Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Niedersachsen Wechselt Osterloh die Fronten?
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Wechselt Osterloh die Fronten?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:49 22.05.2015
Arbeiten trotz unterschiedlicher Interessen konstruktiv zusammen: Der VW-Gesamtbetriebsratsvorsitzende Bernd Osterloh (links) und Vorstandschef Martin Winterkorn. Foto: dpa Quelle: Sebastian Kahnert
Anzeige
Wolfsburg

Angeblich sollen ihn sowohl der frühere Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch als auch Vorstandschef Martin Winterkorn darum gebeten haben. „Das wäre eine interessante Aufgabe, in der Tat“, sagte Osterloh dazu nun im Interview mit dem „Manager-Magazin“.

Gleichzeitig betonte er jedoch, es gebe „genügend Leute im Konzern, die sich für diese Aufgabe eignen“. Er fühle sich wohl in seiner Rolle. „Ich weiß, was ich habe.“ In Osterlohs Umfeld wird dies als Zusage interpretiert, dass er auf der Arbeitnehmerbank bleiben wolle. Der 58-Jährige ist gerade erst als Vorsitzender des Konzernbetriebsrats wiedergewählt worden. Den Personalvorstand stellt bei Volkswagen - wie auch bei anderen Industriekonzernen - traditionell die IG Metall. Die Arbeitnehmer haben das Vorschlagsrecht. Erst im November werde man über die Nachfolge entscheiden, sagte Osterloh. Das wäre wenige Wochen vor Neumanns Abgang.

Anzeige

Der gebürtige Braunschweiger Osterloh steht seit zehn Jahren an der Spitze der Arbeitnehmervertretung bei Volkswagen. Er folgte damals von einem Tag auf den anderen auf Klaus Volkert, der im Zuge der VW-Affäre um Millionenboni und Bordellbesuche auf Konzernkosten zurückgetreten war. Osterlohs Wort hat Gewicht - nicht nur im Konzern mit seinen 600 000 Beschäftigten, sondern auch bei den Anteilseignern. Derzeit stünden wichtige Richtungsentscheidungen an, „da müssen wir uns als Arbeitnehmer klar positionieren“, sagte er in dem Interview.

Osterloh bekräftigte seine Forderung nach einer Dezentralisierung der Macht in dem zwölf Marken umfassenden Autokonzern. „Natürlich braucht ein Konzern dieser Größenordnung Zentralität, um Synergien zu heben. Aber gleichzeitig müssen wir im Sinne der Marken und Regionen so dezentral wie möglich agieren“, sagte das VW-Aufsichtsratsmitglied. Ein Beispiel für ein gut geöltes System mit viel Verantwortung auch fern von Wolfsburg sei China - der Erfolgsmarkt des Unternehmens. „Wir brauchen keinen riesigen Vorstand mit aufgeblähten Stäben“, betonte Osterloh. „Das müssen wir uns für jede Funktion fragen.“ Der Betriebsratschef schränkte aber ein: „Wir sprechen zunächst über Funktionen und Strukturen; um Personen wird es erst später gehen.“

Neben Bereichsverantwortlichen wie dem Finanzchef gehörten die wichtigsten Markenchefs in den Konzernvorstand sowie der Chef der neuen Truck-Holding, Andreas Renschler. Derzeit zählt der Führungszirkel neun Topmanager - mit dem neuen Chef der Kernmarke VW Pkw, Herbert Diess, werden es ab Juli zehn sein. Diess kommt von BMW, wo er zuletzt Produktionsvorstand war. „Er muss zulassen, dass mehr Entscheidungen in den Märkten getroffen werden.“

Jens Heitmann 22.05.2015
Niedersachsen Streit über Allgemeinverbindlichkeit - Verdi droht mit Warnstreiks im Handel
Lars Ruzic 22.05.2015
Jens Heitmann 21.05.2015