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Niedersachsen Hannover erlebt einen Gründerboom
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Hannover erlebt einen Gründerboom
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20:44 01.05.2011
Von Lars Ruzic
Hannover erlebt einen Gründerboom. Quelle: Rainer Surrey (Archivbild)
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Im ersten Quartal wurden 533 Firmen neu ins Handelsregister eingetragen – mit Abstand der höchste Wert seit dem Start des HAZ-Hannover-Trends vor vier Jahren.

„Die regionale Wirtschaft ist mit unverändertem Schwung in das Jahr 2011 gestartet, und dies noch über dem ohnehin positiven Trend in Niedersachsen“, sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Wilfried Prewo. „Die Region boomt“, erklärt auch der Chef der Creditreform Hannover-Celle, Holger Bissel. 95 Prozent der Firmen sind laut IHK mit ihrer Geschäftslage zufrieden, der Konjunkturklimaindikator stieg um einen Punkt auf 132. Der Wert im Land war um einen Punkt auf 130 gefallen.

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„Die Hoffnung auf ein starkes Hannover in einem deutschen Jahrzehnt muss keine Utopie sein“, meint Bissel. Die Region habe dank ihrer ausgewogenen Wirtschaftsstruktur schon die Krise besser verkraftet, und seit Monaten profitiere sie überdurchschnittlich vom Aufschwung. Der Rekordwert von 533 Neugründungen zeige zudem, dass „das stabile Umfeld und die harten Standortvorteile Unternehmen und Unternehmer anlocken“.

Das kräftige Plus erscheint vor allem deshalb als ungewöhnlich, weil die Zahl der Firmen üblicherweise in Phasen wirtschaftlicher Flaute steigt, da sich von Arbeitslosigkeit bedrohte Menschen selbstständig machen. Unter Wirtschaftsforschern gilt als eine Erklärung für den aktuellen Boom, das vor allem im Bereich der unternehmensnahen Dienstleistungen die Betriebe der Aufträge nicht mehr Herr werden und deshalb einzelne Mitarbeiter im Nebenerwerb Firmen gründen, um quasi nach Dienstschluss noch Arbeiten auf eigene Kasse zu übernehmen.

Auf der anderen Seite müssen immer weniger Firmen die Segel streichen. Die Zahl der Insolvenzen liegt mit 162 wieder so niedrig wie vor der Krise. Hannovers Firmen verfügten im Durchschnitt über eine ausreichend dicke Kapitaldecke und hätten dank starker regionaler Kreditinstitute keine Probleme, an frisches Geld zu kommen, sagt Bissel. Ohnehin habe sich die viel beschworene Kreditklemme „nur als Schreckgespenst“ erwiesen.

Dass die Banken auf Basis der Unternehmensdaten des bereits guten Geschäftsjahres 2010 nun noch weniger Schwierigkeiten bei der Kreditvergabe hätten, liege auf der Hand. „Gewinne kehren in die Bilanzen zurück, Auftragsbücher sind gefüllt, und Chancen ergeben sich allerorten“, berichtet Bissel. Zum zweiten Mal in Folge verbesserte sich deshalb auch der Bonitätsindex, den Creditreform in einer Art Schulnotenverfahren ermittelt (Bestwert 100, schlechtester 600) und als Durchschnitt über rund 40.000 Firmen berechnet. Er verbesserte sich um 1,2 Punkte auf 263,1 Punkte.

„Die regionale Wirtschaft benötigt zusätzliches Personal“, berichtet Prewo. Jedes dritte Unternehmen werde noch in diesem Jahr seine Mitarbeiterzahl erhöhen. Bereits im ersten Quartal 2011 stieg die Zahl offener Stellen nach Angaben der Arbeitsagentur Hannover gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres um nahezu ein Viertel auf 8194. Der Fachkräftemangel sei bei den Firmen angekommen, berichtet der IHK-Hauptgeschäftsführer. Ihre zweite große Sorge gelte den gestiegenen Rohstoff- und Energiepreisen. Mehr als 80 Prozent der befragten Unternehmer planten deshalb „teilweise deutliche Preiserhöhungen“.