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Niedersachsen LBS Nord droht Bausparern mit Kündigung
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen LBS Nord droht Bausparern mit Kündigung
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08:32 26.07.2013
Von Jens Heitmann
„Übersparte“ Altverträge im Visier: LBS Nord in Hannover. Quelle: Archiv
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Hannover

Satte 3 Prozent Zinsen bei 0 Prozent Risiko – das gibt es dieser Tage kaum noch. Bundesanleihen, Tagesgeldkonten und Sparbücher werfen nur Minizinsen ab. Wer eine höhere Rendite anstrebt, muss auf Aktien oder andere Investments ausweichen – und mögliche Verluste einkalkulieren. Es sei denn, man ist Bausparer: Alte Verträge werfen in der Ansparphase noch immer 3 Prozent Zinsen ab. „In dieser Zeit die Krone an Rendite“, wie ein HAZ-Leser schreibt.

Was den Bausparer freut, ärgert seine Kasse. Für diese basiert der Vertrag auf einer Mischkalkulation: In der Ansparphase gewährt sie Zinsen und verdient ihr Geld später am Darlehen. Ist ein Teil der Bausparsumme auf dem Konto, teilt das Institut dem Sparer den Vertrag zu. Dann kann er sich entscheiden, ob er ein zins­güns­tiges Darlehen in Höhe der Differenz zur Bausparsumme aufnimmt oder weiter einzahlt. Manche Sparer aber wollen gar nicht bauen, sondern nur Geld anlegen und die vergleichsweise hohen Zinsen kassieren. Bausparkassen können diese Taktik jedoch mit der Kündigung des Vertrages kontern – wie aktuell die LBS Nord.

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Etwa 4300 Sparfüchse unter ihren rund 1,1 Millionen Kunden hat die Sparkassentochter dieser Tage angeschrieben, um ihnen ein Angebot zu machen, das diese nicht ablehnen können. Das Sparziel ihres Vertrages sei seit Langem erreicht, heißt es in dem Formbrief: „Machen Sie jetzt das Beste daraus!“ Dafür eröffnet die LBS aber nur zwei Optionen – die sofortige Auszahlung des Bausparguthabens oder dessen Übertragung in einen neuen, natürlich niedriger verzinsten Tarif. Verzichte der Kunde auf eine Wahl, würden „übersparte“ Verträge Anfang September mit Wirkung zum 12. Dezember dieses Jahres gekündigt, teilt eine Unternehmenssprecherin mit.

Für die Sparer ist das ärgerlich, rechtlich ist die LBS damit aber auf der sicheren Seite. Das Land­gericht Hannover hat bereits 2009 entschieden, dass der Zweck eines Bausparvertrages erfüllt sei, sobald die volle Höhe der Bausparsumme angespart sei. Denn dann könne die Bausparkasse kein Darlehen mehr gewähren (Az.: 13 O 14/09). Die Auffassung der hannoverschen Juristen wurde inzwischen vom Ober­landes­gericht Celle bestätigt (Az.: 3 U 257/09).

Zuweilen würden Bausparverträge jedoch auch schon gekündigt, bevor sie zuteilungsreif seien, heißt es bei der Verbraucherzentrale Niedersachsen. Im Fall der LBS wäre also zu prüfen, „ob bereits eine Vollbesparung vorliegt“, sagt der zuständige Referatsleiter Andreas Gernt. „Ist dies nicht der Fall, sollte sich niemand zu einer sofortigen Auszahlung des Bausparguthabens oder zu einer Tarifumstellung drängen lassen.“

Für Bausparer, die es von Anfang an nur auf die hohen Guthabenzinsen abgesehen haben, hat die Zeitschrift Finanztest einen besonderen Tipp parat: Sie sollten ihre Einzahlungen vor Erreichen der Bausparsumme stoppen. Die Bausparkasse dürfe ihren Vertrag dann nicht kündigen – die Spitzenzinsen blieben somit erhalten. Konkret geht das so: Wenn das Guthaben rund 85 Prozent der angepeilten Bausparsumme erreicht hat, zahlt der Kunde nicht weiter ein. So fließen nur die vereinbarten Zinsen weiter in den Vertrag – folglich dauert es viel länger, bis die Bausparsumme erreicht ist. In dieser Zeit können Sparer ihren Vertrag weiterführen und von hohen Zinsen profitieren.

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