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Niedersachsen „Das wird schwer zu toppen sein“
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen „Das wird schwer zu toppen sein“
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18:20 04.12.2013
Von Lars Ruzic
Dirk Roßmann, Inhaber der Drogeriemarktkette Rossmann, spricht und gestikuliert auf einer Pressekonferenz in Großburgwedel. Quelle: Christian Burkert
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Herr Roßmann, heute besuchen Sie in Hannover Ihre konzernweit 3000. Filiale. In Deutschland ist es Nummer 1850, in Ihrer Heimatstadt die 33. Stoßen Sie da nicht langsam an Wachstumsgrenzen?
Noch nicht. Wir haben in Süddeutschland noch viele weiße Flecken. Außerdem gehen wir zunehmend in kleinere Ortschaften. Gerade hat ein Laden in Loccum eröffnet, einem Ort mit gerade 3000 Einwohnern – und trotzdem ist er erfolgreich. Es gibt also noch Luft nach oben. Aber wir wachsen ja nicht ohne Sinn und Verstand. In diesem Jahr haben in Deutschland 142 Filialen eröffnet, gleichzeitig wurden 70 geschlossen. Ein Großteil sind eben Umzüge, um die Verkaufsfläche zu vergrößern. Bis 2020 wollen wir in Deutschland auf 2500 Filialen kommen, das wird dann aber auch das Maximum sein.
Ihr Konkurrent dm hat ähnlich ambitionierte Ziele. Droht da ein ruinöser Wettbewerb?
Also, da sind wir nun wirklich weit von entfernt. Als ich 1972 anfing, gab es 17 000 selbstständige Drogerien in Deutschland, später dann 15 Drogerieketten. Durch Übernahmen und Pleiten hat sich der Markt nach und nach konsolidiert. Heute gibt es im Kern nur noch dm und Rossmann – zwei finanzstarke und grundsolide Unternehmen, die sich eben durchgesetzt haben. Aber natürlich ärgere ich mich darüber, wenn ich in einer Stadt wie Walsrode mit 20 000 Einwohnern mit zwei Läden vertreten bin – und dann auch noch ein dm aufmacht. Das Geldverdienen wird dann etwas schwieriger. Solche Fälle gibt es natürlich auch umgekehrt. Jeder nimmt dem anderen die Sahne vom Kuchen.
Sie können es sich nach der Schlecker-Pleite in Ihrem Duopol nicht gemütlich einrichten?
Es ist ein Duopol, aber kein problematisches. Nicht nur, dass beide Ketten in scharfem Wettbewerb stehen. Hinzu kommen etwa das Drogeriekaufhaus Müller, die Lebensmittelhändler und Discounter. Letztere verstärken derzeit ihr Drogeriesortiment und bewerben es stärker als früher. Die Wettbewerber heißen nicht mehr Schlecker oder Ihr Platz, sondern Netto oder Lidl. Man merkt, dass sie sich ein größeres Stück vom Kuchen abschneiden wollen.
Woran?
An den Zahlen. Noch im Frühjahr kamen wir auf absolute Traumwerte – zum Beispiel mehr als 10 Prozent Wachstum in bestehenden Filialen. Das haben wir heute nicht mehr. Die Zuwächse haben sich deutlich verringert. Unser Ziel von 6,7 Milliarden Euro Umsatz im Konzern werden wir wohl leicht verfehlen. Aber ich will nicht klagen: Rossmann wird immer noch um ein Achtel auf 6,6 Milliarden Euro zulegen.
Zehrt der Wettbewerb am Ergebnis?
Im vergangenen Jahr haben wir 220 Millionen Euro vor Steuern verdient. Das war unser mit Abstand bestes Geschäftsjahr und wird in diesem Jahr nur schwer zu toppen sein – obwohl der Umsatz kräftig steigt. Daran können Sie die Folgen des scharfen Wettbewerbs ablesen.
Das Drogeriegeschäft scheint zäher zu werden. Es gibt keine Übernahmeziele mehr. Das Kernsortiment stagniert.
Da haben Sie recht. Deshalb ergänzen wir das Sortiment ja um viele andere Bereiche. Das gelingt uns ganz gut. Ein großer Rossmann-Laden ist heute wie ein kleines Kaufhaus.
