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Niedersachsen „Die Bank muss deutlich mehr Geld verdienen“
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen „Die Bank muss deutlich mehr Geld verdienen“
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11:46 18.12.2010
Von Albrecht Scheuermann
Der Vorstandsvorsitzende der Norddeutschen Landesbank (Nord/LB), Gunter Dunkel. Quelle: Kris Finn
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Die Bank hat „drei sehr gute Quartale“ hinter sich, doch Nord/LB-Chef Gunter Dunkel hält sich mit einer abschließenden Bilanz noch zurück. Schließlich hätten die Erfahrungen der Vergangenheit gelehrt, dass plötzlich auftretende Marktturbulenzen das Ergebnis noch verhageln können. Immerhin sehe man nun, mehr als drei Jahre nach dem Ausbruch der Finanzkrise, „Licht am Ende des Tunnels“, jedenfalls bei der Wirtschaftsentwicklung.

Der starke Einbruch der Wirtschaft hatte auch bei der Nord/LB die Risikovorsorge im Kreditgeschäft in die Höhe getrieben, allerdings weniger als befürchtet. Sorgen gab es besonders im Hinblick auf das umfangreiche Schiffsfinanzierungsgeschäft der Bank. Die Nord/LB gehört hier zu den weltweiten Marktführern, sie hat derzeit gut 1000 Schiffe im ihrem Portefeuille. Die Ängste erwiesen sich als übertrieben. „Die Schiffe haben uns überraschend wenig Ärger bereitet“, sagt der Nord/LB-Chef. Die Bank sieht darin einen Beleg für ihre vorsichtige und solide Geschäftspolitik – und die Kompetenz ihrer Mitarbeiter. Dies gelte für Schiffe und Flugzeuge ebenso wie für das immer wichtiger werdende Geschäftsfeld erneuerbare Energien. „Über Windparks kann uns auf dieser Welt niemand etwas erzählen.“

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Allerdings hat das jetzt zu Ende gehende Jahr eine Schwäche der Bank offengelegt, die jetzt angegangen werden soll: Sie verfügt über relativ wenig hartes Eigenkapital. Dies wurde durch den „Stresstest“ offenbar, dem sich Europas Banken im Sommer unterziehen mussten. „Der Test hätte für uns zu keinem schwierigerem Zeitpunkt kommen können“, sagt Dunkel. „Wenn mir vorher jemand gesagt hätte, dass wir ihn bestehen, hätte ich ihn umarmt.“

Nun diskutiert man mit den Trägern der Bank, allen voran der Landesregierung und den Sparkassen von Niedersachsen, wie die unter dem Begriff Basel III verschärften Kapitalanforderungen an Banken am besten erfüllt werden können. Zum Ende des ersten Quartals 2011 soll Klarheit herrschen, verspricht der Bankchef. Generell stünden die Banken vor großen Herausforderungen. „In das System muss signifikantes Eigenkapital hinein, und es ist nicht klar, woher das kommen soll.“

Für das kommende Jahr erwartet Dunkel weitere Turbulenzen an den Finanzmärkten. „Nach der Finanzkrise ist vor der Finanzkrise.“ Eine Beruhigung dürfte erst dann eintreten, wenn deutliche Fortschritte in Sachen Staatsverschuldung sichtbar werden – und für die bestehenden Schulden der Problemländer eine Lösung gefunden wird. Dunkel spricht von einem „Haircut“, worunter die Experten einen Teilverzicht der Gläubiger verstehen.

Der Nord/LB stelle sich künftig vor allem eine Aufgabe: „Die Bank muss deutlich mehr Geld verdienen.“ Der derzeitige Gewinn reiche „bei Weitem“ nicht aus. Dunkel nennt eine Eigenkapitalrendite von mehr als 10 Prozent. Die Erträge müssten hoch, die Risiken runter.

Eine Fusion mit einer anderen Landesbank ist für Dunkel weiterhin kein Thema. Er befürchtet auch keinen Druck aus dem Kreis der Eigentümer in dieser Richtung. Schließlich stelle sich die Frage: „Wer will dafür die Verantwortung übernehmen.“