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Niedersachsen „Die Cebit ist auch Inspiration“
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen „Die Cebit ist auch Inspiration“
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08:05 11.03.2015
Oliver Frese ist seit 2013 im Vorstand der Deutschen Messe AG für die Cebit.
Oliver Frese ist seit 2013 im Vorstand der Deutschen Messe AG für die Cebit. Quelle: Holger Hollemann
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Hannover

Warum hinkt die deutsche IT-Branche international hinterher, Herr Frese?
Das sehe ich nicht so, die deutschen Unternehmen sind international absolut wettbewerbsfähig und Innovationstreiber. Wir haben vielleicht noch nicht die Kultur des Gründertums wie in den USA. Wir Deutschen sind oft eher zurückhaltend. Aber das ändert sich langsam. Es gibt mehr Ausgründungen an den Unis, in Berlin ist eine spannende Szene entstanden, Talente verlassen große Konzerne, um ihr eigenes Projekt zu machen.

Und darauf sind deutsche Unternehmen nicht eingestellt?
Die deutschen Unternehmen spüren, dass sie sich darauf einstellen müssen. Digitalisierung durchdringt alle Prozesse. Das Digitale ist nicht nur eine Technik, das ist ein Mindset, eine innere Einstellung. Das muss heute jeder Unternehmer haben. Etablierte Großkonzerne suchen inzwischen draußen Innovationen, weil die eigene Entwicklungsabteilung häufig überhaupt nicht losgelöst von den bestehenden Strukturen denken kann. Da werden gemischte Teams zusammengesetzt und entwickeln ihr eigenes Projekt. Oder man kauft gleich ein Start-up mit der fertigen Idee. Es werden viele neue Wege gegangen.

Was heißt das für die Cebit?
Die Cebit ist die zentrale Plattform für diese Begegnungen. Mit Scale 11 haben wir dafür ein eigenes Format geschaffen, an dem sich zum Beispiel RWE und Volkswagen beteiligen. Daran können Sie sehen, dass Großkonzerne die Anregungen der Gründerszene suchen.
Warum hat die Cebit eigentlich nie auf die niedersächsische IT-Landschaft abgestrahlt? Wenn man schon diesen Leuchtturm vor der Tür hat ...
Gute Frage, man kann die Messe als Plattform sicher noch stärker nutzen. Das gilt vor allem für die Besucher, die diese Plattform praktisch direkt vor der Haustür haben. Da geht auch aus unserer Sicht gern mehr. Die Branche ist hier sehr mittelständisch geprägt, aber immerhin: Unter den deutschen Ausstellern rangieren die Niedersachsen auf dem dritten Platz.

Zur Person: Oliver Frese

Oliver Frese ist seit 2013 im Vorstand der Deutschen Messe AG für die Cebit verantwortlich. Davor organisierte er als Bereichsleiter die Industrieschau Hannover Messe. Der gebürtige Hannoveraner ist außerdem für die Weiterentwicklung des Messegeländes verantwortlich.

Die Cebit hat kaum regionalen Bezug. Gibt es noch so etwas wie eine Messestimmung in der Stadt?
Gute Stimmung in der Stadt ist immer wichtig. Wir erwarten Besucher aus 70 Nationen, für die beginnt das Erlebnis schon im Taxi am Flughafen. Natürlich hat sich die Messe in den vergangenen Jahren verändert. Aber jeder Euro Messeumsatz führt zu 7 bis 10 Euro Umsatz bei Geschäftsleuten in der Region. Das ist immer noch ein deutlich spürbarer Effekt.

Da hilft die Abschaffung des Kombitickets aber nicht gerade, oder?
Wir hatten ja nur noch wenige Messen in Hannover, bei denen das Kombiticket überhaupt genutzt wurde, große Veranstaltungen wie die Agritechnica oder die IAA Nutzfahrzeuge verzichten schon seit jeher. Wir haben mit der Üstra und dem GVH gute Wege gefunden, dass es für die Besucher keine Beeinträchtigungen mehr geben wird. Aber ja, jeder sollte ein Ticket für den Nahverkehr haben – so, wie es in anderen Städten auch der Fall ist. 

Die zweite Auflage als reine Profimesse steht bevor. Wo wurde am Konzept nachgebessert?
Wir gehen bei den einzelnen Themen viel mehr in die Tiefe. Die Cebit ist eine horizontale Messe, die die gesamte digitale Wertschöpfungskette abbildet. Die insgesamt elf einzelnen Bereiche bekommen ein stärkeres Profil.
Das klingt ein bisschen nach Hannover Messe: Dachmarke für ein Dutzend selbstständige Veranstaltungen.
Die einzelnen Themen der Cebit werden keine eigenen Messen, aber sie werden so behandelt. Nehmen Sie das Thema Datacenter in Halle 12: Dort stellen wir in Kooperation mit einem starken Partner aus England, Datacenter Dynamics,   die führende europäische Veranstaltung zu diesem Thema auf die Beine. Das wird doppelt so groß wie im vergangenen Jahr.

Trauen Sie Themen wie Data Center genug Zugkraft zu? Den Glamour früherer Jahre strahlt das nicht aus.
Das mag nicht so sexy sein wie die neuesten Flachbildschirme, aber die Unternehmen verdienen damit viel mehr Geld. Alle reden vom Internet der Dinge, und leistungsfähige Data Center sind die Grundvoraussetzung dafür. Wussten Sie, dass neunzig Prozent der Umsätze im Bereich Internet der Dinge zwischen Unternehmen gemacht werden? Deshalb ist die Cebit die Heimat für das Internet der Dinge. Ich denke, gerade in diesem Jahr kann man sagen: Die Cebit ist durch ihre Inhalte sexy. Die Liste der Sprecher, die wir in dieser einen Woche in Hannover haben werden, Oscar-Preisträger, Starökonomen, Investigativ-Journalisten, Digital-Ikonen, wird unseren Besuchern zudem Impulse geben.

Hat ein Cebit-Chef eigentlich persönliche Favoriten?
Ich freue mich auf die Eröffnungsveranstaltung – da sind wir wieder bei China: Alibaba-Gründer Jack Ma wird die Rede halten, er ist inzwischen eine Art chinesischer Steve Jobs. Und ein Favorit sind für mich immer die Global Conferences mit herausragenden Persönlichkeiten. Das reicht von Glenn Greenwald, der das Snowden-Material veröffentlichte, bis zu Peter Maffay. Da sehen Sie: Wir reden nicht nur von einer Business-Plattform. Die Cebit ist auch Inspiration.

Interview: Stefan Winter

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