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Niedersachsen Ehrenamtliche helfen bei Problemen im Krankenhaus
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19:21 22.10.2017
Von Gabriele Schulte
Im Krankenhaus kümmern sich neuerdings Obleute um die Bedürfnisse der Patienten - eine der Folgen des Skandals um den „Todespfleger“ Niels Högel.   Quelle: Angelika Warmuth / dpa
Hannover

Jedes Krankenhaus muss seinen Patienten einen Fürsprecher zur Seite stellen - das sieht seit Anfang 2016 das niedersächsische Krankenhausgesetz vor. Mit 285 Ehrenamtlichen ist diese Aufgabe mittlerweile erfüllt, wie der Landespatientenschutzbeauftragte Peter Wüst in einer Zwischenbilanz feststellt: „Nur hin und wieder gibt es eine kurzfristige Lücke.“ Am Dienstag kommen die Patientenfürsprecher in Hannover zusammen, um über Probleme und Perspektiven zu sprechen.

Sprechstunden für Patienten

Die Ehrenamtlichen bieten in der Regel ein- oder zweimal wöchentlich in der Klinik Sprechstunden für Patienten und Angehörige an. Manche machen zusätzlich Rundgänge auf den Stationen, viele nehmen regelmäßig an Gesprächsrunden der Ärzte und Pfleger teil. So unterschiedlich wie die Herangehensweise ist der persönliche Hintergrund. Die Palette reicht vom früheren Notfallseelsorger bis zum pensionierten Berufsschullehrer.

Renate Petersen aus Cuxhaven hat zuvor schon als ehrenamtliche sogenannte Grüne Dame regelmäßig Krankenhauspatienten besucht. „Auch jetzt als Patientenfürsprecherin reicht es manchmal schon, wenn man nur zuhört“, meint die 70-Jährige. Seit sie Fürsprecherin ist, sei die Klinik ihr gegenüber auskunftspflichtig, ihre Anregungen träfen auf offene Ohren. Der Umgang mit den Patienten mache viel Freude, sagt Petersen: „Es wird auch gelobt, nicht nur gemeckert.“ Oft gehe es Patienten aber auch darum, eine Behandlung vom Arzt näher erläutert zu bekommen. Sie vermittele dann.

Kommunikationsschwierigkeiten sind vielerorts Thema. Das berichtet der frühere Oberstaatsanwalt Hans-Jürgen Mahnkopf in Hannover, der auch dem Bundesvorstand der Patientenfürsprecher angehört. Gut wäre seiner Ansicht nach, wenn Mediziner nachfragen würden, ob alles verstanden wurde. „Und warum müssen Ärzte eigentlich stehen?“, hätten sich Patienten erkundigt, die sich von oben herab behandelt fühlten. Mahnkopf trug die Kritik an die Ärzte weiter. „Das wird jetzt zum Teil beherzigt“, sagt der Patientenfürsprecher.

Nicht alle Bundesländer haben Kliniken verpflichtet, Ehrenamtliche zu finden, die sich parteilich für Patienten einsetzen - und den Fürsprechern und Stellvertretern eine Aufwandsentschädigung zu zahlen. Auslöser in Niedersachsen war die Mordserie des 2015 in Oldenburg zu lebenslanger Haft verurteilten Krankenpflegers Niels Högel, der Krankenhauspatienten reihenweise ein Herzmedikament in Überdosis gespritzt hatte.

Tatsächlich macht der Pflegebereich - neben langen Wartezeiten in Notfallambulanzen - Klinikpatienten die wohl größten Sorgen. Es geht um zu wenig Kräfte und damit zu wenig Zeit. „Die Pflege ist total unterbesetzt, weil die Kliniken kein Personal finden“, sagt Fürsprecher Thomas Fiedler in Alfeld (Kreis Hildesheim). „Da könnte etwas sehr schnell kippen.“ Auch Mahnkopf in Hannover meint: „Die Kluft zwischen der Zahl der Ärzte und der des Pflegepersonals wird immer größer.“

Sozialverband ist zufrieden

Oft sind es indes kleinere Sorgen, die den Patientenalltag trüben. „Der Klassiker ist das Essen“, erzählt Fiedler. Mal sei eine Diätvorschrift nicht wie besprochen beachtet worden, mal klagten Patienten über zu wenig Obst oder zu kalten Kaffee. Zufrieden zeigt sich der Sozialverband SoVD, der die Ehrenamtlichen aus dem ganzen Land in Kurzseminaren geschult hat. Nach schleppendem Beginn seien die Kliniken flächendeckend aktiv, lobt eine Sprecherin in Hannover: „Nun muss es Weiterbildungen geben.“

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