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Niedersachsen Grummeln über den Kompromiss
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Grummeln über den Kompromiss
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20:37 11.08.2009
Von Lars Ruzic
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Auch Commerzbank-Chef Martin Blessing war angereist. Nachdem die Schaefflers ihren größten Gläubiger zunächst über ihre Ablösungspläne von Conti-Chef Karl-Thomas Neumann nicht informiert hatten, war er nun um Schadensbegrenzung bemüht.

Man kam zu dem Schluss, dass die Schaefflers ihren Wunschkandidaten für die Conti-Spitze nur durchsetzen können, wenn im Gegenzug Aufsichtsratschef Rolf Koerfer von seinem Amt zurücktritt. Der hatte Neumann beim letzten Treffen der Aufsichtsräte per Handstreich absetzen wollen – musste sich dann aber aufklären lassen, dass es für so etwas Regularien gibt. Die Arbeitnehmerbank lehnte sein Anliegen ab, Garant Gerhard Schröder war alarmiert, das Chaos perfekt.

Es bedurfte offenbar guten Zuredens vieler Seiten, um die Schaefflers davon zu überzeugen, dass ihr Anwalt an der Spitze des Gremiums nicht mehr zu halten sei. Dabei musste man ihnen offenbar entgegenkommen. Koerfer soll offenbar nicht sofort abdanken, sondern erst im September. Und er soll als einfaches Mitglied in dem Gremium verbleiben.

Spätestens dieser Teilaspekt des Kompromisses passt längst nicht jedem Aufsichtsratsmitglied. Unter den Betriebsräten in dem Gremium gibt es Stimmen, die den kompletten Rückzug Koerfers verlangen. Unter der Hand wird dabei auch nicht mit Kritik an der Vorgehensweise von Bischoff und Meine gespart: Beide haben sich mit der Gegenseite getroffen, ohne ihre Kollegen darüber zu informieren. Der niedersächsische IG-Metall-Chef sei zudem nicht einmal Mitglied des Aufsichtsratspräsidiums.

Noch unklar ist zudem, wer seinen Platz für den neuen Aufsichtsratschef räumen soll. Niemand rechnet damit, dass im Gegenzug für den Verbleib Koerfers in dem Gremium ein anderer der fünf Vertreter der Schaeffler-Fraktion, seinen Stuhl freimacht. Hinzu kommt, dass es nicht leicht wird, in dieser verfahrenen Lage einen Topmanager zu finden, der sich dieser Herausforderung annimmt – zumal er auch aus der Autoindustrie kommen soll. Derzeit suchen alle Beteiligten fieberhaft nach einer Integrationsfigur.

Im Dunkeln bleibt dabei die Rolle Blessings. Der Commerzbank-Chef hat bislang stillgehalten, obwohl ihm de facto Conti gehört. Niemand weiß, ob sich daran nun etwas ändern wird. Letztlich habe aber wohl eher Schaeffler Blessing in der Hand als umgekehrt, sagt ein Beteiligter. „Man muss eben nur genug Schulden haben.“

Lars Ruzic 11.08.2009
Helmuth Klausing 11.08.2009