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Niedersachsen Grünkohl zum Studieren
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10:40 30.10.2011
Grünkohl hat in Norddeutschland eine lange Tradition. Quelle: dpa
Langförden/Oldenburg

Für die Norddeutschen ist Grünkohl nicht einfach irgendein Gemüse. Grünkohl hat Tradition - und das seit Jahrhunderten. Sobald es kühler wird, frönen die Menschen im Norden einem für manch einen Süddeutschen unverständlichen Kult. Sie ziehen mit Bollerwagen los, küren bei kuriosen Spielen ihren Grünkohlkönig und verzehren anschließend Unmengen des deftigen Gemüses mit Wurst, Speck oder Kassler.

Das muss man nicht mögen, man kann es aber lernen. Und wo sollte das besser gehen als in Oldenburg, Deutschlands selbst ernannter Kohltour-Hauptstadt? Ein Grünkohlkönig - in diesem Jahr Vizekanzler Philipp Rösler (FDP) - regiert hier schon länger. Jetzt kommt eine eigene „Grünkohl-Akademie“ dazu.

Von diesem Dienstag an können sich Studenten für das Wintersemester einschreiben. Auf dem Lehrplan werden unter anderem Geschichte, Eigenschaften, Anbau und Zubereitung der Kohlart stehen.

Auch wenn das kostenlose Online-Studium nicht bierernst gemeint ist, um einen Werbegag allein handelt es sich nicht. Das versichert Bettina Tammen von der Oldenburger Tourismus und Marketing GmbH, die die Akademie organisiert.

„Man lernt dort alles, was es um den Grünkohl zu wissen gibt.“ Einer, der das mit Sicherheit nicht nötig hat, ist Gottfried Gerken. Seine Familie baut seit 20 Jahren Grünkohl im Oldenburger Münsterland an. Bis Weihnachten holt der 35 Jahre alte Bauer die krausen Blätter tonnenweise vom Acker.

Auf 940 Hektar wächst nach Angaben des Deutschen Bauernverbandes hierzulande Grünkohl. An der Spitze stehen dabei Nordrhein-Westfalen mit 438 Hektar und Niedersachsen mit 407 Hektar.

Das größte niedersächsische Anbaugebiet befindet sich dem Landvolk zufolge in der Region um Langförden, das zur Kreisstadt Vechta gehört. Sieben Landwirte bewirtschaften dort rund 300 Hektar mit Grünkohl - Gerken ist einer von ihnen.

In Gummistiefeln steht der junge Gemüsebauer auf einem Feld hinter seinem Hof. Bis zu den Knien reichen ihm die Pflanzen. Bis zur Ernte am Nikolaustag werden sie etwa auf einen Meter gewachsen sein.

Gerken reißt eins der kräftigen Blätter vom Stiel und rupft es fachmännisch. „Früher haben wir das alles per Hand gemacht“, erläutert er. Seit vier Jahren erledigt das eine Erntemaschine. Gerken muss mit zwei, drei Helfern nur noch am Förderband die welken Blätter aussortieren.

Der Vormittag hat gerade begonnen, doch für den Landwirt ist die Ernte an diesem Tag schon gelaufen. Innerhalb weniger Stunden holt er inzwischen bis zu 90 Tonnen Kohl vom Feld, früher brauchte er dafür mehr als eine Woche.

Die Tagesausbeute bringt Gerken mit seinem Traktor in mehreren Fuhren auf das Gelände des Vermarkters Elo-Frost. Dort werden die Blätter von den Stielen getrennt, blanchiert und schockgefrostet. In Beutel verpackt geht die Tiefkühlkost an Groß- und Einzelhändler, allerdings längst nicht mehr nur im Norden.

„Das dehnt sich von Jahr zu Jahr mehr aus“, sagt Geschäftsführer Dieter Raters. „In Süddeutschland ist der Grünkohl aber noch nicht angekommen.“

4500 Tonnen Grünkohl werden die Bauern in Langförden bis Weihnachten einfahren - vorausgesetzt das Wetter spielt mit. Im vergangenen Jahr ließ der frühe Wintereinbruch einen Teil der Ernte erfrieren. Aber auch der nasse Sommer 2011 bescherte den Bauern bereits Verluste. Trotzdem glaubt Raters an ein gutes Grünkohl-Jahr.

Auf dem Markt wird frischer Grünkohl im Moment nur in kleinen Mengen verkauft. „Die Nachfrage steigt, sobald es kälter wird“, sagt Jörn Rathjen vom Naturkost Kontor auf dem Bremer Großmarkt.

Von November bis Februar - dann haben die Kohlfahrten Hochsaison - wird der Bio-Händler das Wintergemüse wieder kistenweise verkaufen. Da ist sich Rathjen absolut sicher: „Das ist ein Selbstläufer.“ Appetit auf Grünkohl haben die Norddeutschen eben immer.

dpa

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