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Niedersachsen Großer Andrang auf Rente mit 63 in Niedersachsen
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Großer Andrang auf Rente mit 63 in Niedersachsen
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22:44 23.06.2014
Von Lars Ruzic
Die Rente mit 63 findet in Niedersachsen regen Zuspruch. Quelle: dpa (Symbolfoto)
Hannover

An den Servicetelefonen herrsche Massenandrang, sagte ein Sprecher der Deutschen Rentenversicherung Braunschweig-Hannover (DRV). „Das Interesse ist riesengroß.“ In der Wirtschaft wächst indes die Sorge, dass ihr auf einen Schlag Personal wegbricht.

Bundesweit soll die Zahl der Anträge bei rund 12.000 liegen. Angesichts der Einwohnerstärke Niedersachsens sei die Zahl zwischen Ems und Elbe überdurchschnittlich, sagte der Sprecher. Das liege vor allem an der Tatsache, dass die DRV überdurchschnittlich klassische Arbeiter versichere, die eher auf die – für einen früheren Ausstieg ohne Abschlag benötigten – 45 Beitragsjahre kommen als Angestellte.

Nach Ansicht des Bundessozialministeriums ist das Interesse am Rentenpaket bislang überschaubar. Die Zahl von insgesamt etwa 12.000 Anträgen sei nicht überraschend und auch nicht besonders hoch, sagte ein Ministeriumssprecher am Montag in Berlin. Bereits nach altem Recht hätten etwa 150 000 Menschen im Jahr eine Rente mit 63 angepeilt, für die sie dann noch Abschläge hinnehmen mussten. Die Neuregelung der abschlagsfreien Rente lockt nach Einschätzung der Bundesregierung im Jahr maximal 50.000 weitere Menschen in einen früheren Ruhestand.

Tatsächlich zeigt sich beim Blick in die Betriebe ein differenziertes Bild. Größere Industriekonzerne hätten mit denjenigen, die für die vorzeitige Rente in Frage kommen, meist ohnehin schon Altersteilzeitverträge abgeschlossen, heißt es aus Arbeitnehmerkreisen. Wer damals nicht vorzeitig gehen wollte, bleibe auch jetzt im Betrieb – meist aus finanziellen Gründen. Mittelständler und Handwerk aber, die nicht über komfortable Altersteilzeitmodelle verfügten, seien überdurchschnittlich betroffen.

„Abschlagsfrei oder nicht – zwischen Erwerbseinkommen und Rente klafft eine große Lücke“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbandes NiedersachsenMetall, Volker Schmidt. In der Metallindustrie könne dies leicht 1000 Euro monatlich ausmachen. Mit diesem Argument versuchten derzeit viele Personalleiter „den ein oder anderen doch noch zum längeren Verbleib im Betrieb zu bewegen“. Vor allem Mittelständler hätten die Sorge, dass sie von einem Tag auf den anderen vor erheblichen Personalproblemen stünden, wenn Beschäftigte sich plötzlich in den Ruhestand verabschiedeten.

Freilich gibt es auch die gegenteilige Entwicklung. Die DRV bekomme derzeit auch viele Anrufe von Arbeitgebern, berichtete der Sprecher. Sie wollten alle Details zur Rente mit 63 wissen, um darüber möglichst elegant Stellenabbau im eigenen Haus organisieren zu können.

Das ändert sich vom 1. Juli an

Wer früher gehen kann und wer nicht: Bisher müssen Versicherte für jeden Monat, den sie vor dem gesetzlichen Renteneintrittsalter in Rente wollen, 0,3 Prozent Kürzungen bei ihrer Rente in Kauf nehmen. Das ändert sich vom 1. Juli an für diejenigen, die 45 Jahre lang ins Rentensystem eingezahlt haben. Sie sollen künftig früher in Rente gehen dürfen als der Rest – ohne dafür Abschläge in Kauf nehmen zu müssen.

Dabei ist der Begriff Rente mit 63 etwas irreführend. Denn das Eintrittsalter verlängert sich in den kommenden Jahren um jeweils zwei Monate. Mit 63 in Rente gehen können demnach nur die Jahrgänge 1952 und älter. Bereits mit dem Jahrgang 1953 verlängert sich der frühestmögliche Ausstieg auf 63 Jahre und zwei Monate und so weiter. Alle nach 1964 Geborenen, die Babyboomer also eingeschlossen, können frühestens mit 65 Jahren ohne Abschläge in die Rente – vorausgesetzt, sie haben dann 45 Jahre lang eingezahlt.

Als Beitragsjahre anerkannt werden dabei unter anderem auch Zeiten der Arbeitslosigkeit – außer die letzten beiden Jahre vor Renteneintritt –, Zeiten für die Kindererziehung (bis zum zehnten Lebensjahr) und für die Pflege von Angehörigen, selbstständige Tätigkeit, Wehr- und Zivildienst. In Detailfragen hilft die DRV Braunschweig-Hannover in Laatzen kostenlos unter der Nummer 08 00 / 1 00 04 80 10 weiter.

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