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Niedersachsen Gute Stimmung im Handwerk
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14:18 23.02.2012
Von Dirk Stelzl
Dieses Jahr wird im niedersächsischen Handwerk mit steigenden Umsätzen gerechnet.  Quelle: dpa (Symbolbild)
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Hannover

Die Konjunktur komme zwar nun in ein „ruhigeres Fahrwasser“ – von einer Krise sei aber nicht viel zu spüren, sagte der Präsident des Niedersächsischen Handwerkstages (NHT), Karl-Heinz Bley, am Mittwoch in Hannover.  Die Zahl der Beschäftigten könne sich in diesem Jahr um bis zu 2500 erhöhen. Der Wirtschaftszweig hat jedoch zunehmend Mühe, Fachkräfte zu finden.

Mehr als 90 Prozent der von der Handwerksorganisation befragten Betriebe beurteilten ihre Lage mit „gut“ oder „befriedigend“, erklärte Bley. Knapp 80 Prozent rechneten damit, dass die Entwicklung im Handwerk im ersten Halbjahr 2012 stabil bleiben oder sich noch verbessern werde. Nach Einschätzung des NHT werden die Umsätze im niedersächsischen Handwerk in diesem Jahr um 1,6 Prozent auf 46,3 Milliarden Euro zulegen – nach einem Plus von 4,2 Prozent im vorigen Jahr. Besonders im Bau- und Ausbaugewerbe sowie bei der energetischen Gebäudesanierung gebe es Zuwächse. Die Beschäftigung werde voraussichtlich um 0,5 Prozent auf 505.000 Mitarbeiter steigen.

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Das Hauptproblem für die Handwerksunternehmen sei die Fachkräftegewinnung, sagte Bley. „Der Wettbewerb um gute Leute hat sich von Umfrage zu Umfrage kontinuierlich verschärft.“ Aufträge zu bekommen, sei dagegen kein Problem. Die Herausforderung bestehe vielmehr darin, genügend Arbeitskräfte zu bekommen, um die Aufträge abarbeiten zu können.

Immer mehr Betrieben macht demnach zu schaffen, dass es weniger Bewerber für Ausbildungsplätze gebe. Fast 30 Prozent der Unternehmen, die sich an der Umfrage beteiligten, konnten Lehrstellen nicht besetzen. Im vergangenen Jahr wurden im niedersächsischen Handwerk 18.833 neue Ausbildungsverträge geschlossen – etwas mehr als 2010 mit 18.762 Verträgen. Dass mehr Lehrlinge eingestellt werden konnten, sei auch auf verstärkte Anstrengungen bei der Nachwuchssuche sowie die Imagekampagne des Handwerks zurückzuführen, hieß es.

Von der Landesregierung wünscht sich Bley etwa eine bessere Berufsorientierung an allgemeinbildenden Schulen. Außerdem bedauert der Handwerkspräsident, dass viele Jugendliche lieber an eine Berufsfachschule oder andere Schule gingen als eine Lehre in einem Betrieb anzustreben. Die berufsbildenden Schulen machten den Handwerksbetrieben  bei der Ausbildung verstärkt Konkurrenz. Auch sie bekämen den demografischen Wandel zu spüren und bemühten sich darum, Berufsfachschulklassen mit guten Schülern zu füllen. 

l Kritik an Banken: Die Handwerker ärgern sich darüber, dass Geldinstitute trotz günstiger Refinanzierung zu hohe Zinsen verlangten. „Bei einem Leitzinssatz von einem oder 2 Prozent ist es nicht nachvollziehbar, warum die Kontokorrent- oder auch Dispozinsen bei vielen Kreditinstituten über 10 Prozent liegen“, sagte Bley. Bundes- und Landesregierung müssten mit Appellen auf die Kreditwirtschaft einwirken. Deren Margen seien „überzogen“.