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Niedersachsen „Wir werden diese Phase durchstehen“
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen „Wir werden diese Phase durchstehen“
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07:51 07.10.2013
Von Albrecht Scheuermann
Walter Kleine, Chef der Sparkasse Hannover, will die Kosten senken – notfalls auch durch Stellenabbau. Quelle: Martin Steiner
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Hannover

Walter Kleine begann seine Laufbahn bei der Sparkasse in Bremen. Vom Bremer Bankhaus Carl F. Plump & Co. führte der Weg in die Vorstände der Sparkassen in Gießen und Bremen. Seit November 2004 führt der demnächst 54-Jährige als Vorstandschef die Sparkasse Hannover, die sechstgrößte deutsche Sparkasse. Kleine arbeitet in vielen Gremien von Unternehmen, kulturellen sowie sozialen Einrichtungen und ist Honorarkonsul von Kasachstan. Der Vater von sechs Kindern lebt mit seiner Partnerin in Hannover.

Herr Kleine, die Sparkasse Hannover baut gerade für 100 Millionen Euro ihre Hauptverwaltung am Raschplatz um. Bei solchen Großprojekten laufen Bauzeit und Kosten häufig aus dem Ruder. Auch bei Ihnen?
Bisher läuft alles absolut nach Zeitplan und im Rahmen der Budgets. Die beteiligten Abriss- und Baufirmen machen ausgezeichnete Arbeit. Die Abrissarbeiten sind jetzt punktgenau erledigt, das Gebäude ist vollständig entkernt, der eigentliche Umbau beginnt. Wir werden, wenn nicht irgendetwas Dramatisches passiert, wie vorgesehen etwa zur Jahresmitte 2015 fertig sein. Auch bei den Kosten zeichnen sich keine Überraschungen ab.

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100 Millionen Euro sind kein Pappenstiel. Wie finanzieren Sie das?
Wir haben immer gesagt, dass wir das aus dem laufenden Geschäft bezahlen können, dabei bleibt es. Man muss berücksichtigen, dass uns die umfassende Sanierung Kosten spart. Zum Beispiel können wir unseren Sitz am Aegidientorplatz aufgeben, das Gebäude wird vermietet oder verkauft. Das Gebäude am Raschplatz hat nach dem Umbau Platz für rund 800 statt bisher 600 Arbeitsplätze. Insgesamt sparen wir künftig durch die Investition 2 bis 3 Millionen Euro jährlich an Bewirtschaftungs- und Unterhaltskosten. Und, was noch wichtiger ist, wir gewinnen eine neue Kultur der Kundenorientierung und Zusammenarbeit dadurch, dass wir in zeitgemäßer Umgebung in Teams arbeiten.

Viele Geldhäuser stöhnen derzeit unter den Auswirkungen der Niedrigzinsphase. Gilt das nicht für Sie?
Doch, natürlich. Der Druck auf die Zinsmargen schmälert unseren Zinsüberschuss. Deshalb liegen wir beim operativen Ergebnis in diesem Jahr etwa 6 Millionen Euro unter Plan. Dennoch wird unser Jahresüberschuss im Zielkorridor liegen. Wir werden diese Phase durchstehen. Auch, weil wir aus einer Position der Stärke heraus gegensteuern.

Wie können Sie die Ertragslage stabilisieren?
Mehr Kundengeschäft durch mehr Kundennähe und -zufriedenheit. Ab 1. Januar 2014 werden wir durch ein neues Marktkonzept noch stärker in den lokalen Teilmärkten unserer Region präsent sein. Zum anderen sind wir gerade dabei, ein Programm zur Effizienzsteigerung auf den Weg zu bringen. Dabei geht es vor allem um Kostensenkungen in der inneren Organisation, etwa durch Standardisierung von bestimmten Abläufen. Wir können hier durchaus von anderen Großsparkassen lernen.

