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Niedersachsen Euro-Krise erreicht Hannover
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Euro-Krise erreicht Hannover
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19:47 15.06.2012
Von Lars Ruzic
Foto: Mischungsproduktion bei Continental in Stöcken: Der Ausstoß wird um 30 Prozent zurückgefahren.
Mischungsproduktion bei Continental in Stöcken: Der Ausstoß wird um 30 Prozent zurückgefahren. Quelle: Rainer Surrey
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Hannover

Die Euro-Krise sorgt seit Monaten für Absatzrückgänge auf dem europäischen Automarkt. Zuletzt beschleunigte sich der Abschwung, weil auch der deutsche Automarkt ins Minus drehte. Im Mai wurden in Westeuropa noch 1,1 Millionen Fahrzeuge verkauft - das sind 9 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Abgesackt sind vor allem die großen Automärkte Frankreich (minus 16 Prozent) und Italien (minus 14 Prozent). Aber auch in Deutschland wurden im Mai gut 5 Prozent weniger Autos verkauft. Lediglich in Großbritannien zeigen die Verkäufe wieder nach oben.

Die Flaute in ihren Heimatmärkten trifft vor allem die Autobauer in der Mittelmeerregion: Peugeot-Citroën, Renault, Fiat und Seat leiden unter zweistelligen Absatzeinbrüchen. Opel und Ford sind in ähnlich großem Ausmaß betroffen. Im Volkswagen-Konzern fällt das Minus im Mai mit 6 Prozent noch vergleichsweise niedrig aus - was allerdings vor allem weiteren Zuwächsen bei Audi zu verdanken ist. Die Marke VW Pkw büßte im Mai mehr als 8 Prozent ein und lag dabei nur noch minimal besser als die Branche insgesamt.

Derartige Rückgänge bleiben nicht ohne Folgen bei den Zulieferern. Die Zahl der Produktabrufe durch die Autobauer geht zurück, die Auslastung sinkt. Der US-Konzern Johnson Controls musste bereits Kurzarbeit für sein Autobatteriewerk in Hannover-Marienwerder beantragen. Rund 170 der 750 Produktionsmitarbeiter seien davon betroffen, sagte eine Sprecherin. Sie würden je nach Auftragslage einige Tage im Monat daheim bleiben. Die Hannoveraner waren von einem „aggressiven Wachstum“ so genannter Start-Stopp-Batterien ausgegangen, welche in Autos eingebaut werden, die sich bereits bei kurzem Halt von allein aus- und wieder anschalten. Durch die Flaute in Westeuropa sei das Wachstum allerdings weniger stark ausgefallen als gedacht, so die Sprecherin. Mit der noch bis Ende Juli angesetzten Kurzarbeit habe man rund 6 Prozent der Produktionsvolumina eingespart.

Sogar um gut 30 Prozent muss Continental die Produktion von Kautschukmischungen zusammenstreichen. Die Reifenverkäufe in Europa seien rückläufig, mehrere Conti-Werke hätten deshalb ihren Bedarf an dem Vormaterial aus Stöcken zusammengestrichen, heißt es in einem gestern verteilten Brief von Fabrikleitung und Betriebsrat. „Wenn mehrere Reifenwerke ihre Bestellungen um eine kleine Menge reduzieren, summiert sich das bei uns zu einer größeren Menge, und wir haben einen entsprechend heftigen Auftragsrückgang“, schreiben der Chef der Vormaterialfabrik, Martin Gonschior, und der Stöckener Betriebsratsvorsitzende Michael Deister.

Bislang lief die Mischungsproduktion für den Mutterkonzern und externe Kunden an sieben Tagen in der Woche rund um die Uhr. Zunächst werde man nun die Wochenendschichten herausnehmen und statt in vier in drei Gruppen arbeiten - was durch die Arbeitszeitkonten abgefangen werden könne. Auf studentische Aushilfen werde in der Urlaubszeit verzichtet. Die Zukunft der Leiharbeiter soll sich erst im August entscheiden. Zur Vormaterialfabrik zählen rund 450 der 3200 Beschäftigten in Stöcken.

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