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Niedersachsen Firmen betrügen Prothesenhersteller Otto Bock um Millionen
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Firmen betrügen Prothesenhersteller Otto Bock um Millionen
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13:18 06.06.2013
Das Familienunternehmen Otto Bock aus Duderstadt entwickelt intelligente Prothesen.
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Der Schaden des Weltmarktführers für Prothesen ist siebenstellig: Für mindestens zehn Millionen Euro haben drei Handwerksunternehmen aus dem Untereichsfeld über sechs Jahre lang falsche, überzogene oder doppelte Rechnungen ausgestellt, dafür kräftig kassiert und einem leitenden Mitarbeiter des Familienunternehmens Otto Bock in Duderstadt mit jeweils zehn Prozent Provision bestochen. Jetzt sitzt einer der Handwerker in Haft. Der Bestochene, ein 49 Jahre alter Mitarbeiter der Bauabteilung, ist gefeuert worden und hat ein Geständnis abgelegt.

Aufgeflogen ist der Bestechungsskandal bei einer Routineprüfung des Finanzamtes. Hohe Summen in den Büchern eines Heizungs- und Lüftungsunternehmens, die an den Otto-Bock-Mitarbeiter privat ausgezahlt wurden, ließen sich nicht erklären. Schließlich schaltete das Finanzamt die Schwerpunkt-Staatsanwaltschaft für Korruption und Wirtschaftskriminalität in Braunschweig ein. Ende Oktober wurden Fahnder in Duderstadt vorstellig und unterbreiteten Firmenchef Hans Georg Näder den Verdacht.

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Man sei schockiert gewesen, dass ein langjähriger Mitarbeiter an einer Schnittstelle des Familienunternehmens das Vertrauen über Jahre ausgenutzt habe, sagte gestern auf Anfrage die Syndikus-Anwältin von Otto Bock, Regina Thums. Der Verdächtige sei sofort gekündigt worden. Unter anderem weil er ein Geständnis abgelegt habe, so Klaus Ziehe, Sprecher der Staatsanwaltschaft, sei der 49-Jährige inzwischen auf freiem Fuß.

Anders ergeht es einem der Verantwortlichen der Lüftungsbaufirma aus einem Ortsteil Duderstadts. Weil es Hinweise darauf gebe, dass der 76-Jährige erhebliche Summen beiseitegeschafft haben könne, bestehe Fluchtgefahr. Seit Ende Oktober sitzt der Mann in Untersuchungshaft.

Jürgen Gückel