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Niedersachsen IG Metall appelliert an McAllister
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen IG Metall appelliert an McAllister
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18:43 20.03.2012
Von Jens Heitmann
Nordseewerke in Emden (Archivbild)
Nordseewerke in Emden (Archivbild) Quelle: dpa
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Hannover

Die IG Metall hat den niedersächsischen Ministerpräsidenten David McAllister (CDU) aufgefordert, sich für eine Kreditvergabe an die Emder Nordseewerke einzusetzen. "Wir bitten Sie dringend, auf die Nord/LB einzuwirken, ihre gemachten Zusagen gegenüber der Siag Nordseewerke GmbH und den Kolleginnen und Kollegen einzuhalten", hieß es am Dienstag in einem Brief der Gewerkschaft an den Regierungschef. Das Land habe sich 2009 verpflichtet, den Strukturwandel vom Schiffbau zur Offshore-Industrie zu begleiten und zu überwachen.

Das Emder Unternehmen ist aus der früheren ThyssenKrupp-Werft Nordseewerke hervorgegangen. Der Mischkonzern hatte das Interesse am Bau von Containerschiffen verloren und den Standort Emden an die Siag Schaaf Industrie AG verkauft. ThyssenKrupp ist noch mit 20 Prozent an den Nordseewerken beteiligt; mittelfristig will das Unternehmen sein Engagement beenden. Die rund 700 Mitarbeiter in der Werft bauen seit der Übernahme durch Siag Teile für Windkraftanlagen - unter anderem die Fundamente für die Windparks.

Vom Insolvenzantrag der Muttergesellschaft Siag Schaaf Industrie AG sehen sich die Nordseewerke nicht direkt betroffen. Der Zulieferer für Offshore-Windräder ist nach Betriebsratsangaben bis Ende des ersten Quartals 2013 mit Aufträgen ausgelastet. Die Nordseewerke seien in keiner Situation, die ein Insolvenzverfahren rechtfertigt, hieß es im Schreiben der IG Metall an McAllister. Es liege weder eine Überschuldung vor, noch gebe es Engpässe in Sachen Liquidität. "Dies würde nur herbeigeführt, sollte die Nord/LB die zugesagten Kredite für die bestehenden und zukünftigen Aufträge nicht freigeben", hieß es in dem Brief. Die Staatskanzlei wollte dazu gestern keine Stellung nehmen.

Die Norddeutsche Landesbank gilt an der Küste als wichtigster Finanzier für die Aufträge der Nordseewerke; die Landesregierung soll dafür zumindest zum Teil mit Bürgschaften geradestehen. Dem Vernehmen nach geht es insgesamt um einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag. Die Bank wollte das nicht bestätigen. "Wir gehen davon aus, dass es hier weitergeht", sagte der Betriebsratsvorsitzende Erwin Heinks. Die Auftragsbücher seien bis Ende des ersten Quartals 2013 gefüllt. Ende der Woche werde man Gespräche mit der Nord/LB führen. Offenbar ist unklar, welche Folgen die Insolvenz von Siag Schaaf für das Tochterunternehmen hat.

Die Nordseewerke sind das zweite Sorgenkind der Landesregierung. Auch der Winkdraftanlagenhersteller Bard kämpft mit Problemen. Das Unternehmen will die Fertigung von Rotorblättern in Emden schließen. Als Grund wurden fehlende Anschlussaufträge nach Abschluss der Fertigung für den Windpark Bard Offshore1 genannt. Von dem Ende der Fertigung sollen 100 Mitarbeiter betroffen sein. (mit: dpa)

20.03.2012
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