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Niedersachsen Frank Pörschmann: „Die CeBIT wird wieder wachsen“
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Frank Pörschmann: „Die CeBIT wird wieder wachsen“
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12:02 03.09.2010
Frank Pörschmann ist seit Mai als Bereichsleiter der Deutschen Messe AG für die Geschicke der CeBIT in Hannover verantwortlich. Der gebürtige Hamburger studierte Medienwirtschaft, ist Diplom-Ingenieur für Nachrichtentechnik und arbeitete als Hörfunkjournalist in Nordrhein-Westfalen. Zuletzt war Pörschmann bei IBM in der Dienstleistungssparte für Geschäfte mit internationalen Kunden aus der Mobilfunk-, Online- und Medienindustrie verantwortlich. Bei der Messe soll der 41-Jährige nun die Neuausrichtung der CeBIT vorantreiben. Quelle: Rainer Surrey
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Herr Pörschmann, Sie sollen der CeBIT den Glanz vergangener Jahre zurückgeben. Das ist kein leichter Job.

Warum? Fünf Tage Messe, den Rest des Jahres habe ich dann frei. (lacht) Nein, im Gegenteil: Die CeBIT ist ein Prozess, der einen das ganze Jahr über in Atem hält. Denn sie ist das wichtigste Ereignis für die internationale ITK-Branche.

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Sie sollen die schlingernde Messe wieder auf Kurs bringen.

Ich folge nicht Ihrer Meinung, dass hier etwas wieder auf Kurs zu bringen sei. Die CeBIT steht – wie die ITK-Branche auch – an einem hochspannenden Punkt ihrer Entwicklung. Die CeBIT ist weiter auf Vorwärtskurs zu halten, um je nach Wetterlage den richtigen Weg durch das Wasser zu finden. Wir sind voll auf Kurs.

Es kommen von Jahr zu Jahr weniger Aussteller und Besucher, die Fläche schrumpft …

Die Frage ist doch: Wie erhalten wir die Wirtschaftlichkeit einer Veranstaltung, und wie bauen wir sie weiter aus? Wirtschaftlicher Erfolg ist nicht mehr gleichzusetzen mit der Anzahl der Aussteller und Besucher. Das waren früher Kernmessgrößen, sind es aber nicht mehr.

Was dann?

Wir haben eine breite Palette an kombinierbaren Angeboten aufgebaut – von Firmenveranstaltungen über Sponsoringmodelle und Community-Veranstaltungen bis hin zu Online-Dienstleistungen. Über all diese Bereiche generieren wir Mehrwert und damit Wachstum.

Besucher, belegte Fläche und Ausstellerzahlen spielen also keine Rolle mehr?

Das eine schließt das andere nicht aus. Aber für den Aussteller ist nur wichtig, dass er seine Zielgruppe erreicht, und nicht, ob 340.000 Besucher kommen oder 380.000. Die Kenngröße eines Ausstellers ist: Was kostet es mich, einen Entscheider zu erreichen? Und da stehen wir mit der CeBIT im internationalen Vergleich unangefochten an der Spitze.

Aber die Internationalität leidet: Heute überwiegen deutsche Aussteller, und der Anteil der Auslandsbesucher ist halbiert.

Das ist nur die halbe Wahrheit: Der Auslandsumsatz ist höher und steigt, der reale Auslandsanteil ebenso. Beispiel: Microsoft ist zweifelsohne ein US-Unternehmen. Da die Anmeldung aber aus Deutschland kommt, führen wir Microsoft als Aussteller aus Deutschland. Unsere Internationalität ist im Wettbewerbsvergleich noch immer extrem hoch. Aber wir wollen wachsen, wir werden auch wieder wachsen. Dabei spielt das Ausland eine große Rolle, die ich stärken will.

Unterhaltungselektronik sieht man heute vor allem auf der IFA in Berlin. Haben Sie sich damit abgefunden?

Von außen gesehen geht es bei CeBIT und IFA um Show und Technik. Sie sind aber komplett anders bei der Zielsetzung der Aussteller. Die IFA ist nicht unser Kernwettbewerber, sie ist eine produktorientierte Ordermesse. Wir sind der Platz für Geschäftsanbahnung, wir sind Kommunikationsforum mit einem breiten Themenangebot, das finden Sie bei anderen Veranstaltungen in dieser Qualität nicht.

