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Niedersachsen Emder Schiffbau 
steht vor dem Aus
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Emder Schiffbau 
steht vor dem Aus
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19:33 09.09.2009
Die Aussicht für die Mitarbeiter der Nordseewerke in Emden ist getrübt.
Die Aussicht für die Mitarbeiter der Nordseewerke in Emden ist getrübt. Quelle: ddp (Archiv)
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Der Investor Siag Schaaf will die traditionsreiche Werft der Emder Nordseewerke kaufen und den Schiffbau durch die Produktion von Offshore-Windanlagen ersetzen. Rund die Hälfte der nun 1400 Arbeitsplätze würde wegfallen. Arbeitnehmervertreter äußerten sich am Mittwoch besorgt über den Verkauf. Sie forderten, den Schiffbau in Emden nicht komplett aufzugeben und möglichst alle Arbeitsplätze zu erhalten.

„Wir können uns Emden ohne Großwerft nicht vorstellen“, sagte der Emder CDU-Bundestagskandidat Reinhard Hegewald. Die Nordseewerke seien der zweitgrößte Arbeitgeber in Emden nach Volkswagen: „Der Wegfall würde eine riesige Lücke entstehen lassen.“ Das Wirtschaftsministerium in Hannover kündigte Unterstützung an. Es werde zwar begrüßt, dass mit dem Einstieg in die Produktion von Offshore-Windanlagen ein neues Standbein entstehe. „Das ersetzt aber nicht den Werftenstandort Emden“, sagte ein Behördensprecher.

Nach Angaben von Siag Schaaf soll die Übernahme der Nordseewerke bereits zum 1. Oktober erfolgen. Bis 2011 soll es schließlich zu einem kompletten Stopp der U-Boot-Fertigung und der Konzentration auf die Produktion von Windkraftanlagen kommen. In Zukunft sollen nur noch Reparatur- und Instandhaltungstätigkeiten im Schiffbau durchgeführt werden. Ziel ist es, etwa 100 Windtürme pro Jahr zu fertigen.

Fritz Niemeyer, Betriebsratschef der Nordseewerke, sieht in dem Verkauf auch eine Chance. Es sei wichtig, in den Offshore-Bereich einzusteigen: „Der Containerschiffbau ist eng geworden. Wir brauchen also ein neues Standbein.“ Allerdings wehre er sich gegen die komplette Aufgabe des Schiffbaus in Emden. Viele der qualifizierten Werftarbeiter seien „schockiert“. „Die Leute fühlen sich verarscht“, erklärte der Betriebsratschef. Es gehe nun darum, für den Erhalt aller Arbeitsplätze zu kämpfen.

Laut IG Metall ist der Verkauf noch nicht endgültig beschlossen. „Es gibt eine Absichtserklärung. Aber zunächst muss der Aufsichtsrat noch zustimmen“, sagte der Bevollmächtigte der IG Metall Emden, Wilfried Alberts. Die Aufsichtsratssitzung ist derzeit für den 18. September vorgesehen. Die Arbeitnehmerseite will sich nun intensiv auf Gespräche vorbereiten. An einem in ganz Norddeutschland stattfindenden Aktionstag der IG Metall wollen die Beschäftigten zudem am heutigen Donnerstag zu einer außerordentlichen Betriebsversammlung zusammenkommen.

Die 1903 gegründeten Nordseewerke gehören zu den größten und ältesten Marinewerften in Deutschland. Sie waren 1974 von der Thyssen AG übernommen worden. Ab 1976 firmierte die Werft unter Thyssen Nordseewerke GmbH. In der Werft werden laut Unternehmensangaben vor allem U-Boote, Überwassermarineschiffe, Handelsschiffe und Sonderschiffe gebaut. Die Wirtschaftskrise hatte zu einem Auftragsrückgang bei den Nordseewerken geführt. In einigen Bereichen herrscht Kurzarbeit.

ddp