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Niedersachsen Ende des Sponsorings der Reederei lässt viele bangen
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Ende des Sponsorings der Reederei lässt viele bangen
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09:18 03.04.2011
Die angeschlagene Bremer Reederei Beluga hat für einen Teil des Unternehmens Insolvenz beantragt.
Die angeschlagene Bremer Reederei Beluga hat für einen Teil des Unternehmens Insolvenz beantragt. Quelle: dpa
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Millionen flossen jährlich von der Bremer Reederei Beluga und vom Gründer Niels Stolberg an kulturelle und soziale Einrichtungen. Und auch Sportvereine durften sich über teils großzügige Unterstützung freuen. Doch mit dem Zusammenbruch des Firmenimperiums mit einem verzweigten Netz von Tochtergesellschaften stehen viele Einrichtungen vor finanziellen Problemen, manche haben bereits Insolvenz beantragt.

Dazu gehört das Künstlerhaus Spiekeroog. Zwar hat das Haus nach der Winterpause pünktlich am 1. April wieder geöffnet, doch ob es ohne Zuschüsse auskommen wird, bleibt offen. „Wir hoffen, dass wir weiterbestehen können und werden alles dafür tun“, sagt eine Sprecherin der Einrichtung. Einige Mitarbeiter hätten mit Beginn der Krise gekündigt. Nun hat das Haus künftig montags geschlossen.

Stolberg hatte das Künstlerhaus für mehrere Millionen Euro bauen lassen. 2007 wurde es eröffnet. Es ist nicht sein einziges Engagement auf der Nordseeinsel, mehrere Hotels und Restaurants zählen dazu. „Wir sind in Sorge, haben aber keine Panik“, sagt Insel-Bürgermeister Bernd Fiegenheim (Wählergemeinschaft „Auf Spiekeroog“). Knapp 300 der rund 3500 Gästebetten gehören Stolberg. „Noch sind für uns keine Auswirkungen erkennbar“, sagt Fiegenheim. Stolbergs Engagement ist auf der Insel seit Jahren umstritten. Nun gebe es auch Insulaner, die es gut fänden, dass es zu Ende sei, meint der Bürgermeister.

Auch der Landkreis Wesermarsch ist betroffen. Am 1. Mai soll das Maritime Sicherheitszentrum in Elsfleth den Betrieb aufnehmen. Dass Gebäude ist fertig. Eigentümer ist die Gesellschaft MCV. „Als Privatperson steht Stolberg dahinter“, sagt der erste Kreisrat Hans Kemmeries. In das 12-Millionen-Euro-Projekt hat das Land 7 Millionen Euro gesteckt. Betreiber sollte die Beluga-Tochtergesellschaft Bota sein, die inzwischen Insolvenzantrag gestellt hat. „Es ist eine einmalige Einrichtung“, sagt Kemmeries. Das Projekt müsse einfach gelingen. Mit Stolberg habe es trotz mehrfacher Versuche noch keinen Kontakt gegeben.

Die Handballerinnen vom VfL Oldenburg profitierten ebenfalls von Beluga. Neben dem Energieversorger EWE ist Beluga Offshore Hauptsponsor. Die Erstliga-Mannschaft bangt nun um die wirtschaftliche Rettung und den Verbleib in der Handball-Bundesliga. „Die Spielerinnen sind bereit, erhebliche finanzielle Einbußen in Kauf zu nehmen. Damit hätte ich niemals gerechnet“, sagt VfL-Präsident Günther Bredehorn auf der Homepage des Clubs.

Fußball-Bundesligist Werder Bremen hat dagegen inzwischen von sich aus die Reißleine gezogen und den Vertrag mit dem Top-Sponsor Beluga gekündigt. Im Heimspiel am Samstag gegen den VfL Stuttgart gab es keine Werbung mehr für die Bremer Reederei.

Einen kleinen Hoffnungsschimmer gibt es, dass der Name Beluga nicht ganz verschwindet wie Ende der 90er Jahre die Bremer Vulkan Verbund AG nach ihrer Pleite. Am Montag soll das Kerngeschäft, der Transport von Ladung, wieder aufnommen werden. Der vorläufige Insolvenzverwalter Edgar Grönda sieht darin einen ersten Baustein: „Ich hoffe, dass sich daraus was entwickelt.“

Etwa 15 direkt zur Beluga-Flotte gehörende Schiffe sollen zunächst ihre Reisen beenden und auch neue Ladung soll verschifft werden. Die Finanzierung sei gesichert, sagt Grönda. Es gebe mit dem US-Finanzinvestor Oaktree, mit 49,5 Prozent Hauptanteilseigner der Beluga, eine Absichtserklärung. Gleichzeitig schließt er nicht aus, dass noch weitere Insolvenzanträge folgen.

dpa