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Niedersachsen EWE plant den Bau der größten Batterie der Welt
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen EWE plant den Bau der größten Batterie der Welt
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10:00 23.06.2017
Von Jens Heitmann
Revolution bei Stromspeichern? EWE-Manager Ralf Riekenberg am Gasspeicher in Jemgum, der zu einer Pilotanlage werden soll. Quelle: Ingo Wagner
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Hannover

Der Oldenburger Energiekonzern EWE will Salzkavernen zur Speicherung von Ökostrom nutzen. Zusammen mit Experten der Universität Jena plant das Unternehmen die „größte Batterie der Welt“: Ziel sei es, Elektrizität in großen Mengen umweltfreundlich in salzigem Wasser zu speichern, erklärte der zuständige Geschäftsführer Peter Schmidt am Donnerstag. „Das kann den Markt für Stromspeicher grundlegend verändern.“

EWE betreibt 38 Gasspeicher

Mit 38 Kavernen ist EWE einer der größten Anbieter von Gasspeichern in Europa. Die Anlagen Huntorf, Nüttermoor, Jemgum und in Rüdersdorf bei Berlin haben eine Kapazität von 2,1 Milliarden Kubikmetern - ein weiterer Standort ist in Mecklenburg-Vorpommern geplant. Ursprünglich wurden die Speicher im Sommer bei niedrigem Gasbedarf gefüllt und im Winter zur Versorgung geleert. Nach der Öffnung des Gasmarktes hat diese Mittlerrolle jedoch an Bedeutung verloren, die Betreiber suchen daher nach Alternativen.

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Da im Netzgebiet von EWE ein Großteil der niedersächsischen Windkraftanlagen stehen, lag die Idee mit der Energiespeicherung nahe. Auch das chemische Prinzip dahinter war mit der Redox-Flow-Batterie schon bekannt - jedoch war das Verfahren nicht umweltverträglich, da als Speichermedium meist in Schwefelsäure gelöste Schwermetallsalze wie Vanadium verwendet wurden.

Start für 2023 geplant

Dieses Manko will der Konzern mithilfe von Wissenschaftlern der Universität Jena beheben: Anstelle von Vanadium sollen wasserlösliche, wiederverwertbare Polymere das Salzwassergemisch in der Kaverne anreichern und so die Batterie funktionsfähig machen. „Wir haben noch einige Tests durchzuführen und etliche Fragen zu klären, bis wir das aufgezeigte Speicherprinzip anwenden können“, sagte Projektleiter Ralf Riekenberg. Ende 2023 aber solle die Batterie startklar sein.

Für den Herbst peilt EWE den Bau einer Pilotanlage im ostfriesischen Jemgum an, zunächst über Tage. Als Testobjekt dienen zwei große Kunststofftanks - die Leistung ist auf 500 Kilowatt ausgelegt, das entspricht einem Notstromaggregat. Doch der Konzern plant bereits in größeren Maßstäben: Zwei mittelgroße Kavernen seien in der Lage, als Speicher eine Metropole wie Berlin eine Stunde lang mit Strom zu versorgen, hieß es. Da deutsche Salzstöcke theoretisch Platz für Hunderte solcher unterirdischen Batterien böten, könne die Technologie zu einem wichtigen Baustein für die Energiewende werden. Für ein mittelgroßes Kavernenpaar kalkuliert EWE mit Investitionen von 120 Millionen Euro, die Pilotanlage soll etwa 2 Millionen Euro kosten. Der Konzern will dafür Fördermittel beantragen.

Lies befürwortet die Pläne

Die Landesregierung begrüßt das Vorhaben von EWE. „Wir müssen das Thema Speicherung angehen“, sagte Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD). „Der Untergrund in Niedersachsen mit den Möglichkeiten der Kavernen in Salz ist dafür ideal.“

Bei den Stadtwerken Hannover, die in Empelde einen Gasspeicher betreiben, verfolgt man die EWE-Pläne mit Zurückhaltung. „Wir beobachten das mit Interesse“, sagte ein Unternehmenssprecher. Aktuell gebe es für Empelde aber keine alternative Nutzungsabsicht.

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