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Niedersachsen Herrenhäuser schreibt wieder schwarze Zahlen
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Herrenhäuser schreibt wieder schwarze Zahlen
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22:20 27.10.2011
Von Carola Böse-Fischer
Brauerei-Chef Christian Schulz-Hausbrandt glaubt an die Kraft gut geführter Regionalmarken. Quelle: Martin Steiner
Hannover

Bei der Privatbrauerei Herrenhausen nimmt man sich Zeit – besonders zum Brauen des „Herri“, wie die Hannoveraner das Traditionsbier immer noch oder wieder liebevoll nennen. Andere Brauereien mögen ihre Biere im „Turbo-Gärverfahren“ in wenigen Tagen produzieren – an der Herrenhäuser Straße wird nach alter Brauweise gearbeitet. Mit der „kalten klassischen Gärung“.

Pilsener und Export werden bis zu sechs Wochen in liegenden Tanks unter der Erde gelagert und schließlich noch junges angegorenes Bier in die Tanks gegeben, um die Nachreifung zu unterstützen. Statt Hopfenextrakt wird nur Naturhopfen verwendet. „Was ins Glas oder die Flasche kommt, ist ein handwerklich anspruchsvolles und hoch qualitatives Produkt“, sagt Christian Schulz-Hausbrandt. Die Herstellung koste zwar mehr, aber „das schmeckt man im Bier“. Mit dieser „Visitenkarte“ will der Geschäftsführer der kleinen Privatbrauerei, deren Anfänge bis ins Jahr 1868 reichen, das Vertrauen der Verbraucher zurückgewinnen.

Auch das braucht Zeit – und es ist in Zeiten schrumpfenden Bierkonsums alles andere als ein Kinderspiel. Vor einem Jahr hat die Privatbrauerei Wittingen das hannoversche Traditionsunternehmen übernommen – und vor dem Aus bewahrt. Unter seinem vormaligen Eigentümer Manfred Middendorf war es jahrelang bergab gegangen, bis die Pleite 2010 unabwendbar wurde.

Mutig griffen die Brauer aus der Südheide zu – mutig, weil sie bis dahin noch nie ihr eigenes Absatzgebiet, das von Lüneburg über Celle bis nach Helmstedt reicht, verlassen hatten. Rund 360 000 Hektoliter Bier und 40 000 Hektoliter alkoholfreie Getränke verkauft die Regionalbrauerei dort jährlich und erzielt damit Erlöse von etwa 22 Millionen Euro. Ein Teil des Absatzes entfällt jedoch auf margenschwache Handelsmarken, wie Schulz-Hausbrandt einräumt, der Mitinhaber und auch Geschäftsführer der Wittinger Brauerei ist.

Vielleicht war das ein Grund, sich eine zweite Privatbrauerei mit einer – einst – starken Marke zuzulegen. Schulz-Hausbrandt will es nicht kommentieren. Sein Hinweis, dass eine Marke „überlebenswichtig“ im Biergeschäft sei, ist allerdings vielsagend. Und er glaubt angesichts der Erfahrungen mit seinen heimischen Biermarken wie Wittinger Premium, Wittinger Pilsener oder Stackmann’s Dunkel an die Zukunft der Regionalbrauereien und – wenn sie gut geführt wird – an die Kraft der Marke. „Wir sind bei der Herrenhäuser nicht blauäugig reingesprungen“, sagt er.

An der Wiederbelebung der Marke Herrenhäuser wird gearbeitet. Die internen Strukturen wurden „neu geordnet“, die „Schlagkraft“ des um fünf auf zehn Mitarbeiter aufgestockten Vertriebs erhöht und der Markenauftritt „durch ein klares Erscheinungsbild“ unter anderem mit neuen Etiketten auf den Flaschen aufgefrischt.

Und unter den neuen Eigentümern zeigt die Herrenhäuser Brauerei wieder Präsenz in der Stadt, beim Schützenfest und beim Maschseefest. Auch als Sponsor, etwa der Basketballer von den UBC Tigers oder des Sechstagerennens im Dezember auf dem Messegelände, ist Herrenhäuser aktiv. „Wir wollen ein verlässlicher Partner in der Stadt sein“, sagt Verkaufsdirektor René Hagemann.

Die Anstrengungen, die Marke Herrenhäuser wieder strahlen zu lassen, zeigen laut Schulz-Hausbrandt schon Erfolge. So seien im ersten Geschäftsjahr 2010/11 (30. 9.) nach der Übernahme über 100 000 Hektoliter hauptsächlich in der Region Hannover verkauft worden, 10 Prozent mehr als im letzten Jahr unter Middendorfs Regie – und das in einem insgesamt schrumpfenden Biermarkt und trotz des verregneten Sommers, sagt der Firmenchef. Damit sei die – allerdings vorsichtige – Planung übertroffen worden.

Was noch wichtiger ist: Schon das erste Jahr wurde laut Schulz-Hausbrand mit „schwarzen Zahlen“ beendet – auch, weil man sich offenbar nicht auf Preiskämpfe einlassen will. Der Preis von 10,99 Euro für den Kasten Herrenhäuser liege um einen Euro unter dem der nationalen Premiummarken, sagt der Vertriebsdirektor. „Der Handel akzeptiert es und der Verbraucher auch.“ 90 Prozent ihres Absatzes macht die Brauerei mit dem Lebensmitteleinzelhandel, mit Tankstellen und Getränkeabholmärkten, das restliche Zehntel in der Gastronomie.

Unter dem Strich halten die neuen Herren in Herrenhausen den Neustart ihrer Privatbrauerei für „gelungen“. Und es soll weitergehen. Im Januar werden Pilsener, Weizen und Alster um ein Herrenhäuser Spezial ergänzt und soll das Exportgeschäft aufgebaut werden. Gleichzeitig treibt Schulz-Hausbrandt die Modernisierung der Brauerei voran. Gerade wurde eine Dampfkesselanlage für 400.000 Euro installiert, um Energie und Geld zu sparen. Im Frühjahr soll der eigene Fuhrpark erneuert werden. „Wir machen alles nach und nach“, sagt der Brauerei-Chef. Das braucht zwar Zeit, aber die inzwischen 80 Mitarbeiter müssen nun wohl nicht mehr um ihre Jobs fürchten.

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