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Niedersachsen Dunkel trimmt Nord/LB auf Gewinn
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Dunkel trimmt Nord/LB auf Gewinn
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06:15 26.07.2012
Von Albrecht Scheuermann
„Wir müssen sie äußerst diszipliniert und konsequent auf Ergebnis trimmen.“:  Nord/LB-Vorstandschef Gunter Dunkel. Quelle: Surrey
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Hannover

Die Nord/LB wird auch Arbeitsplätze abbauen müssen, um ihre Ziele zu erreichen. In einer Rundmail an alle Mitarbeiter war am Montag von 450 bis 650 Stellen die Rede, die mittelfristig wegfallen sollen. Betriebsbedingte Kündigungen seien in den nächsten Jahren allerdings ausgeschlossen, betonte Banksprecher Rembert Schneider. Es gehe um Vorruhestand und das Ausnutzen von Fluktuation. Der Konzern mit seinen Tochtergesellschaften beschäftigt weltweit 7300 Mitarbeiter, davon 4500 im Kernstück Nord/LB.

Bankchef Gunter Dunkel hatte vor anderthalb Jahren bereits das Ziel ausgegeben, die Gesamtkosten nicht über die aktuellen 1,1 Milliarden Euro steigen zu lassen. Der Betrag sollte soweit wie möglich bei den Sachkosten hereingeholt werden, der Rest auf der Personalseite. Das ist nun offenbar nötig. Den Mitarbeitern sei dies als Teil des Kostenprogramms aber schon vor dem gestrigen Rundschreiben zur bevorstehenden EU-Entscheidung bekannt gewesen, sagte Schneider.

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Die Einsparungen sind Teil des Gesamtkonzepts, das die Europäische Kommission am Mittwoch genehmigen soll. Da die Kapitalaufstockung der Nord/LB aus der Landeskasse geleistet wird, überprüft Brüssel Art und Umfang der Beihilfen. Ziel ist es, Wettbewerbsverzerrungen zu verhindern. Dazu gehört, dass die Bank nach der staatlichen Unterstützung wieder aus eigener Kraft wettbewerbsfähig ist – also nachhaltige Gewinne erwirtschaftet. Bei der Nord/LB geht es allerdings nicht um eine Sanierung, sondern lediglich um eine Kapitalaufstockung, die von der europäischen Bankenaufsicht Eba erzwungen wurde. Insgesamt hat die Bank durch verschiedene Maßnahmen ihr sogenanntes hartes Kernkapital um 3,3 Milliarden Euro aufgestockt. Zu dem Kapitalstärkungsprogramm gehörte unter anderem eine Kapitalzufuhr von rund einer halben Milliarde Euro durch das Land Niedersachsen, das nun mit rund 56 Prozent zum Mehrheitseigentümer der Bank geworden ist.

Herr Dunkel, am Mittwoch wird die Europäische Kommission offiziell das Kapitalstärkungsprogramm der Norddeutschen Landesbank billigen, allerdings unter etlichen Auflagen. Wie sehen diese im Einzelnen aus?

Die Kommission macht genau genommen keine Auflagen. Vielmehr musste die Bundesrepublik Deutschland im Namen des Landes Niedersachsen und der Nord/LB bestimmte Zusagen machen, um die Genehmigung Brüssels zu ermöglichen. Grundsätzlich gibt es zunächst eine erfreuliche Botschaft: Das Geschäftsmodell der Nord/LB wird akzeptiert, weil es zukunftsfähig ist.

Aber welche Kröten müssen Sie nun schlucken?

Keine. Ich würde die Zusagen an die Kommission in drei Teile gliedern: erstens Maßnahmen, die wir so nicht beschlossen hätten, zweitens solche, die unseren eigenen Planungen entsprechen und schließlich drittens solche, die wir schon aufgrund eigener Entscheidungen realisiert haben. Zur ersten Kategorie gehört, dass wir unsere Repräsentanzen im indischen Mumbai und in Peking schließen müssen. Das schränkt unsere Möglichkeiten dort schon ein. Um aber keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Wir dürfen unsere Firmenkunden weiterhin zum Beispiel nach Indien begleiten.

