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Niedersachsen Hannoversches Unternehmen will Windkrafttürme aus Holz bauen
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Hannoversches Unternehmen will Windkrafttürme aus Holz bauen
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15:05 23.05.2011
Geschäftsführer Holger Giebel will mit Timber Tower will Windkrafttürme aus Holz bauen. Quelle: Martin Steiner
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Dank des Materials stimmt die CO2-Bilanz nicht nur bei der Stromerzeugung, sondern auch beim Bau der Anlage: Im Gegensatz zum Werkstoff Stahl hat Holz viel von dem gespeichert. 2012 sollen die ersten Türme verkauft und gebaut werden, sagt Geschäftsführer Holger Giebel.

Die Türme gehen auf eine Idee des Bauingenieurs Gregor Prass zurück. Im Oktober 2006 gründete er die Timber Tower GmbH und meldete drei Monate später ein Patent auf den Holzturm an. Mittlerweile beschäftigen die beiden Geschäftsführer Prass und Holger Giebel fünf Mitarbeiter im hannoverschen Stadtteil Vahrenwald.

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Obwohl das Start-up-Unternehmen noch keinen Turm errichtet hat, ist es für sein Konzept bereits mehrfach ausgezeichnet worden. Im Jahr 2009 erhielt es mit dem Schweighofer Innovationspreis den wichtigsten Preis der Holzwirtschaft.“

Auf die Preisgelder ist das junge Unternehmen jedoch nicht angewiesen. Als Investoren weiß es die staatseigene Förderbank KfW, den Hannover Innovationsfonds, die Mittelstandsbeteiligungsgesellschaft, die NBank sowie eine Reihe privater Geldgeber hinter sich.

Der Bundesverband Wind-Energie, dem auch Produzenten von Stahltürmen angehören, steht den Holztürmen neutral gegenüber. „Wir beobachten mit großer Neugierde, was da kommt“, sagt ein Sprecher.
Mitte des Jahres soll die Erprobung in der Praxis beginnen. Viele der Anlagenhersteller warteten gespannt auf den Bau eines vom Boden bis zur Flügelspitze 130 Meter hohen Prototypen, sagt Giebel. Auf einer Außenanlage der Leibniz-Universität Hannover im Stadtteil Marienwerder werden dann die mutmaßlichen Vorteile der Holzkonstruktion getestet.

Der Prototyp folgt auf einen Testturm von 25 Metern Höhe, der bereits 2010 für ein halbes Jahr auf dem Gelände eines Holzbauers in Waffensen (Stadt Rotenburg/Wümme) stand und Wind und Wetter trotzte. Die eigentlichen Holztürme sind auf eine Mindestlebensdauer von 20 Jahren ausgelegt.

„Holz hat viele Vorteile gegenüber Stahl“, versichert Giebel. Den Transport der Bauteile etwa bewältigten herkömmliche Lastwagen. Die einzelnen Teile würden dann vor Ort zusammengebaut. Dadurch könne der Turmfuß vergrößert werden, sodass Nabenhöhen von 200 Metern möglich seien. Die Füße der konventionellen Stahltürme werden am Stück transportiert und sind auf einen Durchmesser von 4,20 Metern begrenzt, weil der Schwertransport unter Brücken hindurch sonst nicht mehr möglich ist.

Die achteckigen Türme von Timber Tower bestehen aus Brettsperrholzplatten und Oberflächenkomponenten, die miteinander verklebt und verschraubt werden. Innerhalb von zwei Tagen soll der Turm stehen. Verkleidet werden die Türme mit einer speziellen Folie, die auch in der Flachdachabdichtung verwendet wird. Durch die Beschichtung werde das Holz „nicht frei bewittert“ und „nicht durch äußere Einflüsse wie Feuchtigkeit beeinträchtigt“, heißt es bei Timber Tower.

Die einzelnen Stücke sind aus Kiefern- oder Fichtenholz gefertigt und messen 15 mal 3 Meter bei einer Dicke von 30 Zentimetern. „Das Windrad ist natürlich nicht aus Holz, sondern aus Stahl und glasfaserverstärktem Kunststoff“, sagt Giebel. Der Turm sei wie gemacht für eine Windenergieanlage wie die „Vensys77“ mit einer Nennleistung von 1,5 Megawatt. Das saarländische Unternehmen Vensys habe bereits deutliches Interesse an dem Holzturm signalisiert, berichtet Giebel.

Die „Timber Towers“ unterscheiden sich optisch nicht von den Stahltürmen und könnten ihnen im Prinzip an jedem Standort Konkurrenz machen. „Selbst ein Einsatz vor der Küste wäre denkbar“, sagt Giebel. Die salzhaltige Luft schade Stahltürmen eher als Holzkonstruktionen. Dennoch will sich Timber Tower zunächst auf das Festland konzentrieren. Wenn Holztürme am Markt etabliert seien, könne man über den Einstieg in das Offshore-Geschäft nachdenken.

Über den Preis schweigt sich das Unternehmen aus. „Wir können da keine Angaben machen“, sagt Giebel. Die Investitionssumme sei immer standortabhängig. Bei 100-Meter-Türmen biete sein Unternehmen einen Preisvorteil von 10 bis 15 Prozent gegenüber den heutigen Stahltürmen. Ein wichtiger Punkt sei die relative Preisstabilität von Holz.

Rechtlich steht dem Projekt nach seinen Worten nicht mehr viel im Wege. „Wir warten nur noch auf die Zustimmung im Einzelfall des niedersächsischen Sozialministeriums als oberster Baubehörde“, sagt Giebel. Es würden noch Versuche zur Standsicherheit durchgeführt.

Sören Hendrik Maak