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Niedersachsen GMH-Gruppe kauft in Brasilien zu
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen GMH-Gruppe kauft in Brasilien zu
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12:15 03.06.2010
Von Carola Böse-Fischer
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Die Unternehmensgruppe Georgsmarienhütte (GMH) treibt ihre Internationalisierung voran. Rückwirkend zum 1. Juni hat der niedersächsische Mittelständler einen Spezialhersteller von Eisenbahnrädern und -achsen in Brasilien übernommen. Wie die GMH am Mittwoch mitteilte, haben auch die Kartellbehörden den Kauf der MWL Brasil Rodas & Eixos Ltda genehmigt. Zum Kaufpreis wollte sich die Firmengruppe, deren Eigentümer der RWE-Chef Jürgen Großmann ist, nicht äußern.

Das Unternehmen MWL Brasil mit Sitz in Caçapava im Bundesstaat São Paulo, das als 51. Firma unter das Dach der Georgsmarienhütte Holding kommt, hat nach Angaben der GMH 2009 mit etwa 480 Mitarbeitern einen Umsatz von umgerechnet 67 Millionen Euro erzielt. Die Brasilianer betreiben – wie die GMH in Georgsmarienhütte – ein Elektrostahlwerk. MWL Brasil arbeite profitabel, erklärte eine Firmensprecherin.

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Bisher war der Bereich Bahntechnik der GMH, in dem die Unternehmen Bochumer Verein Verkehrstechnik, die Radsatzfabrik Ilsenburg und die Bahntechnik Brand-Erbisdorf zusammengefasst sind, fast ausschließlich auf Europa ausgerichtet. Die südamerikanischen Märkte waren ein weißer Fleck auf der GMH-Landkarte. Dort ist die Gruppe, die neben ihrem wichtigsten Standbein Stahl auch in den Bereichen Guss- und Schmiedetechnik tätig ist, bisher nur mit einer Repräsentanz in Brasilien vertreten gewesen.

Schon lange habe die GMH nach einer passenden Gelegenheit gesucht, sich einen Produktionsstandort in Brasilien zuzulegen, sagte die Unternehmenssprecherin. Süd- und Nordamerika seien starke Wachstumsmärkte und deshalb für die GMH interessant. Mit der Übernahme von MWL Brasil sei der Einstieg jetzt gelungen.

Die neue Tochter soll der Firmengruppe darüber hinaus Zugang zu den Märkten in Asien und Afrika verschaffen, wie Peter van Hüllen, Chef der GMH-Holding, erklärte. Mit einem gemeinsamen Markenauftritt könne man die Kunden optimal ansprechen.

MWL Brasil passe sehr gut zur GMH und erfülle die hohen Qualitätsansprüche der Gruppe, sagte van Hüllen. Die Produkte der Brasilianer sollen daher als Ergänzung des GMH-Programms auch auf dem europäischen Markt angeboten werden.

Mit dem Neuzugang steigt der Anteil der Bahntechnik am Gesamtumsatz den Angaben zufolge von knapp 9 Prozent auf 12 Prozent. Die GMH-Gruppe erzielte im vergangenen Jahr mit rund 10.000 Mitarbeitern einen Umsatz von 2,1 Milliarden Euro und verbuchte unter dem Strich einen Verlust von 24 Millionen Euro. Angesichts einer Eigenkapitalquote von etwa 40 Prozent und einer nach früheren Angaben van Hüllens guten Liquidität dürfte der Kauf von MWL Brasil für die GMH jedoch finanziell kein Problem darstellen.

Lars Ruzic 03.06.2010
30.05.2010