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Niedersachsen Zu wenig Höhepunkte bei der WM
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Zu wenig Höhepunkte bei der WM
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07:13 01.07.2014
Von Jens Heitmann
Foto: Beate Uhse leidet unter der Konzentration auf die WM.
Beate Uhse leidet unter der Konzentration auf die WM. Quelle: dpa
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Hannover

Wenn Tore Theoretiker widerlegen, ist das für Letztere nicht schön. Guter Fußball und fleischliche Gelüste schlössen einander aus, befand Mexikos Trainer Miguel Herrera und verbot seinen Mannen entsprechende Freuden nicht nur im Essensaal, sondern auch auf ihren Zimmern. Im Achtelfinale durfte er sich bis kurz vor dem Schlusspfiff bestätigt fühlen – dann schossen die Holländer noch zwei späte Tore. An der Erkenntnis sei aber trotzdem etwas dran, meint einer ihrer Landsleute: „Viele Paare haben während der WM deutlich weniger Sex“, sagt Serge van der Hooft.

Als Chef des Erotikhändlers Beate Uhse ist das für ihn allerdings eher ein praktisches Problem: Wer bei einem Kracher wie Costa Rica gegen Griechenland zu lange auf einen Höhepunkt warten muss, fällt eben eher müde ins Bett als übereinander her – auch mit Blick aufs Geschäft sei das unbefriedigend, sagt van der Hoft. Also versucht er in diesen Tagen viel, um die Erlöse nach oben zu treiben. „11 Jungs, 11 Profis, 11 Sieger“ heißen etwa spezielle Spielzeuge, die den Mann für die Frau entbehrlich machen; in den niederländischen Filialen hängt ein knappes Kleidchen in „Oranje“, das den Partner auf andere Gedanken bringen soll.

Frauen als Zielgruppe nähert sich das Unternehmen nicht erst, seit in Brasilien der Ball rollt – sie sind die letzte Hoffnung. Die angejahrten Filialen mit ihren Regalen voller Pornofilme und den schmuddeligen Videokabinen hatte diese längst hinter sich: Wer sich kostenlos und anonym im Internet bedienen kann, muss nicht mehr in den Laden kommen. Die Flensburger zogen die Konsequenzen und schlossen zwei Drittel ihrer einst 300 Geschäfte. „Wir mussten uns komplett neu orientieren“, sagt van der Hooft.

Holzfußböden und weiß getünchte Wände senkten die Eintrittsschwelle für Frauen, auch das Sortiment wandelte sich. Offenbar mit Erfolg – 70 Prozent der Kundschaft sind heute weiblich, der Onlineversand legt zu. Für die Beate Uhse AG zahlt sich das aus: Im vergangenen Jahr schrieb man zum ersten Mal seit vier Jahren wieder schwarze Zahlen. Die Aktie aber hängt weiter durch und ist weniger als einen Euro Wert – rund 90 Prozent weniger als beim Höchstkurs unmittelbar nach dem Börsengang 1999.

In dieser Lage Käufer für eine Anleihe zu suchen, war für van der Hooft daher ähnlich risikoreich wie ein Dribbling seines Landsmannes Arjen Robben. Am Ende aber sind beide belohnt worden – erst der Stürmer mit dem entscheidenden Elfmeter gegen die enthaltsamen Mexikaner, dann der Beate-Uhse-Chef   mit 30 Millionen Euro: Die mit 7,75 Prozent verzinste Anleihe war am Montag gleich nach dem Zeichnungsbeginn schon ausverkauft.

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