Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Niedersachsen Erstmals Wiederbelebung von Bergwerk geplant
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Erstmals Wiederbelebung von Bergwerk geplant
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:42 14.03.2011
Anzeige

Etwas Derartiges hat es bisher noch nicht gegeben: In Niedersachsen soll erstmals nach dem Zweiten Weltkrieg ein stillgelegtes großes Bergwerk wieder in Betrieb genommen werden. Der Düngemittelproduzent K+S AG (Kassel) prüft derzeit mit großem Aufwand, ob in dem 1987 geschlossenen Kalibergwerk Siegfried-Giesen im Landkreis Hildesheim schon bald wieder wertvolle Salze ans Tageslicht gefördert werden können. Im Gespräch sind Investitionen in Höhe von rund 500 Millionen Euro und bis zu 700 neue Arbeitsplätze.

Eine Machbarkeitsstudie, an der rund 50 Fachleute arbeiten, werde bis zum Sommer dieses Jahres abgeschlossen sein, sagte Projektleiter Johannes Zapp am Montag in Bad Salzdetfurth. Voraussichtlich im Herbst werde dann die Unternehmensleitung von K+S eine Entscheidung über die Reaktivierung des Bergwerks fällen.

Er gehe fest davon aus, dass die Entscheidung „Ja“ lauten wird, sagte Zapp. In diesem Fall werden dann von 2018/19 an in Giesen pro Jahr mehr als zwei Millionen Tonnen Kali gefördert und vor Ort zu hochwertigen Düngemitteln für den Acker- und Gartenbau verarbeitet. Der Zeitpunkt wäre günstig. Denn gegen Ende dieses Jahrzehnts wird die Kapazität von „Sigmundshall“ am Steinhuder Meer, des derzeit einzigen Kalibergwerkes von K+S in Niedersachsen, erschöpft sein. Die Lagerstätte in Giesen reiche für eine Förderung von mindestens 20 Jahren Dauer.

Geologen von K+S haben allerdings konkrete Anhaltspunkte dafür, dass unter Giesen in einer Tiefe von 400 bis zu rund 2000 Metern noch sehr viel mehr als die bisher bekannten 50 Millionen Tonnen Kalisalz lagern. Sie gehen deshalb von einer Förderdauer von etwa 40 Jahren aus.

Um das Rohsalz zu Düngemitteln zu verarbeiten, solle in Giesen das weltweit modernste Kaliwerk errichtet werden, sagte Zapp. Es werde energiesparend und emissionsarm arbeiten. Rund 70 Prozent des Abraums werde wieder unter Tage verfrachtet. Der Rest kommt auf Halde. Dabei denkt man bei K+S über eine neuartige Halden-Form nach. Sie soll flacher sein als herkömmliche Halden und bereits bei laufendem Betrieb rekultiviert werden.

Insgesamt könnten in Giesen bis zu 700 neue Arbeitsplätze entstehen, etwa jeweils zur Hälfte unter und über Tage, sagte Projektleiter Zapp. Das Investitionsvolumen werde bei rund 500 Millionen Euro liegen. In dieser Summe seien die Kosten für die Wiederinbetriebnahme des Bergwerks, den Bau der neuen Produktionsanlagen und der gesamten Verkehrsinfrastruktur enthalten.

dpa