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Niedersachsen Bahlsen verschlankt die Zentrale
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Bahlsen verschlankt die Zentrale
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00:15 05.12.2013
Von Lars Ruzic
Folgenreiche Umstrukturierung: Das Familienunternehmen Bahlsen will sich 2014 eine Holdingstruktur geben. Quelle: Körner
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Hannover

Davon wird vor allem das hannoversche Stammhaus betroffen sein, wo Stellen wegfallen könnten. Gleichzeitig soll die Marke Bahlsen komplett neu aufgestellt und profitabler gemacht werden.
Ziel des Projekts „Bahlsen 2016“ sei es, die Rendite des Konzerns zu steigern – „nicht, um die Familie reicher zu machen, sondern um das Unternehmen zu stärken“, sagte Bahlsen-Geschäftsführer Sönke Renk der HAZ. Bahlsen müsse mehr Gewinn erwirtschaften, um die nötigen Investitionen für die Expansion im Ausland finanzieren zu können. Das Unternehmen müsse mittelfristig zu einem namhaften Spieler auf den Wachstumsmärkten der Welt avancieren, sagte Renk. Dafür seien allein für die Werbung gewaltige Mehrausgaben nötig. Bahlsens Profitabilität hielt sich bisher in engen Grenzen – zuletzt bei gut 2 Prozent Gewinn vom Umsatz.

„Wir müssen die internationale Präsenz ausbauen“, sagte Renk. Derzeit erschließe sich Bahlsen vor allem den Mittleren Osten, mittelfristig solle aber auch China kein Nischenmarkt bleiben. Bislang ist das hannoversche Traditionshaus nur auf wenigen europäischen Märkten wirklich relevant. Neben Deutschland, wo immer noch gut die Hälfte des Umsatzes von zuletzt 528 Millionen Euro erzielt werden, zählen dazu Österreich, Polen, Italien, Großbritannien und Frankreich. Auf diesen Märkten seien die Wachstumsmöglichkeiten jedoch begrenzt, erklärte Renk. Gleichzeitig werde der Wettbewerb immer schärfer – weil Nahrungsmittelriesen wie Mondelez (Ex-Kraft) und Oetker ins Bahlsen-Kerngeschäft drängten.

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Grundlegende Überarbeitung der Kernmarke

Im Zuge der Dezentralisierung sollen die einzelnen Ländergesellschaften, von denen es bisher acht gibt, deutlich mehr Kompetenzen bekommen – etwa für Produktion, Vertrieb und Marketing, teils sogar für die Entwicklung. „Wir müssen das Operative stärker vom Strategischen trennen“, forderte Renk. Heute beschäftige sich die Zentrale noch zu sehr mit dem Tagesgeschäft. Es gebe zu viele Abstimmungsprozesse und Interessenskollisionen.

Künftig werde ein Großteil der Beschäftigten im Stammhaus zur Deutschland-Tochter gehören, kündigte der Vertriebschef an. Andere Bereiche wiederum werden komplett in die Werke verlegt – etwa die Technik mit rund 30 Beschäftigten. Auch die Logistik in Langenhagen berichtet künftig an den Deutschland-Chef. Insgesamt beschäftigt Bahlsen 2450 Mitarbeiter, davon gut 850 in Hannover, Langenhagen und in dem größten Werk Barsinghausen.

Der goldene Keks der Firma Bahlsen bei der Restaurierung bei Sonja Toppe in Worpswede.

Im kommenden Jahr will der Kekskonzern zudem seine Kernmarke grundlegend überarbeiten. „Bahlsen muss zeitgemäßer und emotionaler werden“, umschrieb es Renk. Die Marke müsse weg vom „Oma-kommt-zu-Besuch-Image“. Im Frühjahr will das Unternehmen mit neuem Logo, kleineren Portionspackungen und neun neuen Produkten auf einen Schlag die Wende schaffen. Unter der Urmarke des Konzerns erwirtschaften im Inland heute gut 40 Produkte nicht einmal mehr 45 Millionen Euro Umsatz. Vier Fünftel entfallen auf Leibniz und das Handelsmarkengeschäft im Auftrag von Aldi und Co.

Renk will das klassische Sortiment bereinigen, dafür aber Neuheiten im „Snacking-Segment“ auf den Markt bringen – mit Verpackungen, die es erleichtern, zwischendurch nur einige wenige Kekse zu naschen. Gleichzeitig soll es eine Linie geben, die dem gestiegenen Bewusstsein nach gesunder Ernährung nachkommt. „In drei, vier Jahren wird das Sortiment der Marke Bahlsen mit dem heutigen nicht mehr viel zu tun haben“, sagte der 48-Jährige. Das wird auch für das Bahlsen-Logo gelten – es soll weiterhin die stilisierte Handschrift des Gründers beinhalten. Die TET-Hieroglyphe für „ewig lebend“ wird nach 90 Jahren jedoch abgeschafft.

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