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Niedersachsen Deutsche Wohnen kauft tausende Wohnungen
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Deutsche Wohnen kauft tausende Wohnungen
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22:30 29.05.2012
Von Dirk Stelzl
In Hannover hat der neue Baubecon-Eigentümer allein 5000 Wohnungen – wie hier im Canarisweg – erworben. Quelle: Surrey
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Hannover

Für mehr als 1,23 Milliarden Euro kaufen die Frankfurter der Barclays Bank 23. 500 Wohnungen der Baubecon-Gruppe ab. Darunter sind allein rund 5000 in Hannover, zum Beispiel in den Stadtteilen Mühlenberg oder Stöcken. Auch in Laatzen befinden sich etliche Baubecon-Immobilien.

„Wir glauben an die Zukunft dieser Gegend“, sagte am Dienstag eine Sprecherin des Konzerns, dessen gesamter Bestand durch den Zukauf um knapp die Hälfte auf 73.500 Wohnungen wächst. In Hannover, Braunschweig und Magdeburg will sich das Unternehmen  eine „neue Metropolregion“ erschließen.

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Für die Mieter der Baubecon-Wohnnungen in Hannover werde sich zunächst wenig ändern, erklärte die Sprecherin. Bis Mai kommenden Jahres sei weiterhin die Firma Prelios für die Verwaltung der Immobilien zuständig. Danach sollten die Immobilienbestände vollständig in die Deutsche-Wohnen-Gruppe integriert werden. Das Unternehmen will in der Region ein Büro für die Verwaltung der Wohnungen am Ort einrichten.

Die Deutsche Wohnen versucht, Ängste von Mietern zu zerstreuen: „Wir sind ein zuverlässiger und seriöser Vermieter, der den Bestand pflegt“, betonte die Sprecherin. „Wir fangen jetzt nicht an, flächendeckend Mieterhöhungen auszusprechen.“ Die im Börsensegment M-Dax gelistete Firma handele im Umgang mit den Mietern „mit Augenmaß“.

Nach dem Prinzip „Kauf bricht nicht Miete“ behalten die Mietverträge nach dem Eigentümerwechsel ihre Gültigkeit. Bei etwaigen Mieterhöhungen in der Zukunft gebe der in der Region geltende Mietspiegel den jeweiligen Spielraum vor, erläuterte der Verband der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft in Niedersachsen und Bremen (vdw).

Hannover und Braunschweig seien „attraktive Wohnstandorte“ und deshalb auch für Immobilieninvestoren interessant, sagte ein vdw-Sprecher. Doch anders als an teuren Standorten wie Hamburg, München oder Frankfurt sei der Wohnungsmarkt im Raum Hannover „ausgeglichen“. Starke Mieterhöhungen könnten Eigentümer hier kaum durchsetzen. Der Geschäftsführer des Deutschen Mieterbundes Hannover, Randolph Fries, sieht allerdings erste Anzeichen, dass auch hier die Mieten anzögen.

Die Wohnungen der aus der Gewerkschaftsholding Neue Heimat hervorgegangenen Baubecon haben in den vergangenen Jahren mehrmals den Besitzer gewechselt. Nach 2005 gehörten sie dem Finanzinvestor Cerberus, dann der Immobiliensparte des italienischen Pirelli-Konzern (später Prelios) und zuletzt der Großbank Barclays. Auch in anderen deutschen Städten kam es immer wieder vor, dass Wohnungsbestände kurze Zeit nach einem Verkauf an andere Investoren weitergereicht wurden. Nach solchen Wohnungsgeschäften machten Mieter bisweilen unerfreuliche Erfahrungen – etwa wenn an der Instandhaltung gespart wurde. Mieterbund-Geschäftsführer Fries appelliert an die neuen Eigentümer: Sie müssten akzeptieren, dass Wohnungen auch ein „Sozialgut“ seien.