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Niedersachsen „Die Cebit hat ein klares Profil“
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen „Die Cebit hat ein klares Profil“
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00:27 16.03.2015
Von Stefan Winter
Hightech für die weltweite Vernetzung der Wirtschaft: Am Sonntagabend wird die IT-Messe Cebit in Hannover eröffnet. Hier Aufbauarbeiten am Stand der Firma Secusmart
Hightech für die weltweite Vernetzung der Wirtschaft: Am Sonntagabend wird die IT-Messe Cebit in Hannover eröffnet. Hier Aufbauarbeiten am Stand der Firma Secusmart. Quelle: Peter Steffen
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Hannover

Vor einem Jahr haben auf der Cebit drei Minister die „Digitale Agenda“ der Bundesregierung angekündigt. Ist daraus eigentlich irgendetwas Greifbares geworden, Herr Kempf?
Wenn sich drei Minister hinstellen, dann ist das schon mal was – wir haben uns wirklich gefreut. Da sind die richtigen Weichen gestellt worden, aber natürlich bedarf einiges noch der deutlicheren Konkretisierung.

Wo fehlt es denn?
Es gibt ein paar Widersprüche zu anderen Politikbereichen. Wenn man zum Beispiel auf der einen Seite die Startup-Finanzierung fördern will, auf der anderen Seite aber im neuen Anlegerschutzgesetz das Crowdinvesting erschwert, dann passt das nicht. Und die Vorstellungen der Arbeitsministerin zum Arbeitsschutz scheinen mir in Zeiten von Homeoffice und mobilem Arbeiten geradezu hanebüchen. Das kommt zum Teil aus dem vorigen Jahrhundert.

Die Ziele bei der Breitbandverkabelung sind auch in weiter Ferne.
Wissen Sie, mich stört schon die Idee eines festen Ziels. Die Infrastruktur auf dem neuesten Stand zu halten ist eine ständige Aufgabe. Das endet nicht bei  50 Megabit im Jahr 2018, wie es die Agenda vorgibt. Und natürlich muss noch einiges getan werden, um überhaupt so weit zu kommen. Die nötigen Frequenzen müssen freigegeben werden, das ist nicht nur ein Thema des Bundes, sondern auch der Länder.  Und dann muss auch ein Finanzministerium verstehen, dass es einen Teil beitragen kann. Flächendeckend können die Netzbetreiber allein die Versorgung mit schnellem Internet nicht leisten.

Mit der Digitalen Agenda ist also nicht viel Staat zu machen?
Die Agenda ist toll, aber hier und da muss auch ein Preisschild dran.

Zur Person: Dieter Kempf

Dieter Kempf ist seit 2011 Präsident des Branchenverbands Bitkom und führt im Hauptberuf die Datev, einen IT-Dienstleister für Steuerberater, Wirtschaftsprüfer und Rechtsanwälte. Der 62 Jahre alte Münchner begann seine Karriere im Leitungsteam der ersten deutschen McDonald’s-Filiale. Nach dem Studium ging er als Wirtschaftsprüfer zu Arthur Andersen (heute EY). Seit 1991 ist er bei der Datev und seit 1996 Vorstandsvorsitzender. Nebenbei lehrt Kempf als Honorarprofessor für Betriebswirtschaftslehre an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg.

Eins der großen IT-Themen ist im Moment Industrie 4.0, das Vernetzen der Maschinen. Ist das eine Chance für die deutsche IT-Branche, mal wieder auf Augenhöhe zu den USA zu kommen?
Wir sind in einigen Bereichen sehr wohl auf Augenhöhe, die fallen nur nicht so auf: bei Embedded Chips, zum Beispiel, und bei Sicherheitslösungen. Die großen Chancen von Industrie 4.0  bieten sich vor allem der Industrie. Die Deutschen haben ein extremes Know-how im Maschinen- und Anlagenbau, wir haben den industriellen Kern am besten bewahrt. Das mit moderner Informations- und Kommunikationstechnik zu verknüpfen schafft die Chancen. Wir werden dahin kommen, dass Roboter und Menschen Seite an Seite arbeiten – ohne Schutzgitter und Zäune. Die Aussteller werden auf der Cebit zeigen, was Industrie 4.0 bedeutet. Da wird es viel zu sehen geben – auch viel Unerwartetes.

Das sehen allerdings immer weniger Menschen, die Cebit ist im vergangenen Jahr weiter geschrumpft. Machen sich die Aussteller Sorgen?
Das Konzept „100 % Business“ war richtig und notwendig. Wir Aussteller wollen ein klares Profil für Fachbesucher, das haben Messe und Bitkom in wirklich sehr engem Schulterschluss umgesetzt.  Wir haben das Wochenende aus dem Programm herausgenommen, die Ansprache des Publikums geändert,  die Ticketpreise erhöht – da darf man sich nicht wundern, wenn ein Teil der Besucher nicht mehr erscheint. Wenn die Zahl weiter sinken würde, müssten wir uns Gedanken machen, aber das erwarte ich nicht.

Was hat sich gegenüber dem Vorjahr verändert?
Wir haben etwas nachjustiert bei der Nomenklatur, bei Themenzuordnungen und den Laufwegen zwischen den Hallen. Aber grundsätzlich hat sich das Konzept bewährt.

Dieses Jahr ist die Messe mit „d!conomy“ überschrieben. Was sagt uns das?
Ach, Sie wissen ja: In unserer Branche brauchen wir immer das Englische und etwas Kryptische ... „d!conomy“ steht für die Verbindung von Digitalisierung und Wirtschaft in allen Branchen, für das Zusammenspiel aller Komponenten. Mobilität, einfache Bedienung, Datenübertragung quasi in Echtzeit, das ganze Thema Big Data – das gibt der Digitalisierung noch einmal eine neue Dimension.

Was erwarten Sie vom diesjährigen Partnerland China?
Es kommen mehr als 600 Aussteller von dort, das ist schon einmal eindrucksvoll. Mit Alibaba hat gerade ein chinesisches Unternehmen den größten Börsengang der Geschichte gehabt, und der Chef Jack Ma wird zur Cebit-Eröffnung sprechen, das wird hochspannend. Das Land ist längst darüber hinaus, Kabel zu konfektionieren und Stecker zu bauen. Die Menschen sind ungeheuer hungrig nach Technologie, ich freue mich auf die Begegnungen.

Bisher ist das eine etwas einseitige Veranstaltung. China feiert im Westen Erfolge, hat den Zugang zu seinem IT-Markt aber streng reglementiert. Werden Sie das als Verbandspräsident auch ansprechen?
Wir müssen auch offen über Handelsstrukturen reden. Da gibt es noch einige Hemmnisse. Aber man muss auch bedenken, dass China in der freien Wirtschaft eine viel kürzere Geschichte hat als Europa.

Und die Freiheit im Internet?
Auch das muss man thematisieren, aber da sehen wir ja inzwischen auch bei uns die Grenzen. Die großen Freiheitskämpfer der vergangenen Jahre werden langsam nachdenklich. Am Ende muss die Freiheit des Netzes stehen, aber sie darf auch nicht missbraucht werden. Ich maße mir nicht an, China zu maßregeln. 

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