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Niedersachsen Großdemo bei e.on gegen Stellenabbau
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Großdemo bei e.on gegen Stellenabbau
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20:34 07.11.2011
Von Jens Heitmann
Niedersachsens Wirtschaftsminister Jörg Bode fordert vom e.on-Vorstand Klarheit für die Mitarbeiter am Standort Hannover. Quelle: dpa
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Hannover

An die letzte Demo vor ihrem Hause können sich die Pförtner von e.on nicht mehr so genau erinnern. „War wohl Greenpeace oder so ein ähnlicher Verein“, sagt der Mitarbeiter vom Wachdienst. „Muss aber schon eine Weile her sein.“ Nun stehen am Sitz der Kraftwerksgesellschaften auf dem hannoverschen Mühlenberg plötzlich die eigenen Leute vor der Tür, um gegen den geplanten Abbau von bis zu 11.000 Stellen zu protestieren. „Das ist schon ein seltsames Gefühl“, sagt der Mann an der gläsernen Schranke.

Auf 2000 Teilnehmer haben die Arbeitnehmervertreter gehofft – nach Einschätzung der Polizei steht am Montag mindestens die doppelte Anzahl vor der früheren PreussenElektra-Zentrale. Aus Hamburg, Kassel, Erfurt und Herford sind nicht nur e.on-Mitarbeiter angereist, auch Abordnungen von Vattenfall und dem Netzbetreiber Tennet halten ihre Transparente hoch. „Ich bin sehr stolz, dass auf unsere Belegschaften Verlass ist“, ruft Konzernbetriebsratschef Hans Prüfer in die Menge.

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„e.on 2.0 – So nicht!“, steht auf dem Banner, das Gewerkschafter über den Eingang gespannt haben. Das wie ein Update eines Computerprogramms bezeichnete Personalabbau-Programm ist das Ergebnis einer McKinsey-Studie. Die Unternehmensberater haben bei e.on nach einem Vergleich mit Verwaltungen anderer Energiekonzerne ein Sparpotenzial von rund 750 Millionen Euro ausgemacht. Teile man diesen Betrag durch die durchschnittlichen Kosten für einen Beschäftigten, komme man auf bis zu 11.000 Arbeitsplätze, die gestrichen werden müssten, verlautet es aus dem Management: Der Atomausstieg habe nun einmal seinen Preis.

Für die Protestprofis auf der anderen Seite sind solche Projekt-Titel eine gute Vorlage. „Wir lassen uns nicht runterfahren wie eine Software“, heißt es auf einem der vorgefertigten Holzschilder, die ver.di-Aktivisten vor dem Eingang an die Demonstranten verteilen. Auch rote Trillerpfeifen und Plastikleibchen mit Gewerkschaftslogo werden gereicht, bevor die Menge einmal rund um die Zentrale zieht und für eine halbe Stunde die Bundesstraße nach Hameln blockiert.

Während die Mitarbeiter demonstrieren, wird in Düsseldorf eine Liste mit 11.000 Unterschriften an den Konzernvorstand übergeben. Hinter dem „Hannoverschen Appell“ hat sich eine Großkoalition aller Parteien im niedersächsischen Landtag versammelt, die neben der Sicherung des Standortes den Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen fordern. Gewiss, auch e.on müsse sich auf die Energiewende einstellen, sagt Wirtschaftsminister Jörg Bode (FDP) – aber: „Es ist genug Arbeit da für die Menschen, die heute Energie herstellen.“ Hannovers Oberbürgermeister Stephan Weil (SPD) fordert den e.on-Vorstand auf, gegenüber den Mitarbeitern endlich mit allen Details zum Umbau des Unternehmens herauszurücken – und die Verwaltung vor Ort zu erhalten: „Hannover ist eine der Wurzeln des Konzerns.“

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