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Niedersachsen Gute Ernteprognosen drücken Getreidepreise
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Gute Ernteprognosen drücken Getreidepreise
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07:25 02.06.2014
Von Carola Böse-Fischer
Foto: Gute Aussichten: Die gute Ernteprognosen drücken Getreidepreise.
Gute Aussichten: Die gute Ernteprognosen drücken Getreidepreise. Quelle: dpa
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Hannover

Und die seien in vielen großen Erzeugerländern günstig. Das spiegelt sich in den Getreidenotierungen an der Pariser Agrarbörse Matif wider, an der sich auch Landhandel und Genossenschaften in Niedersachsen orientieren. Seit Ende April hätten die Preise an der Matif wieder den Rückwärtsgang eingelegt, berichtet Weiterer, der seit Kurzem auch Präsident des Bundesverbandes der Agrargewerblichen Wirtschaft (BVA) ist. Der BVA vertritt die Interessen von Verbänden und Unternehmen der Agrarbranche gegenüber Parlamenten und Ministerien in Bund und Ländern.

In den vergangenen Wochen sind die Notierungen für Weizenkontrakte zur Lieferung im November laut Weiterer von rund 220 Euro je Tonne auf derzeit 193 Euro gefallen. Weil Weizen die Preisführerschaft als wichtigstes Getreide habe, orientiere sich die gesamte Branche an dieser Notierung. Vor einem Jahr war die Tonne Weizen noch mit etwa 200 Euro gehandelt worden. Damals waren allerdings die Ernteprognosen wegen des Hochwassers in vielen Regionen noch mit großen Unsicherheiten behaftet. Die befürchteten negativen Folgen traten jedoch am Ende nicht ein – und die Landwirte brachten weitgehend gute Ernten ein.

In der laufenden Saison erwarten die Experten in den Agrarhandelshäusern für Deutschland nach jetzigem Stand eine ähnlich gute Getreideernte. Sie werde bei fast unveränderter Fläche aller Voraussicht nach wieder rund 47,6 Millionen Tonnen erreichen, sagt der BVA-Präsident. Gleiches gelte für gesamte EU, für die erneut mit einer Erntemenge von etwa 300 Millionen Tonnen gerechnet werde. Ein Zehntel davon dürfte in den Export gehen. Erstmals habe Deutschland inzwischen Frankreich als größten Weizenexporteur verdrängt. „Deutscher Weizen ist wegen seiner guten Backqualitäten immer mehr im Ausland gefragt.“

In Niedersachsen wird die Erntemenge auf 6,1 Millionen Tonnen geschätzt. Das wäre ein kleines Minus von 0,3 Millionen Tonnen. Allerdings wurde die Anbaufläche um 2 Prozent auf 1,19 Millionen Hektar eingeschränkt. Deshalb wäre das noch als gutes Ergebnis zu werten, wie Weiterer erklärt.

Weil auch im großen Anbauland Russland eine „Riesenernte“ von rund 100 Millionen Tonnen nach nur gut 89 Millionen Tonnen im Vorjahr erwartet werde, dürfte der Druck auf die Preise zunächst anhalten, schätzt der Getreideexperte. Das gelte umso mehr, als zusätzliche Mengen alter Ernte aus Kanada, die im vergangenen Winter wegen zugefrorener Häfen nicht exportiert werden konnten, jetzt auf die Märkte kämen. Allerdings würden die USA als weltweit größter Getreideexporteur in diesem Jahr weniger Weizen ausführen, da dort der Anbau zugunsten von Soja und Mais zurückgefahren werde.
Auch deshalb wird die globale Weizenproduktion im Wirtschaftsjahr 2014/15 (30. 6.) insgesamt um 17 Millionen auf 697 Millionen Tonnen sinken, wie Weiterer sagt. Das spreche eher dafür, dass der derzeit rückläufige Preistrend in absehbarer Zukunft gebremst werde.

Darauf setzen offenbar viele Bauern. Beim Abschluss von Vorverträgen mit dem Agrarhandel für die neue Ernte, die auf den Feldern heranwächst, hielten sie sich auffallend zurück – in der Hoffnung, dass die Preise wieder anziehen, berichtet der Landhändler. Zurzeit erlösen die Landwirte nach seinen Angaben je nach Region zwischen 163 und 171 Euro pro Tonne Getreide, verglichen mit immerhin noch 177 bis 184 Euro zur Vorjahreszeit. Dieser sogenannte physische Preis, den die Bauern für ihren Weizen oder Roggen erhalten, ist um etwa 20 Euro niedriger als die Börsennotierung.

Lars Ruzic 29.05.2014
27.05.2014