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Niedersachsen Harzwasserwerke stehen vor Verkauf
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Harzwasserwerke stehen vor Verkauf
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17:31 18.03.2014
Von Jens Heitmann
Okertalsperre im Harz: Der Sanierungsbedarf für die Anlagen drücken auf die Gewinne der Harzwasserwerke. Quelle: dpa
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Hannover

In einem ersten Schritt haben sie den Konsortialvertrag gekündigt, der die Vorkaufsrechte regelt. Vom kommenden Jahr an könnten sie für ihre Anteile am Markt einen Käufer suchen. „Ich rechne mit einem Ausstieg von Anteilseignern“, sagt Geschäftsführer Renke Droste.

Das Land Niedersachsen hatte die Harzwasserwerke 1996 zur Regierungszeit von Gerhard Schröder (SPD) privatisiert – zum Zuge kam damals für umgerechnet 110 Millionen Euro ein Konsortium aus Energieversorgern und Kunden des Hildesheimer Unternehmens. Während die erste Gruppe ihre Beteiligung als Kapitalanlage sah und folglich an hohen Ausschüttungen interessiert ist, sind die Wasserabnehmer vor allem an niedrigen Preisen interessiert. Diese gegensätzlichen Erwartungen sollen schon länger für Unstimmigkeiten unter den Anteilseignern sorgen.

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Die Harzwasserwerke betreiben drei Talsperren- und vier Grundwasserwerke und beliefern 2 Millionen Kunden mit Trinkwasser. Zudem speisen die Talsperren zehn Wasserkraftwerke. Ferner sind die Harzwasserwerke für den Erhalt des Oberharzer Wasserregals zuständig, ein System aus Teichen, Gräben und Stollen, das zum Unesco-Weltkulturerbe gehört. Das Unternehmen beschäftigt 220 Mitarbeiter und macht 40 Millionen Euro Umsatz. Der Überschuss lag zuletzt bei rund 5 Millionen Euro.

Diese Rendite ist den meisten Anteilseignern schon lange zu niedrig. Man habe ursprünglich mit einer deutlich höheren Quote kalkuliert, verlautet aus dem Kreis der Energieversorger. Angesichts des hohen Investitionsbedarfs für die dringend nötige Sanierung der Talsperren  – die Rede ist von 200 bis 300 Millionen Euro – werde der Gewinn noch schrumpfen, heißt es.

Vor diesem Hintergrund bereiten die Anteilseigner EWE/Stadtwerke Bremen und Avacon/Purena, die Hamburger Wasserwerke sowie die Stadtwerke Braunschweig und Hannover jetzt ihren Ausstieg vor. Für die ersten drei Gruppen zählen die Harzwasserwerke dem Vernehmen nach nicht mehr zum Kerngeschäft. Die Stadtwerke Hannover nutzen die Gelegenheit, um Druck auf die drei Dutzend Großkunden aufzubauen, die sich in der HKW zusammengeschlossen haben. „Wir streben aktuell keinen Verkauf unserer Anteile an, aber wir wollen über die strategische Ausrichtung der Harzwasserwerke reden“, sagt Stadtwerke-Chef Michael Feist. Für die Wasserversorgung in der Region Hannover spielt der Harz keine große Rolle: Mehr als 90 Prozent des Trinkwassers kommen aus den eigenen Werken der Stadtwerke im Fuhrberger Feld.

Wer seine Anteile an den Harzwasserwerken veräußern will, kommt an der Landesregierung nicht vorbei: Sie genießt ein Vorkaufsrecht und muss dem Verkauf an Dritte zustimmen. In welcher Form man davon Gebrauch machen werde, sei noch nicht abzusehen, sagt eine Sprecher des Finanzministeriums in Hannover. „Es ist Vorsorge dafür getroffen worden, dass ein ordnungsgemäßer Betrieb der Wasserwerke auch im Falle des Weiterverkaufs von Anteilen gesichert ist.“

1000 Liter für weniger als einen Euro

„Trinkwasser ist ein Stück Lebensqualität zu einem fairen Preis“, wirbt die Wasserversorgung Syker Vorgeest – eine von 38 Gesellschaften, die sich in der Harzwasser-Kommunale Wasserversorgung GmbH (HKW) zusammengeschlossen haben: „Wir liefern 1000 Liter für weniger als einen Euro. Wo gibt es das sonst noch?“ In Hannover jedenfalls nicht: Hier ist der Kubikmeter um die Hälfte teurer.

Im Kreis der HKW-Gesellschafter habe man ein hohes Interesse daran, dass die Wasserpreise auch künftig niedrig bleiben. „Das war der Hauptgrund dafür, dass wir uns an den Harzwasserwerken beteiligt haben“, sagt Geschäftsführer Horst Wiesch, der auch Aufsichtsratschef der Harzwasserwerke ist. „Wir setzen auf eine ergebnisoffene Diskussion mit den übrigen Anteilseignern.“

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