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Niedersachsen Gibt e.on Hannover auf?
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00:19 05.12.2014
Von Jens Heitmann
Frühere e.on-Ruhrgas-Zentrale in Essen. Es wird vermutet, dass die neue e.on-Gesellschaft in der nordrhein-westfälischen Stadt angesiedelt wird.
Frühere e.on-Ruhrgas-Zentrale in Essen. Es wird vermutet, dass die neue e.on-Gesellschaft in der nordrhein-westfälischen Stadt angesiedelt wird. Quelle: Julian Stratenschulte
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Hannover

Dort soll die neue Gesellschaft ihren Sitz haben, in die e.on das „alte“ Kraftwerksgeschäft auslagern will – ehe es abgespalten wird. „Der Abwanderungsdruck in Richtung Westen wird noch zunehmen“, verlautete aus Arbeitnehmerkreisen. Ein Konzernsprecher wollte dies am Dienstag nicht bestätigen: „Ein Umzug der Kernenergie ist bisher nicht geplant.“

Den offiziellen Plänen zufolge will der Energiekonzern in der noch namenlosen, neuen Gesellschaft 20.000 Beschäftigte für die Stromerzeugung aus Atomkraft, Kohle und Gas zusammenziehen. Die Einheit soll schuldenfrei und mit den kompletten Atomrückstellungen des Konzerns in Höhe von rund 14,5 Milliarden Euro an den Start gehen. Das verbleibende Unternehmen mit 40.000 Mitarbeitern und 35 Milliarden Euro Schulden soll sich – unter dem angestammten Namen e.on – der Erzeugung von Ökostrom sowie dem Betrieb der Strom- und Gasnetze und dem Vertriebsgeschäft widmen.

Damit vollzieht der Konzern eine Kehrtwende: Bisher wollte e.on-Chef Johannes Teyssen unter dem Titel „Next Generation“ die Ökosparte mit den Kohle- und Gaskraftwerken in Essen zusammenlegen, um Synergien zu nutzen. Die 300 Beschäftigten, die von Hannover aus die konventionellen Meiler steuern, wurden aufgefordert, sich bis zum 21. November für einen Umzug ins Ruhrgebiet zu entscheiden – oder das Unternehmen zu verlassen.

Trotz der nun geplanten Aufspaltung des Konzerns möchte die Unternehmensführung möglichst viele Mitarbeiter aus Hannover nach Essen locken – bei e.on rechnet man allgemein damit, dass dort auch die „neue“ Gesellschaft mit den alten Kraftwerken angesiedelt wird. Bei einer Belegschaftsversammlung in der hannoverschen Zentrale habe Personalvorstand Mike Winkel am Dienstag noch einmal sehr für einen Wechsel ins Ruhrgebiet geworben, berichteten Teilnehmer. Bisher hat sich dem Vernehmen nach nur knapp ein Drittel der umworbenen 300 Mitarbeiter für einen Umzug entschieden.

In Hannover schwinden jedoch zunehmend die beruflichen Perspektiven. Nach dem Verlust der Zuständigkeit für die konventionellen Kraftwerke bliebe bis auf Weiteres nur die Aufsicht über die Atomanlagen übrig sowie Buchhalter, Controller und IT-Spezialisten, die in zwei Gesellschaften mit dem Kürzel EBS zusammengefasst sind. „Eine richtige Zentrale ist das dann nicht mehr“, hieß es in Unternehmenskreisen. Noch sind an den beiden Standorten auf dem Mühlenberg und im ehemaligen Hastra-Gebäude etwa 1300 Mitarbeiter beschäftigt.

Der Konzernbetriebsrat stellte sich hinter das Konzept der e.on-Führung. Man habe immer wieder eine überzeugende strategische Antwort auf die fundamentalen Veränderungen in den Energiemärkten eingefordert, sagte der Vorsitzende Eberhard Schomburg. Nun habe der Vorstand die Reißleine gezogen.     

Teyssen sieht „epochale Gefahr“ für e.on

Warnung vor Konkurrenten: Johannes Teyssen hat den Verdacht zurückgewiesen, e.on wolle sich durch den Radikalumbau aus der Verantwortung für die Altlasten der Atomenergie stehlen. „Das ist nicht unser Motiv“, sagte der Vorstandschef dem „Handelsblatt“. Die neue Gesellschaft mit den alten Kraftwerken werde finanziell so solide ausgestattet sein wie keine andere der Branche in Europa. Durch die Aufspaltung werde e.on zukunftsfähiger. Der bisherige Konzern wäre „in keiner der beiden Welten, der klassischen Versorgung und der Energiewelt, ein herausragendes Unternehmen geworden“, sagte Teyssen: „Das wäre eine epochale Gefahr gewesen.“ Denn in beiden Welten werde e.on im Laufe der Zeit starken Konkurrenten begegnen. „Wenn wir dann halbgar aufgestellt wären, würden wir untergehen.“ In der neuen Struktur glaube er an das langfristige Überleben beider Firmen. Das neue Konzept habe das Management ohne Berater entwickelt und dabei auch andere Szenarien durchgespielt. Die Alternativen seien jedoch nicht attraktiv gewesen.

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