Werden weitere Schließungen vorgeschrieben?

Auch die Tage der Repräsentanz unserer Tochter Deutsche Hypo in Madrid sind gezählt. Das Aus hatten wir aber schon selbst beschlossen. Materiell bedeutsam ist allerdings der nun vorgeschriebene Rückzug aus dem Immobiliengeschäft in den USA. Aber auch dies entspricht unseren Planungen. Wichtig ist für uns, dass die Niederlassungen in New York, London, Singapur und Schanghai unverändert bestehen bleiben.

Welche Auflagen haben Sie durch eigene Entscheidungen bereits vorweggenommen?

Die Europäische Kommission will, dass wir uns von Beteiligungen trennen. Dies haben wir in zwei Fällen bereits erledigt: Unsere Beteiligungen an der Deka Bank und der Nord Holding sind bereits veräußert. Und dass wir uns auf das deutsche Firmenkundengeschäft konzentrieren sollen, entspricht unserer Strategie.

Die Bank kann also insgesamt mit den von Brüssel beschlossenen Beschränkungen gut leben?

Sie sind für uns gut verkraftbar. Den größten Beitrag müssen aber unsere Träger leisten: Sie werden für die Jahre 2013 und 2014 zunächst auf Dividenden verzichten. Allerdings gibt es hier einen Kompromiss: Wir können die entsprechenden Gewinne auf das Jahr 2015 vortragen und sie dann nachträglich ausschütten. Dies geht natürlich nur, wenn sich die Bank planmäßig entwickelt.

Welche Konsequenzen ergeben sich aus den Entscheidungen für die Bank?

Wir müssen sie äußerst diszipliniert und konsequent auf Ergebnis trimmen. Dies bedeutet zum Beispiel konkret, dass die gesamten Kosten bis einschließlich 2015 auf dem Niveau von 2011, also etwa 1,1Milliarden Euro, bleiben müssen. Dies fällt uns auch deshalb nicht so leicht, weil verschärfte Regulierungsanforderungen wie beispielsweise erweiterte Meldepflichten der europäischen Bankenaufsicht erhebliche neue Kosten verursachen.

Was ist Ihr Fazit zu dem Verfahren in Brüssel?

Eigentlich hätte es nie stattfinden dürfen, da wir kein Stützungsfall sind. Aber so sind nun mal die Regeln in Europa. Ausgangspunkt waren ja die verschärften Eigenkapitalvorschriften der Europäischen Bankenaufsicht, auf die wir reagieren mussten. Diese sind im Kern zwar richtig, haben aber ungewollte Nebenwirkungen. Rein wirtschaftlich betrachtet, war die Eigenkapitalerhöhung bei der Nord/LB jedenfalls nicht nötig. Übrigens war die Zusammenarbeit mit den Finanzministerien des Landes Niedersachsen und des Bundes ausgezeichnet. Sie haben unser Anliegen sehr unterstützt.

Können Sie den Ergebnissen auch etwas Positives abgewinnen?

Ja. Die Bank ist jetzt noch robuster. Dies ist gut fürs Land, gut für die Sparkassen und gut für die Nord/LB selbst.

Interview: Albrecht Scheuermann

Gunter Dunkel ist seit 1997 Vorstandsmitglied der Nord/LB und wurde Anfang 2009 Vorstandschef. Sein Vertrag wurde vor einem Jahr bis Ende 2016 verlängert. Geboren am 18. Juli 1953 im schwäbischen Waiblingen, wuchs Dunkel in Österreich auf und studierte in Wien. An der Wirtschaftsuniversität Wien erwarb er den Magister und promovierte in Sozial- und Wirtschaftswissenschaften. Gleichzeitig studierte er an der Universität Wien Jura. Danach arbeitete Dunkel bei einer Bank, ehe er 1980 zum Unternehmensberater McKinsey in den Bereich „Strategisches Management“ wechselte. Drei Jahre später ging er zur Bayerischen Hypotheken- und Wechsel-Bank. Dunkel ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder.

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