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Niedersachsen Germanwings hofft in Hannover auf 500.000 Fluggäste
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Germanwings hofft in Hannover auf 500.000 Fluggäste
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19:58 11.01.2010
Von Jens Heitmann
Germanwings-Geschäftsführer Thomas Winkelmann (links) will mit Flughafenchef Raoul Hille den Hebel auf Wachstum umlegen. Quelle: Florian Wallenwein
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Germanwings kommt nach Hannover: „Hannover ist mit seinem Einzugsgebiet ein interessanter Markt mit großer Nachfrage für preiswertes Fliegen“, sagte Germanwings-Geschäftsführer Thomas Winkelmann am Montag in Langenhagen.

Die Gesellschaft nimmt ihren Betrieb in Hannover am 29. April auf. Zweimal am Tag fliegt Germanwings Stuttgart, London-Stansted und Wien an. Sechsmal pro Woche geht es nach Mailand, viermal nach Budapest, Moskau, Rom, Barcelona und Palma de Mallorca. „Wir verbinden vor allem Geschäftszentren miteinander“, sagte Winkelmann. Der Schwerpunkt liege auf Ost- und Südosteuropa. Mit der Erweiterung der Europäischen Union in diese Region seien das insbesondere für Geschäftsreisende interessante Ziele. 42 Prozent der Kunden kämen aus diesem Segment, sagte Winkelmann.

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Die Lufthansa hat ihre Tochter im Winter 2002 an den Start geschoben – kurz darauf ließ die TUI ihren Billigflieger HLX abheben. Anders als die Low-Cost-Marke des Touristikkonzerns ist Germanwings stetig größer geworden – von zunächst sechs Maschinen und 11 Strecken auf 30 Flugzeuge und 148 Verbindungen im kommenden Sommer. Am Heimatflughafen Köln/Bonn ist Germanwings inzwischen Marktführer, vor Hannover war die Gesellschaft hierzulande bereits in Stuttgart, Berlin, Hamburg und Dortmund vertreten. Die Gesellschaft wolle in Langenhagen schnell in die Gewinnzone fliegen – einen Zeitpunkt dafür nannte Winkelmann allerdings nicht.

In der Branche wird die Landung in Langenhagen als Angriff auf Air Berlin gewertet. Nach der Übernahme der sogenannten City-Strecken von TUIfly konkurriert der Branchenzweite mit dem Marktführer vermehrt um die Geschäftsreisenden. Hannovers Flughafenchef Raoul Hille möchte darin keinen Konflikt sehen. „Es wird keinen Verdrängungswettbewerb geben, sondern eine substanzielle Erweiterung unseres Streckenportfolios“, beteuerte er gestern.

Dem Flughafen kommt der neue Anbieter sehr gelegen. „Noch nie ist eine Fluggesellschaft in Hannover sofort mit drei Jets eingestiegen“, sagte Hille. Durch das Bündnis zwischen TUIfly und Air Berlin hat der Airport im Bereich der City-Strecken Federn lassen müssen: Vor zwei Jahren zählte Langenhagen noch 5,6 Millionen Fluggäste, 2009 sollen es weniger als 5 Millionen gewesen sein.

Germanwings beschäftigt derzeit 1133 Mitarbeiter – an den drei künftig in Hannover stationierten Maschinen hängen den Angaben zufolge direkt 55 neue Arbeitsplätze. Hinzu kämen indirekt weitere 200 Beschäftigte am Standort, rechnete Winkelmann vor.

Bei der Lufthansa-Tochter traut man dem Flughafen Hannover einiges zu: Für das kommende Jahr peilt Geschäftsführer Winkelmann bereits 750 000 Passagiere an – das wäre ein Plus von 50 Prozent. „Das ist schon sehr ambitioniert“, sagte ein Branchenkenner. Zum Vergleich: Air Berlin beförderte im vergangenen Jahr mit durchschnittlich fünf Maschinen nach eigenen Angaben rund 1,3 Millionen Gäste, TUIfly kam als Nummer zwei mit durchschnittlich sechs Maschinen auf eine Million Passagiere – inklusive der Pauschalurlauber der TUI-Reiseveranstalter.

Margit Kautenburger 07.01.2010