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Niedersachsen EWE holt Kommunen ins Netz
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen EWE holt Kommunen ins Netz
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00:16 14.10.2013
Von Jens Heitmann
Der Betrieb des Leitungsnetzes wirft eine stabile Rendite ab – EWE beteiligt jetzt die Kommunen daran. Quelle: dpa
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Hannover

„Damit sind wir im ersten Schritt sehr zufrieden“, erklärte Timo Poppe, EWE-Generalbevollmächtigter für Infrastruktur, am Freitag kurz vor Ablauf der Zeichnungsfrist. Angesichts der recht unterschiedlichen Haushaltslage in den Kommunen sei dies ein „beachtliches Interesse“.
EWE hat insgesamt 288 Gemeinden angeboten, bis 2018 in zwei Schritten mit insgesamt 25,1 Prozent bei der Netzgesellschaft einzusteigen. In der ersten Runde waren 4,9 Prozent im Angebot – davon wurde rund ein Drittel gezeichnet. Der Wert der Beteiligung könnte am Ende den Berechnungen zufolge bei 700 Millionen Euro liegen, ein unabhängiger Wirtschaftsprüfer soll diesen Wert später verbindlich festlegen.

Der Oldenburger Versorger beherrscht das Gebiet zwischen Ems, Weser und Elbe. Mit dem Beteiligungsangebot an die Kommunen möchte das Unternehmen diese davon abhalten, auslaufende Konzessionsverträge nicht zu verlängern und eigene Stadtwerke zu gründen. Selbst in Leer, Aurich und Cloppenburg wird über so einen Schritt nachgedacht – in Kommunen also, die mit zu den Gründern von EWE zählen.

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Bis zum Jahr 2020 laufen nach Angaben des Unternehmens 419 Konzessionsverträge in der EWE-Region aus. In knapp 350 Fällen werde noch verhandelt, rund 60 Verträge habe man bereits unterschrieben, hieß es gestern. Nur sieben seien verloren gegangen.
Für die Beteiligung an der EWE-Netzgesellschaft müssen sich die Kommunen mit einem vergleichsweise bescheidenen Ertrag zufriedengeben. Als Garantiedividende zahlt EWE 4,75 Prozent. „Wir werden uns beteiligen, weil sich drei Dinge verbinden – Mitsprache bei Energienetzen, ein für Kommunen vertretbares unternehmerisches Risiko und eine attraktive Rendite“, sagte Westoverledingens Bürgermeister Eberhard Lüpkes.

Sollte das Netz über den Beteiligungszeitraum an Wert gewinnen, könnten die Kommunen noch mit einem Bonus rechnen, sagte ein Unternehmenssprecher. Bei EWE zeigt man sich zuversichtlich, dass sich bei der zweiten Zeichnungsrunde im Jahr 2018 weitere Kommunen an der Netzgesellschaft beteiligen werden. Für etliche Gemeinden sei der vom Unternehmen für die erste Runde vorgegebene Zeitrahmen offenbar zu knapp bemessen gewesen, hieß es. Dem Vernehmen nach wird geprüft, ob sich Kommunen im nächsten Jahr – sozusagen nachträglich – noch an der ersten Tranche von 4,9 Prozent beteiligen können. Das setzt allerdings die Zustimmung der Finanzaufsicht Bafin voraus.

Als Basis für den Anteilserwerb dient EWE die Einwohnerzahl einer Kommune und deren Fläche. So will man vermeiden, dass sich wohlhabende Städte und Gemeinden zu hohen Einfluss erkaufen – und so Unruhe unter den übrigen Anteilseignern schüren. Ursprünglich wollte EWE die Beteiligung der Kommunen an der Netzgesellschaft auf das Jahr 2028 begrenzen; davon hat man nach Protest der Investoren wieder Abstand genommen.

Versorger gegen Ökoförderung

Zehn große europäische Stromkonzerne machen Front gegen die staatliche Förderpolitik für Wind- und Sonnenenergie. In Europa müssten falsche Subventionen, hohe Steuern und ein politischer Zickzackkurs ein Ende haben, forderten die Firmenchefs und Vorstandsmitglieder von e.on, Vattenfall, RWE und weiteren Konzernen am Freitag in Brüssel. Staatshilfen für grünen Strom – insbesondere für Solarenergie – sollten umgestellt werden. Fossile Energieträger wie Gas dürften nicht ausgebremst werden.

e.on-Chef Johannes Teyssen sprach sich für eine stärkere Rolle der EU-Kommission aus, um den Flickenteppich an nationalen Ökoförderungen zu beenden. Die Politik müsse handeln und die Sorgen der Branche – insbesondere der Betreiber konventioneller Kraftwerke – berücksichtigen, deren Lage kritisch sei. „Mit uns geht’s den Bach runter“, sagte der Chef des italienischen Versorgers Enel, Fulvio Conti. Die Unternehmen fühlen sich benachteiligt durch die hohe staatliche Förderung für erneuerbare Energien.

Die Topmanager forderten mehr Wettbewerb – das wäre gut für ihre Gas- und Kohlekraftwerke. Ein Problem für die Kraftwerksbetreiber ist, dass sie für Zeiten, in denen nicht ausreichend Wind- oder Sonnenenergie bereitsteht, Kapazitäten vorhalten sollen. Dies ist teuer und rechnet sich für die Konzerne nicht. Tatsächlich will die EU-Kommission bis Ende Oktober ein Reformpapier vorstellen. Darin soll es darum gehen, wie Konzerne nicht nur für ihren Strom, sondern für die bloße Existenz von Kraftwerken Geld bekommen könnten.

dpa

11.10.2013
Jens Heitmann 13.10.2013
Carola Böse-Fischer 08.10.2013