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Niedersachsen Flüchtlinge sollen schneller Jobs bekommen
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Flüchtlinge sollen schneller Jobs bekommen
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00:19 25.04.2015
Von Heiko Randermann
In der neuen Heimat: Das Land Niedersachsen und die Arbeitsagentur wollen Flüchtlinge schneller in den Arbeitsmarkt vermitteln. Quelle: Ingo Wagner
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Hannover

 Bis zu 33 000 Flüchtlinge werden in diesem Jahr in Niedersachsen erwartet. Viele sind bei ihrer Ankunft arm, weil sie ihren Besitz bei der Flucht zurücklassen mussten, doch nicht wenige bringen eine gute Ausbildung mit. Mit einem bundesweit einzigartigen Projekt will das Land Niedersachsen zusammen mit der Bundesagentur für Arbeit Asylbewerber schneller in den Arbeitsmarkt bringen. Das soll den Flüchtlingen helfen, aber auch ein Mittel gegen den Fachkräftemangel sein.

Acht Berater der Agentur für Arbeit werden ab Juni auf die vier Erstaufnahmeeinrichtungen des Landes verteilt. Das Land zahlt für zunächst ein Jahr die Beraterkosten zur Hälfte und die Dolmetscherkosten vollständig. Dafür gebe das Wirtschaftsministerium eine Million Euro aus, sagte Staatssekretärin Daniela Behrens (SPD). Die Berater sollen prüfen, inwiefern die Asylsuchenden für den Arbeitsmarkt interessant sein könnten. Dafür würden zunächst drei Fragen geklärt, sagte Klaus Stietenroth, Chef der Arbeitsagentur in Niedersachsen und Bremen: Ist der Flüchtling erwachsen? Hat er eine Berufsausbildung oder einen Hochschulabschluss? Und woher kommt der Asylbewerber?

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„Wir wollen diejenigen Flüchtlinge ins Programm nehmen, die eine hohe Bleiberechtsperspektive haben“, sagt Raimund Becker, Vorstandsmitglied der Bundesagentur für Arbeit. Das betrifft zum Beispiel Flüchtlinge aus den Kriegsgebieten in Syrien und dem Nordirak. So gut wie keine Aussicht auf Anerkennung ihres Asylantrags haben dagegen Bürger von Balkanstaaten, die knapp die Hälfte aller Flüchtlinge in Deutschland ausmachen.

Wenn die ersten Fragen positiv beantwortet sind, gibt es ein „Perspektivgespräch“, bei dem erörtert wird, welche verwertbaren Qualifikationen der Asylbewerber hat. „Jeder fünfte Asylsuchende hat einen Hochschulabschluss, weitere 30 Prozent eine Facharbeiterausbildung“, sagt Behrens. Vor allem aus Syrien würden viele Hochqualifizierte fliehen, bestätigt Becker: „Es kommen Menschen über das Asylverfahren zu uns, die auch über das Blue-Card-System einreisen könnten.“ Vor allem bei Metall- und in Pflegeberufen gebe es großen Bedarf an Fachkräften.

Schwierigkeiten machten allerdings die oft mangelhaften Sprachkenntnisse der Asylbewerber. „Ohne Sprache läuft nichts“, sagt Becker, und fordert mehr Engagement des Staats beim Ausbau der Sprachkurse. Am Ende entscheiden dann die Ausländerbehörden über eine Arbeitserlaubnis, und die Jobcenter vor Ort helfen bei der Vermittlung. Die ganze Idee sei flexibel gehalten, um bei Bedarf nachsteuern zu können, sagt Stietenroth: „Wir betreten hier Neuland“, sagt der Regionalchef der Arbeitsagentur. „Wenn es sich bewährt, kann man überlegen, es auszuweiten.“

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