Also alles bestens?

Wir freuen uns, wenn die Hersteller der Unterhaltungselektronik sich wieder stärker engagieren auf der CeBIT. Aber die Wertschöpfung geschieht schon lange nicht mehr mit den Endgeräten, sondern mit den Lösungsangeboten dahinter.

Zum Beispiel?

Nehmen Sie nur das ganze Geschäft mit den Handy-Applikationen, den Apps. Diese Anwendungen deckt die CeBIT schon lange ab, nur wandern sie jetzt auch verstärkt ins Endkundengeschäft.

Im neuen Bereich „CeBIT Life“ soll es kommendes Jahr dennoch um genau solche Endgeräte wie auf der IFA gehen.

Es geht um viel mehr als nur um Endgeräte. Der interessierte Konsument ist genauso unsere Zielgruppe wie der professionelle Anbieter von Lösungen. Zum Beispiel stehen auch Handwerker vor ganz neuen Herausforderungen etwa beim Einbau einer intelligenten Haussteuerung – vom Fensterladen bis zur Heizung.

Was ist aus den Überlegungen geworden, die Eintrittspreise zu senken?

Wir heben die Besucherpreise an, im Wissen, dass die Wertigkeit der Veranstaltung gestiegen ist und der Preis über Jahre stabil war. Der Eintritt wird um einen Euro teurer, kostet also 34 Euro im Vorverkauf, die Preise der Dauerkarten heben wir um knapp 10 Prozent an.

Das neue CeBIT-Konzept stand schon fest, bevor Sie kamen. Wo soll jetzt Ihre Handschrift sichtbar werden?

Das Konzept ist sehr gestaltbar. Meine Aufgabe ist es, daraus Schwerpunkte abzuleiten, es in den Markt zu übersetzen. Dazu gehört vorrangig die Stärkung des Auslandsgeschäfts, vor allem in den USA und Asien. Wir wollen als Dienstleister zudem noch näher an unsere Kunden heranrücken, gerade in den Vor- und Nachbereitungsphasen der Messe.

Und inhaltlich? Wo soll die CeBIT hin?

Die CeBIT muss die Speerspitze sein. Wir müssen Trends noch früher erkennen. Wir sehen, dass die Innovationszyklen immer kürzer werden, wir können nicht mehr lange vorausplanen. Das heißt auch, dass wir in der eigenen Organisation schneller werden müssen. Die CeBIT ist ein hochdynamischer Prozess. Das macht es so spannend.

Wird es die Musikmesse „CeBIT Sounds“ nächstes Jahr wieder geben?

Das ist der Plan. Wir haben etwas mehr Vorlauf und können es deshalb auch etwas strahlender gestalten. Wir wünschen uns jeden Abend ein großes Konzert.

Seit wann kennen Sie die CeBIT?

Meine erste CeBIT ist 14 Jahre her, ein tolles Erlebnis. Ich war seitdem immer wieder da – jetzt erlebe ich sie wieder aus einer anderen Perspektive.

Was hat sich seit damals geändert?

Das ist nach wie vor ein Ausnahmeerlebnis. Aber damals begann die CeBIT schon in Hannover, nicht erst am Eingang Messegelände. Es wäre großartig, wieder dahin zu kommen, dass die ganze Stadt die CeBIT zelebriert.

Was ist zu tun?

Wir finden bei vielen Partnern in der Stadt offene Türen für unsere Überlegungen. Ansätze haben wir mit der Hannover Messe im vergangenen Jahr schon gezeigt. Das werden wir intensivieren. Doch wir als Messe können das nicht allein. Da ist jeder eingeladen, darüber nachzudenken, wie wir noch besser mit unseren Gästen umgehen können. Dann machen wir auch wieder einen Unterschied zu anderen Messeplätzen.

Wie soll das gelingen?

Viele Menschen in Hannover haben auch einen großen Anteil am Erfolg unserer Veranstaltungen. Und Hannover hat die Kraft, Stärken in den Ring zu werfen, die andere Standorte nicht bieten können. Wenn wir hier ein großes gemeinsames Erlebnis haben wollen, dann gelingt es nur zusammen. CeBIT sind wir alle.

Interview: Helmuth Klausing