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Niedersachsen Messe steuert auf Tarifkonflikt zu
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Messe steuert auf Tarifkonflikt zu
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07:25 02.11.2015
Von Jens Heitmann
„Wettbewerbsfähigkeit wiedergewinnen“: Der Streit zwischen Vorstand und Arbeitnehmern ist eskaliert. Foto: dpa Quelle: Rainer_Jensen
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Hannover

Hannover. Bei der Deutschen Messe hängt der Haussegen schief. Während der Vorstand die Personalkosten deutlich nach unten drücken will, dringen die Arbeitnehmervertreter auf eine Rückkehr zur 35-Stunden-Woche ohne Abschläge. Der Streit ist bereits eskaliert: Nachdem die IG Metall den Beschäftigungssicherungsvertrag zum Jahresende gekündigt hat, will der Vorstand den rund 750 Mitarbeitern fortan keine übertariflichen Leistungen mehr bezahlen.

Weil es dem Unternehmen auf dem Höhepunkt der Finanzkrise nicht gut ging, hat die Messe im Jahr 2008 mit der Gewerkschaft eine Art Not-Tarifvertrag geschlossen. Danach wurde die Arbeitszeit ohne Lohnausgleich von 35 auf 38,5 Stunden erhöht. Im Gegenzug verpflichtete sich die Gesellschaft, bis Ende dieses Jahres auf betriebsbedingte Kündigungen und Ausgründungen von Unternehmensteilen zu verzichten.

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Da Ende Dezember die vom Vorstand gegebenen Garantien ausgelaufen wären, ohne dass sich die Arbeitszeit automatisch verringert hätte, hat die IG Metall den Beschäftigungssicherungsvertrag fristgerecht gekündigt. „Heute ist das Unternehmen schuldenfrei, und auch unsere Messen entwickeln sich positiv“, heißt es in einer Mitteilung der Gewerkschaft. „Damit haben die bisherigen Sparmaßnahmen ihren Zweck, die Deutsche Messe aus der Talsohle zu holen, erfüllt.“

Das sieht der Vorstand anders. In den vergangenen Jahren habe sich der Wettbewerb auf dem Markt verschärft, heißt es. Andere Gesellschaften investierten massiv in ihre Ausstellungsgelände. Insbesondere um Gastveranstaltungen sei ein Konkurrenzkampf entbrannt, der auch über den Preis ausgetragen werde. Behaupten könnten sich nur Gesellschaften, die ihre Kosten im Griff hätten. Bei der Deutschen Messe sollen die Ausgaben für das Personal am Standort Hannover mit 80 Millionen Euro um 40 Prozent über dem anderer Plätze liegen. Pro Kopf mache das bis zu 20.000 Euro aus, heißt es. Für einen entsprechenden Vergleich hat der Vorstand eigens die Unternehmensberater von KPMG engagiert.

Die Mitarbeiter profitieren bisher von diversen übertariflichen Leistungen. So bekommen Eltern einen Zuschuss, die ihre Kinder nicht im betriebseigenen Kindergarten betreuen lassen. Auch bei Brillen und Zahnersatz übernimmt die Messe einen Teil der Rechnung.

Laut IG Metall fordert das Management eine Verlängerung der Arbeitszeit auf 40 Stunden in der Woche, Mehrarbeit solle über Freizeit statt durch Bezahlung ausgeglichen werden, auch Weihnachts- und Urlaubsgeld stünden zur Disposition, heißt es in einer Information der Gewerkschaft nach der ersten Verhandlungsrunde Mitte Oktober. Gleichzeitig deute vieles darauf hin, dass die Messe das laufende Jahr mit einem deutlich höheren Gewinn abschließen werde als mit den prognostizierten rund 5 Millionen Euro. Deshalb müsse jetzt wieder „Normalität Einzug halten“, meint die IG Metall.

Das Unternehmen gibt sich davon unbeeindruckt. Die Messe müsse ihre Wettbewerbsfähigkeit wiedergewinnen, heißt es. Dafür gebe es „verschiedene Hebel“ - keinen davon zu ziehen sei jedoch keine Alternative.

Heiko Randermann 01.11.2015
Heiko Randermann 29.10.2015