Was heißt das konkret?
Wir wollen die jährlichen Sach- und Personalkosten bis 2016 um rund 10 bis 15 Millionen Euro auf etwa 245 Millionen Euro reduzieren. Das ist zwar eine vergleichsweise undramatische Größenordnung, aber für eine Sparkasse ist das schon herausfordernd. Zumal es nicht ohne Stellenreduzierungen zu machen sein wird.

Aus Ihrem Bürofenster haben Sie gute Sicht auf die wichtigste Beteiligung der Sparkasse Hannover – die Norddeutsche Landesbank. Sie macht im Moment auch nicht so viel Freude ...
Was die Nord/LB angeht, sollten wir die Füße ruhig halten. Sicher wäre es schön, wenn wir auf unsere Beteiligung – durchgerechnet allein für die Sparkasse Hannover etwa 180 Millionen Euro – wieder eine Dividende bekämen. Aber dafür ist jetzt nicht der richtige Zeitpunkt. Was in jüngster Zeit aus Brüssel über die Nord/LB hereingebrochen ist – Stichwort Stresstest –, ist schwer nachvollziehbar. Die Bank hat meines Erachtens jahrelang daran gearbeitet, risikomäßig den Anforderungen zu entsprechen. Praktisch über Nacht kommen dann neue Vorgaben, die einen neuen Kapitalbedarf im Milliardenbereich auslösen. Es ist einfach nicht richtig, wie Brüssel mit den Banken umgeht.

War es nach der Finanzkrise nicht dringend nötig, strengere Regeln für die Branche zu beschließen?
Grundsätzlich ist das sicher richtig, aber was wir jetzt erleben, ist eine Überregulierung. Zudem ist der Zeitdruck viel zu groß. Sie bekommen heute ein neues Gesetz, das sollen Sie bis morgen umsetzen. Wir müssen aufpassen, dass die Schraube nicht überdreht wird.

Wie wirkt sich die Regulierung auf die Sparkasse Hannover aus?
Wir werden aller Voraussicht nach die neuen Kapitalanforderungen nach Basel III rechtzeitig erfüllen können. Allerdings gibt es eine große Unsicherheit. Wir wissen nicht, welche Vorschriften unsere nationale Aufsichtsbehörde machen wird. Sind wir zum Beispiel systemrelevant und müssen daher höhere Eigenkapitalanforderungen erfüllen oder nicht? Und wie werden unsere mittelbaren Beteiligungen wie an der
Nord/LB bei der Kapitalberechnung behandelt? Es gibt viele Ungewissheiten.

Was halten Sie von den neuen Vorschriften zum Verbraucherschutz – siehe Beratungsprotokoll, Produktinformationsblatt, Beraterregister?
Unsere Beraterinnen und Berater sind immer mehr mit Dokumentation und Papierkram beschäftigt und viele Kunden fühlen sich mit Informationen überfrachtet. Dem Verbraucherschutz tut man damit nichts Gutes, weil ein wachsender Teil der Kunden sich von der Beratung in der Filiale verabschiedet und seine Geldanlageschäfte online ohne Beratung tätigt – mit viel größerem Risiko.

Stichwort Online. Wenn Ihre Kunden immer mehr Geldgeschäfte über das Internet abwickeln, müssen Sie dann nicht Ihr teures Filialnetz ausdünnen?
Nein, das wollen wir so nicht. Kein anderes Institut hat in der Region diese Präsenz. Die Kunden kommen zwar im Schnitt viel seltener in die Filiale, wollen aber weiter die Möglichkeit des persönlichen Kontakts haben. Wenn ein Kunde durchschnittlich einmal im Jahr in die Filiale kommt, uns aber zehn- bis fünfzehnmal im Monat online besucht, dann müssen wir auch über neue Filialkonzepte nachdenken. Zum Beispiel ist es vorstellbar, dass von zwei benachbarten Standorten einer am Vormittag, der andere am Nachmittag aufmacht.

Das Interview führte Albrecht Scheuermann

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