Es heißt, dm und Sie wetteifern zunehmend auch um die Mietobjekte. Treibt das nicht die Preise in die Höhe?
Wir versuchen, uns dem zu entziehen, indem wir immer mehr Immobilien erwerben und sanieren. Der familieneigene Immobiliengesellschaft gehören heute schon gut 100 Objekte, jedes Jahr kommen etwa 30 hinzu. Jetzt, da die Zinsen so niedrig sind, ist das ein erfreuliches Geschäft.
Obwohl Sie auf fünf ausländischen Märkten aktiv sind, macht Ihnen eigentlich nur Polen richtig Spaß. Was ist das Problem in den anderen Ländern?
Na, ganz so ist es nicht. Wir erwirtschaften sogar in Albanien inzwischen einen kleinen Gewinn. Richtig ist: Unser Vorstoß in die Türkei hat sich bislang nicht ausgezahlt. Dort machen wir mit 24 Filialen 4 Millionen Euro Verlust – mit jeder Neueröffnung werden die roten Zahlen roter. In der Türkei gibt es viele Großfamilien, die in riesigen Supermärkten gleich Produkte in Sondergrößen kaufen. Wir haben noch kein überzeugendes Konzept gefunden, wie wir dort erfolgreich sein können. Wir werden das hinkriegen, aber mit drei, vier Jahren mit Verlusten werden wir wohl noch rechnen müssen.
In der Heimat sind Sie inzwischen bundesweit als Talkshow-Gast bekannt. Neukunden werden Sie damit wohl nicht gewinnen.
Ich weiß, dass ich da mitunter polarisiere. Neben Zustimmung gibt es zum Teil auch Verärgerung. Aber hier geht es auch nicht ums Geschäft, sondern um meine Verpflichtung als Staatsbürger. Ich bin 1946 geboren und in den Trümmern von Hannover aufgewachsen. Daraus ist für mich der Anspruch erwachsen, mich für Demokratie und Meinungsfreiheit einzusetzen. Ich bin ein durch und durch politischer Mensch. Das sind heute leider viel zu wenige Unternehmer.
Und wie beurteilt der Unternehmer und politische Mensch Dirk Roßmann die schwarz-rote Koalitionsvereinbarung?
Sie ist alles in allem ein ausbalancierter Kompromiss, mit dem ich leben kann. Meine Zweifel habe ich zur Rente mit 63. Obwohl ich gut verstehe, dass Menschen nach 45 Beitragsjahren ihren Ruhestand genießen wollen, wird die demografische Wahrheit in den nächsten Jahren ein schwer zu lösendes Problem.
Sie selbst haben den Renteneintritt mit 67 ja gerade verpasst...
Ach, ich glaube nicht, dass meine beiden Söhne unbedingt wollen, dass ihr Vater schon aufhört. Wir haben da eine ganz gute Arbeitsteilung gefunden. Daniel und Raoul sind längst an verantwortlicher Position im Konzern, die Familiennachfolge ist geklärt.
Ende nächsten Jahres scheiden aber auch Ihre langjährigen Weggefährten Klaus Praus und Roland Frobel aus der Geschäftsführung aus. Der Konzern steht vor einem Generationswechsel.
Das vielleicht, aber nicht vor einem radikalen Schnitt. Unter den vier Geschäftsführern gibt es zwölf hervorragende Mitarbeiter in der Geschäftsleitung. Teamarbeit ist bei uns kein Lippenbekenntnis sondern gelebte und erfolgreiche Praxis.
Das Interview führte Lars Ruzic

Dirk Roßmann...

... zählt zu den erfolgreichsten niedersächsischen Unternehmern der Nachkriegszeit. Der 67-Jährige, der schon als Jugendlicher in Hannover mit dem Fahrrad Drogeriewaren auslieferte, gebietet heute über einen Konzern mit gut 40 000 Mitarbeitern in Europa. Jeden Tag kaufen mehr als 1,3 Millionen Kunden in den 3000 Filialen ein. Roßmann hält über die familieneigene Beteiligungsgesellschaft 60 Prozent an „seinem“ Konzern. Der Rest entfällt auf eine Tochter des Hongkonger Mischkonzerns Hutchison Whampoa. Neben dem Gründer selbst sind auch Ehefrau Alice und die beiden Söhne Daniel und Raoul in verantwortlichen Positionen im Unternehmen aktiv. lr

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