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Niedersachsen Firma Heitmüller in Hannover ist insolvent
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Firma Heitmüller in Hannover ist insolvent
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19:24 02.08.2010
Von Dirk Stelzl
„Der Druck wird immer größer“: Heitmüller Sanitärtechnik muss Insolvenz anmelden.
„Der Druck wird immer größer“: Heitmüller Sanitärtechnik muss Insolvenz anmelden. Quelle: Rainer Surrey
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Am Ende seiner beruflichen Laufbahn erlebt der hannoversche Handwerkskammer-Präsident Walter Heitmüller noch einmal schwierige Zeiten. Seine Sanitärtechnikfirma in Hannover hat Insolvenz angemeldet, wie Heitmüller am Montag bestätigte. Monatelang habe er mit sich gerungen – doch dann sei ihm keine andere Wahl geblieben. Vorläufiger Insolvenzverwalter ist der hannoversche Rechtsanwalt Helge Wachsmuth.

Das im Jahr 1861 von seinem Urgroßvater gegründete Unternehmen schreibe schon länger Verluste, erklärte Heitmüller, der nun um sein Lebenswerk bangen muss, statt sich auf die Feier des 150-jährigen Firmenbestehens zu freuen.

Vor allem Konkurrenten aus Ostdeutschland mit geringeren Lohnkosten machten der Firma zu schaffen. „Das Geschäftsmodell, mit dem die GmbH jahrzehntelang erfolgreich war, trägt nicht mehr“, sagte Heitmüller. In den Geschäftsfeldern, in denen die Walter Heitmüller Sanitärinstallation GmbH tätig ist, werde der Wettbewerb oftmals von Anbietern aus den neuen Bundesländern dominiert. Das Lohngefälle könne sein Betrieb nicht ausgleichen. „Der Druck wird immer größer.“

Um einen Teil der Mitarbeiter zu beschäftigen, habe er auch nicht kostendeckende Aufträge angenommen – immer in der Hoffnung, am Markt werde wieder „Normalität“ einkehren. „Diese Situation hat zur Auszehrung der Firma geführt“, sagte Heitmüller. Man habe reagieren und pflichtgemäß einen Insolvenzantrag stellen müssen, damit es nicht zur Überschuldung komme.

Der Betrieb laufe unterdessen weiter. Nicht von der Insolvenz betroffen sind den Angaben zufolge die Einzelfirma Walter Heitmüller Sanitär und Heizungsbau sowie die Heitmüller Haustechnik GmbH, mit denen der Unternehmer in kleinem Stil weitermachen will.

Die insolvente Heitmüller Sanitärinstallation GmbH hat noch 26 Mitarbeiter. Manche der Beschäftigten gehören schon seit 20 Jahren oder länger zur Belegschaft. Er könne fast alle Mitarbeiter des Betriebes bei anderen Unternehmen unterbringen, betonte Heitmüller. Mehrere „Kollegenbetriebe“ hätten Interesse an einer Übernahme von Beschäftigten. „Es fällt keiner in ein tiefes Loch.“ Mit ein paar Mitarbeitern will die Firma weiter den Kundendienst anbieten und sich um langjährige Kunden kümmern.

Wie viele andere Handwerksmeister hatte auch der Kammerpräsident seit Längerem einen Nachfolger für seinen Betrieb gesucht – ohne Erfolg. Seine Kinder haben in anderen Berufen Fuß gefasst und sind deshalb an einer Weiterführung nicht interessiert gewesen. Angesichts der schwierigen Lage dürfte es zuletzt nicht leichter geworden sein, einen Käufer für den recht großen Betrieb zu finden.

Seinen Posten als Präsident der Handwerkskammer will Heitmüller trotz der Insolvenz behalten. Er steht seit 1994 an der Spitze der Kammer, die mehr als 17.000 Mitgliedsbetriebe mit 106.000 Beschäftigten betreut. Erst im vergangenen Jahr war der Gas- und Wasserinstallateurmeister für eine weitere Amtszeit wiedergewählt worden.

Die Traditionsfirma hat sich auf Gas- Wasser- und Abwasserinstallationen, sanitäre Anlagen, Bädertechnik, Feuerlöschanlagen sowie Gasheizungsbau oder Laboreinrichtungen spezialisiert. Unter anderem war sie für die sanitären Installationen im „Businesspark“ von Hannover 96 an der AWD-Arena sowie für die Sanitärtechnik im Allgemeinen Krankenhaus Celle und in der Halle 2 auf dem hannoverschen Messegelände zuständig.