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Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Hannoversche Volksbank hat neue Kunden gewonnen
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20:08 01.01.2010
Von Albrecht Scheuermann
Die Hannoversche Volksbank schaffte auch im Krisenjahr ein „gutes Ergebnis“. Quelle: Martin Steiner

Wer Banken und Sparkassen nach einer Bewertung des zu Ende gegangenen Jahres fragt, bekommt Antworten, die sich kaum stärker unterscheiden könnten: Während manche Institute, allen voran Deutschlands Marktführer Deutsche Bank, das Katastrophenjahr 2008 abgehakt haben und wieder stolze Gewinne schreiben, stöhnen andere immer noch unter den Lasten der Vergangenheit. Die Hannoversche Volksbank gehört zu denen, die wenig Grund zur Klage sehen. „Wir werden ein gutes Ergebnis präsentieren“, verrät Bankchef Jürgen Wache. Alles in allem sei das Jahr besser gelaufen als erwartet.

Volksbanken sind – wie die Sparkassen – von der Krise in der Regel weniger betroffen als viele großen Banken. Gleichwohl ging auch an ihnen der Einbruch der Wirtschaft nicht spurlos vorüber. Im Norden des Landes macht man jetzt aber die ungewohnte Erfahrung, dass gerade die Genossenschaftsbanken im wirtschaftlich starken Süden der Republik – besonders im einstigen „Musterländle“ Baden-Württemberg – oft viel mehr zu kämpfen haben. „Wenn Sie etwa mit Volksbanken im Stuttgarter Raum sprechen, bekommen Sie im Moment allerhand zu hören“, berichtet Wache. „In der Region Hannover profitieren wir jetzt von unserer Wirtschaftsstruktur“ – die weniger durch den industriellen Mittelstand wie etwa den Maschinenbau und stärker durch die relative stabilen Dienstleistungsbranchen geprägt ist. 2008 hatte die Hannoversche Volksbank ihre Risikovorsorge im Kreditgeschäft deutlich ausgeweitet – in der Erwartung, dass es gerade bei den gewerblichen Kunden nun vermehrt zu Zahlungsproblemen komme. Doch bislang ist dies ausgeblieben. Die Ausfälle durch Firmenpleiten halten sich im Rahmen. Die Bank schreibt dies jedoch auch dem Umgang mit der eigenen Klientel zu. „Wir begleiten unsere Kunden aktiv und warten nicht, bis das Kind in den Brunnen gefallen ist.“

Freilich sei es auch den Firmenkunden selbst zu verdanken, dass sich bislang die Probleme im Rahmen halten. „Sie sind heute besser vorbereitet und suchen von sich aus das Gespräch mit der Bank, wenn sich Probleme abzeichnen“, sagt der Volksbank-Chef. Dies ist wohl auch eine Folge der viel diskutierten neuen Regeln für das Bankgeschäft, die unter dem Begriff Basel II bekannt sind. Diese haben dazu geführt, dass die Unternehmer sich viel stärker mit ihrer Kreditwürdigkeit befassen (müssen) – und den Möglichkeiten, diese zu verbessern.

Die Kreditnachfrage hat unter der Krise offenbar nicht gelitten, jedenfalls nicht bei der Hannoverschen Volksbank. „Wir haben in diesem Bereich das stärkste Wachstum seit drei Jahren verzeichnet.“ Ein beträchtlicher Teil des Zuwachses beruht auf Immobilienfinanzierungen. Dabei stehen auf der Nachfrageseite nicht nur private Bauherren, sondern auch Kapitalanleger und Immobilienfirmen. Nach Waches Beobachtung hat die Immobilie in der Geldanlage an Bedeutung gewonnen.

Er sieht darin eine Folge der Ereignisse im Herbst 2008, als der Zusammenbruch der US-Bank Lehman das ganze Finanzsystem ins Wanken brachte. Der Trend gehe zum Sachwert und generell zu sicheren Anlagen. Und zu Banken,
die näher am Kunden sind, Filialen vor Ort betreiben und persönliche Beratung bieten.

Davon profitieren auch die Volksbanken. „Wir gewinnen Kunden, auch von großen Banken“, sagt Wache. Etliche hätten mit weltweit bekannten Geldhäusern schlechte Erfahrungen gemacht und suchten jetzt wieder eine Adresse vor Ort. Darunter seien durchaus auch Kunden, die eine halbe Million Euro oder mehr mitbringen. Besonders nachgefragt würden nach wie vor Einlagen wie Termingelder und Sparbriefe. Im Wertpapierbereich werde verstärkt auf Garantien geachtet. „Bei den Leuten steht der Kapitalerhalt heute ganz klar im Vordergrund“, sagte Wache.

Die Hannoversche Volksbank hat aus der Finanzkrise auch selbst Konsequenzen gezogen. So wurde die Produktpalette gestrafft, bestimmte komplizierte Finanzprodukte mit großem Erklärungsbedarf werden nicht mehr angeboten. Weitere Veränderungen erzwingt die Politik. Eine davon ist das am 1. Januar in Kraft getretene Anlegerschutzgesetz, das vor allem erweiterte Dokumentationspflichten bei der Beratung vorsieht. Der Volksbanker sieht dies positiv. „Wir begrüßen die schärferen Regeln, sie dürften uns eher nutzen“, sagt er. Schließlich bekomme dadurch die Beratung eine noch größere Bedeutung, was diejenigen Institute begünstige, die im Beratungsgeschäft ihren Schwerpunkt sehen.

Alles in allem ist Wache auch für das gerade begonnene Jahr optimistisch. Gleichwohl muss er sich mit einer Folge der Krise herumschlagen: „Das Ansehen der Banker hat generell gelitten, der Vertrauensverlust ist spürbar.“ Dies merke man auch an der neuen Wortschöpfung „Bangster“, also einer Kombination der Begriffe Banker und Gangster. Allerdings hat Wache die Erfahrung gemacht, dass sich Nah- und Fernbild deutlich unterscheiden. „Bei unseren eigenen Kunden genießen wir nach wie vor ein hohes Vertrauen.“

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