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Niedersachsen Gutes Ergebnis trotz großer Katastrophen
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17:47 14.03.2012
Von Albrecht Scheuermann
Ulrich Wallin, Vorstandsvorsitzender der Hannover Rück, will ein Verlagerung des Unternehmenssitzes möglich machen. Quelle: dpa
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Hannover

Die Ausschüttung fällt damit größer aus als ursprünglich geplant, weil auch der Konzerngewinn mit mehr als 600 Millionen Euro (2010: 750 Millionen Euro ) die ursprüngliche Planung übertroffen hat. Bei diesen Zahlen ist zu berücksichtigen, dass 2011 Naturkatastrophen weit überdurchschnittliche Schäden verursachten. Die Nettobelastung aus Großschäden erreichte mit 981 Millionen Euro den zweithöchsten Wert in der Firmengeschichte. Am teuersten kam die Hannover Rück die Erdbebenkatastrophe in Japan zu stehen, danach folgten die Überschwemmungen in Thailand und das Erdbeben in Neuseeland.

Dass der Gewinn dennoch höher ausfiel als gedacht, war vor allem dem unerwartet hohen Ergebnis aus Kapitalanlagen von fast 1,4 Milliarden Euro (plus 10 Prozent) zuzuschreiben.

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Für das laufende Jahr gab sich Vorstandschef Ulrich Wallin optimistisch. Allerdings verweigerte er eine Ergebnisprognose, was offenbar mit dem bevorstehenden Börsengang der Mutter Talanx zusammenhängt. Unternehmen verkneifen sich in dieser Situation üblicherweise solche in die Zukunft gerichteten Aussagen, weil sich daraus Haftungsrisiken ergeben können.

Die Hannover Rück will durch einen Wandel der Rechtsform eine Sitzverlagerung ins Ausland ermöglichen. Dazu müsse es aber nicht kommen, sagte Vorstandschef Ulrich Wallin am Mittwoch bei der Bilanzvorlage. Die Hannover Rückversicherung schafft die Voraussetzungen für eine Verlagerung des Hauptsitzes ins europäische Ausland. Das Unternehmen teilte am Mittwoch mit, dass Aufsichtsrat und Vorstand der Hauptversammlung am 3. Mai eine Umwandlung von einer Aktiengesellschaft nach deutschem Recht in eine Europäische Aktiengesellschaft (Societas Europaea/SE) vorschlagen werden. Vorstandschef Ulrich Wallin betonte jedoch, dass man sich damit nur eine Option schaffe. Konkrete Umzugspläne gebe es nicht.

Mit der Umwandlung trage die Hannover Rück "der zunehmenden Internationalisierung der Geschäftstätigkeit sowie ihrer Belegschaft Rechnung". Zugleich ermögliche dies dem Unternehmen, "seinen Sitz innerhalb der Europäischen Union zu verlegen. Dies könnte im Zusammenhang mit der Einführung von Solvency II Bedeutung erlangen".

"Solvency II" wird das neue Regelwerk für die Versicherungsaufsicht in Europa genannt, das in den nächsten Jahren in Kraft treten soll. Wallin betonte anlässlich der Bilanzvorlage jedoch, dass eine Verlagerung des Hauptsitzes nur dann in Frage komme, wenn sich dadurch "substanzielle Vorteile" ergäben. Derzeit gebe es aber Unsicherheiten in der Frage der künftigen Regulierung. Deshalb müsse sich das Unternehmen diese Möglichkeit offenhalten.

Die Wahrscheinlichkeit, dass es tatsächlich zu einem Weggang aus Hannover komme, sei jedoch "deutlich kleiner als 50 Prozent". Zudem würde selbst dieser Fall nicht bedeuten, dass der Firmensitz hier geschlossen werde. Hannover wäre dann zwar nur eine Niederlassung der Hannover Rück SE, hier würde jedoch weiterhin ein Großteil der Zentralfunktionen angesiedelt bleiben, hieß es. Andererseits wäre ein Umzug mehr als eine Formalie. "Es reicht sicher nicht, in einem anderen Land einen Briefkasten an den Baum zu nageln", erklärte der Hannover-Rück-Chef.

Probleme durch neues Aufsichtsrecht

Dass sich die Hannover Rück Gedanken über eine mögliche Verlagerung ihres Firmensitzes ins europäische Ausland macht, wird allein mit den geplanten neuen Aufsichtsregeln für die europäische Versicherungswirtschaft („Solvency II“) begründet. Steuerliche oder sonstige Kostenerwägungen spielten dagegen keine Rolle, hieß es.

Die Einzelheiten sind allerdings kompliziert. Im Kern geht es um die Frage, ob künftig die deutsche Versicherungsaufsicht Hannover Rück als eigene Gruppe behandelt oder lediglich als Teil der Talanx-Gruppe. Letzteres würde bedeuten, dass die Behörde die Geschäftspolitik von Hannover Rück allein unter dem Gesichtspunkt prüft, inwieweit sie zum Beispiel die Risikosituation des Talanx-Konzerns beeinflusst.

Das Problem dabei ist dem Vernehmen nach jedoch, dass aktienrechtlich Hannover Rück eben nicht nach den Interessen des Großaktionärs gesteuert werden darf. Das Aufsichtsmodell und das interne Modell der Unternehmenssteuerung würden also auseinanderfallen. Eine Verlagerung des Sitzes ins Ausland könnte dieses Problem lösen, weil dann Hannover Rück von der dortigen Aufsichtsbehörde als eigenständiges Unternehmen betrachtet würde.

Allerdings wies der Vorstand darauf hin, dass die Details des neuen Rechts immer noch nicht feststehen. Zudem hänge es auch von Aktionären, Investoren und Ratingagenturen ab, ob überhaupt eine Reaktion auf die neuen Aufsichtsregeln notwendig werde.

Die Umwandlung der AG in eine SE soll bis Anfang 2013 abgeschlossen sein. Wann Solvency II in Kraft tritt, steht noch nicht fest. Sollte es tatsächlich zu einer Verlagerung des Firmensitzes kommen, würden wichtige Unternehmensfunktionen jedoch weiter in Hannover bleiben, hieß es. Deshalb hätten der hannoversche Stadtkämmerer und der Finanzminister auch keine großen Steuereinbußen zu befürchten.

Albrecht Scheuermann 14.03.2012