch: Wir werden nur bauen, was wir selber finanzieren können. Bis 2016 sind Gesamtinvestitionen von circa 150 Millionen Euro in unserer Mehrjahresplanung vorgesehen – allerdings nicht nur in das Gelände, auch in andere Geschäftsfelder.

Pörschmann: Handlungsbedarf sehen wir im Norden und im Osten; dort stehen die ältesten Hallen. Aber wir stehen nicht unter Druck: Wir sind frei bei der Definition von Zeit und Ort.

Der Messe waren lange die Hände gebunden, weil sie wegen eines Cross-Border-Leasing-Geschäfts ihre Hallen nicht anfassen durften. Wie stark hat Sie das behindert?

Fritsch: Die Baupause war weniger auf das Cross-Border-Lease zurückzuführen, als darauf, dass zur Expo im Jahr 2000 viele Investitionen vorgezogen worden sind – dadurch war der Neubaubedarf für zehn Jahre gedeckt und wir hatten einen Vorsprung. Nun setzen wir die reguläre Bautätigkeit fort.

Den Umbau des Geländes beginnen Sie mit dem Abriss der Hallen 19 und 20. Es soll für 40 Millionen Euro eine Mehrzweckhalle entstehen. Angeblich wollen Sie das Budget um 10 Millionen Euro überschreiten ...

Pörschmann: Wir stecken mitten in der Detailplanung, deshalb stehen die Kosten noch gar nicht fest. Bis jetzt gibt es nur unterschiedliche Entwürfe, die unterschiedliche Anforderungsprofile erfüllen.

Auf einem Grundstück, das zur Expo gekauft wurde, sind jetzt hochgiftige Ablagerungen gefunden worden. Haben Ihre Vorgänger damals nicht tief genug bohren lassen?

Fritsch: Mir ist nicht bekannt, dass man etwas unterlassen hätte. Es ist beim Erwerb ein Bodengutachten erstellt worden. Entscheidend ist: Wir werden im Einklang mit unserem Selbstverständnis handeln und das heißt: in voller Transparenz zügig alles Notwendige tun und dies auch weiterhin eng mit den Behörden abstimmen. Und natürlich prüfen wir auch mögliche Schadensersatzansprüche.

Die Kosten werden in die Millionen gehen. Verhageln Ihnen die nötigen Rückstellungen die Bilanz?

Fritsch: Die Erkenntnisse sind wenige Tage alt, deshalb können wir Umfang und Vorgehen noch nicht genau absehen. Wir müssen die Ergebnisse des Detailgutachtens abwarten. Aber das Thema wird uns sicher einige Jahre beschäftigen.

Werden Sie dennoch von 2011 bis 2014 kumuliert schwarze Zahlen schreiben?

Fritsch: Ja, denn wir haben eine substanzielle Trendwende zum Guten geschafft – und das nachhaltig. 2011 war das umsatzstärkste Jahr der Unternehmensgeschichte und 2013 wird noch besser ausfallen. Dabei wachsen wir in allen Bereichen: im Ausland, bei den angestammten Messen in Hannover, im digitalen Geschäft. 

Interview: Jens Heitmann

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