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Niedersachsen IG Metall will Kfz-Branche sanieren
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen IG Metall will Kfz-Branche sanieren
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21:28 22.03.2010
Von Lars Ruzic
Geselle bei der Inspektion in einer hannoverschen Werkstatt: Die IG Metall fürchtet ein branchenweites Firmensterben.
Geselle bei der Inspektion in einer hannoverschen Werkstatt: Die IG Metall fürchtet ein branchenweites Firmensterben. Quelle: Steiner (Archiv)
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Im Zentrum stehen eine Arbeitszeitverkürzung ohne Lohnausgleich sowie erstmals eine landesweit operierende Transfergesellschaft für alle Mitgliedsfirmen in den Arbeitgeberverbänden. Die signalisierten bereits Gesprächsbereitschaft. Die Verhandlungen sollen Ende des Monats beginnen.

„Wir stehen in der Branche vor einem gewaltigen Strukturwandel, den wir sozialverträglich organisieren müssen“, sagte Niedersachsens IG-Metall-Chef Hartmut Meine am Montag in Hannover. Die Gewerkschaft befürchtet, dass in den kommenden Jahren gut jeder Dritte der derzeit mehr als 3400 Autohändler und -werkstätten in Niedersachsen die Segel streichen muss. Damit wären weit mehr als 10 000 Arbeitsplätze allein zwischen Ems und Elbe gefährdet. Die Ursachen liegen dabei weniger in der absehbaren Flaute nach dem Ende der Abwrackprämie als in den Überkapazitäten und notorisch unauskömmlichen Margen der Firmen. Hinzu kommt, dass die Hersteller ihr Geschäft in wenigen großen Häusern konzentrieren wollen.

Die außergewöhnlichen Herausforderungen erforderten ebensolche Antworten, sagte IG-Metall-Verhandlungsführer Wilfried Hartmann. Mit einer branchenweiten Transfergesellschaft betrete man „absolutes Neuland“, räumte er ein. Bislang werden solche Auffangbetriebe vor allem dann ins Leben gerufen, wenn ein Großbetrieb Hunderte Stellen abbauen muss. Die Gesellschaft übernimmt dann die Betroffenen in der Regel für ein Jahr, zahlt ihnen mit Unterstützung der Arbeitsagentur ein Großteil ihres letzten Salärs und qualifiziert sie weiter. Eine landesweit operierende Gesellschaft müsse in den Ballungszentren Stützpunkte aufbauen, die dann jeweils die Betroffenen des Großraums aufnehmen könnten, sagte Hartmann.

Die Metaller machten deutlich, dass die Transfergesellschaft für „absolute Notfälle“ gedacht sei. Sie hoffen, dramatischen Jobabbau mit einer verstärkten Ausnutzung von Kurzarbeit sowie einer Absenkung der tariflichen Wochenarbeitszeit zumindest teilweise verhindern zu können.

Schon heute können die Kfz-Betriebe die Arbeitszeit von 36 auf 30 Stunden reduzieren. Der Gewerkschaft schwebt eine Senkungsmöglichkeit vor, wie sie jüngst in der Metall- und Elektroindustrie verabredet wurde. Dort können niedersächsische Firmen die Arbeitszeit bis auf 25 Stunden verringern, bezahlen aber 27,25 Stunden. Ähnlich wie in der Industrie verlangt die Gewerkschaft auch im Kfz-Gewerbe Beschäftigungssicherung und Lohnerhöhungen, die sie jedoch nicht konkret beziffert.